Ein Mann hält eine Heroinspritze an seinen Arm.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / dpa | Frank Leonhardt)

Arbeitsgruppe schlägt erweitertes Konzept vor

Mehr Angebote für Drogenabhängige in Ravensburg gefordert

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Dirk Polzin
SWR-Redakteur Dirk Polzin Autor Bild (Foto: SWR, Alexander Kluge)

Die Anlaufstelle für Drogensüchtige "Die Insel" soll ihr Angebot ausbauen. Das hat eine Arbeitsgruppe dem Sozialausschuss des Kreistags empfohlen. Unklar ist die Finanzierung.

Der Kontaktladen für Drogenabhängige "Die Insel" in Ravensburg soll noch mehr Hilfsangebote anbieten. Das hat am Dienstag eine Arbeitsgruppe dem Sozialausschuss des Kreistags empfohlen. Zudem solle die Anlaufstelle weiterhin vom Zentrum für Psychiatrie Südwürttemberg betrieben werden.

Anlaufstelle soll künftig Drogensüchtigen aller Art helfen

Im Kontaktladen "Die Insel" mitten in der Ravensburger Altstadt können Konsumentinnen und Konsumenten illegaler Drogen seit über 30 Jahren günstig essen, duschen sowie eine Beratung und sterile Spritzen bekommen. Doch künftig sollen dort auch Menschen, die legale Drogen nehmen, Hilfe bekommen, etwa Tabletten- und Alkoholabhängige.

Gleichzeitig müsse die Anlaufstelle Hilfen für Menschen bieten, die viele verschiedene Stoffe konsumieren. Dies sei ein zunehmender Trend, erklärte die Arbeitsgruppe dem Sozialausschuss des Kreistags in ihrem Bericht. Des Weiteren empfahl sie eine psychiatrische Sprechstunde in dem Laden sowie eine bessere Bewerbung des Angebots.

Finanzierung des Angebots noch unklar

Offen ist, ob der Landkreis Ravensburg das Angebot weiterhin mit jährlich knapp 115.000 Euro unterstützt. Denn der Kreis ist in Geldnöten und will bis zum Herbst ein Sparprogramm vorlegen. Entsprechend unklar ist, ob der Vertrag mit dem Zentrum für Psychiatrie Südwürttemberg als Betreiber der Anlaufstelle verlängert wird.

Er läuft im Mai aus und wurde vom Kreis nochmals bis Ende Oktober verlängert. Auf Empfehlung der Arbeitsgruppe soll er aber bis Ende 2029 laufen. Ob dies möglich ist, muss der Sozialausschuss eigenen Angaben zufolge am 24. September entscheiden.

Nachfrage nach Hilfsangeboten ist groß

Verändert hat sich der Arbeitsgruppe zufolge die Besucherfrequenz in der „Insel“. Seien während der Pandemie nur rund 90 Drogenabhängige gekommen, waren es vergangenes Jahr etwa 150. Der Kontaktladen sei eine wichtige Instanz in Ravensburg, sagten mehrere Räte bei der Sitzung des Sozialausschusses.

Die Anlaufstelle war einst im Kampf gegen die offene Drogenszene in Ravensburg eingerichtet worden. Allerdings hatte es wiederholt Probleme mit der Finanzierung gegeben, so waren 2016 einstige kirchliche Träger abgesprungen. Daraufhin hatte der Kreis den Großteil der Betriebskosten übernommen.

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