Alter Gottesacker in Wangen mit Rochuskapelle (Foto: SWR)
In dem überdachten Laubengang sind Grabdenkmale untergebracht.
Grabtafel eines Wangener Bürgers.
Die Holzdecke der Rochuskapelle ist einzigartig in Süddeutschland. Auf 66 bemalten Tafeln sind biblische Motive abgebildet. Dahinter verbirgt sich eine zweite Ebene.
Der Altarraum der Rochuskapelle.
Kreuze und Grabdenkmäler in dem überdachten Laubengang.
Die reicheren Bürger der Stadt konnten sich auf dem Friedhof ein Denkmal setzen.
Kunstvoll gestaltet für die Ewigkeit.

Friedhofsanlage neben Seelhaus für die Pestopfer

Wegen Pandemie vor 500 Jahren in Wangen im Allgäu errichtet

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Die Friedhofsanlage "Alter Gottesacker" mit Rochuskapelle in Wangen im Allgäu (Kreis Ravensburg) wurde vor rund 500 Jahren erbaut. Grund für die Errichtung war eine Pandemie - die Pest wütete in der Region.

Stadtarchivar Rainer Jensch und Orts-Heimatpfleger Stephan Wiltsche haben die Geschichte des "Alten Gottesackers" nun in einem Buch aufgearbeitet. Die Stadt Wangen lag im Mittelalter an einer Reichsstraße, der Handelsstraße von Norditalien Richtung Nürnberg. Die Handelsreisenden waren zu Zeiten der Pest eine potenzielle Gefahr für die Bewohner. Deshalb errichtete die Stadt vor den Toren das Seelhaus, eine Art Quarantänestation für die Durchreisenden. Doch die Pest verschonte die Stadt nicht und neben dem Seelhaus musste ein zusätzlicher Friedhof für die Pestopfer geschaffen werden, der Kirchhof mitten in der Stadt konnte die Toten nicht mehr fassen.

Vom Pestbühl zum Gottesacker mit kunstvollen Einzelgräbern

Zunächst bestand der Alte Wangener Gottesacker hauptsächlich aus einem Pestbühl, einem Hügel, der sich durch die Bestattung der Pestopfer in Massengräbern bildete. Erst in ruhigeren Zeiten stattete man den Friedhof kunstvoll aus. Er wurde eingefriedet, ein überdachter Laubengang zog sich entlang der Mauer und die reicheren Bürger ließen für sich Grabdenkmäler mit aufwändig bemalten Grabtafeln errichten.

Gut erhaltene Renaissanceanlage

Der Alte Gottesacker gilt als eine der besterhaltenen Renaissanceanlagen mit Kreuzen, Skulpturen und historischen Denkmälern. Zu der Anlage gehört auch die Rochuskapelle. Sie ist einzigartig in Süddeutschland wegen ihrer bemalten Holzdecke mit 66 Tafeln. Auf ihnen sind biblische Motive abgebildet. Die Buchautoren Rainer Jensch und Stephan Wiltsche haben aber auch ganz neue Erkenntnisse gewonnen: Hinter den Tafeln verbirgt sich - typisch für die Renaissance - eine zweite Ebene mit geometrischen Figuren und Zahlenrätsel. Die Autoren lüften das Geheimnis im Gespräch mit SWR-Reporterin Thea Thomiczek.

Alter Gottesacker in Wangen mit Rochuskapelle (Foto: SWR)
Stadtarchivar Rainer Jensch (links) und Orts-Heimatpfleger Stephan Wiltsche haben sich intensiv mit der Geschichte des "Alten Gottesacker befasst.

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