80. Jahrestag der Novemberpogrome Konstanzer Gedenkfeier: Kretschmann warnt vor Antisemitismus

Anlässlich des 80. Jahrestags der Novemberpogrome hat Ministerpräsident Kretschmann (Grüne) in Konstanz der Opfer gedacht. Antisemitismus bedrohe den Rechtsstaat, so Kretschmann.

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"Der Antisemitismus ist wieder in Kreisen angekommen, die sich als bürgerlich gerieren", sagte Kretschmann am Mittwochabend bei einer Gedenkveranstaltung in Konstanz. Mit AfD-Abgeordneten sei er in viele Parlamente eingezogen, "leider auch in unseres".

"Jeder einzelne Bürger gefordert"

Antisemitismus bedrohe den Rechtsstaat und das Vertrauen in die Grundrechte unserer Demokratie, betonte der Ministerpräsident vor den rund 750 Gästen. Jeder einzelne Bürger sei gefordert, antisemitischen Straftaten, Hetze in sozialen Medien und völkischem Denken etwas entgegenzusetzen.

Der Konstanzer Oberbürgermeister Uli Burchardt (CDU) hatte zuvor daran erinnert, dass in Konstanz schon zwei Jahre vor der Pogromnacht eine Synagoge in Brand gesetzt worden war. "Damals kam die Feuerwehr noch, um den Brand im Innenraum zu löschen."

Anders zwei Jahre später: Nazi-Mobs wüteten vom 9. auf den 10. November 1938. In Baden, Württemberg und Hohenzollern brannten sie mehr als ein Drittel der Synagogen und Betsäle nieder, darunter die Konstanzer Synagoge. Die Novemberpogrome gelten als Auftakt für den Genozid an den europäischen Juden.

Nachfahren Konstanzer Juden bei Gedenkstunde

Rund 750 Gäste nahmen am Mittwochabend an der Gedenkeier im Konzilgebäude teil - darunter Vertreter von Politik, jüdischer Gemeinden, Kirchen und Gesellschaft. Gekommen waren auch Angehörige Konstanzer Juden, die aus den USA, Großbritannien, Schweiz und Deutschland angereist waren. Ihre Großeltern oder Eltern konnten damals rechtzeitig aus Deutschland fliehen. Für sie, betonten einige, sei die Gedenkstunde ein wichtiges Zeichen auch für die persönliche Aufarbeitung.

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