Frühchen in Not (Foto: SWR)

Widerstand gegen Zentralisierungspläne Kinderklinik Singen wehrt sich im Streit um Frühchen-Versorgung

Frühchen brauchen eine besondere medizinische Betreuung. Doch pünktlich zum Weltfrühchentag am Samstag ist ein Streit um die Versorgung der Frühgeborenen entbrannt. In Singen regt sich Widerstand.

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Hintergrund des Streits ist eine Forderung des "Gemeinsamen Bundesausschuss", der sich aus Krankenkassen, Krankenhaus-Gesellschaften und Beratern zusammensetzt. Er will die Mindestmenge an Frühgeborenen in einer Klinik erhöhen - von derzeit 14 auf 30 oder sogar 50. So soll für die Frühgeborenen die beste Versorgung gewährleistet werden, nach dem Motto "Übung macht den Meister".

Sollte es so kommen, bedeutet das für betroffene Eltern in der Bodenseeregion, dass ihre Frühchen nicht an der Kinderklinik in Singen behandelt würden. Sie müssten womöglich in die größeren Perinatalzentren in Ulm, Stuttgart oder Freiburg ausweichen.

Klinikleiter: "Nicht zielführend im Sinne der Qualität"

Der Chef der Singener Kinderklinik, Andreas Trotter, bezweifelt, dass der Plan zu einer Verbesserung der Versorgung führen würde. Ein Großteil der Qualität werde nicht durch die Menge an Frühgeborenen bestimmt, sondern durch viele andere Faktoren:

"Wie gut ist die Primärversorgung, wie gut ist die Pflege, wie sind die Therapiekonzepte. Ich halte eine weitere Erhöhung der Mindestmenge für nicht zielführend im Sinne der Qualität."

Andreas Trotter, Leiter der Singener Kinderklinik

Christian Poets ist anderer Meinung. Er leitet in Tübingen eins der vier großen Perinatalzentren im Land und fordert seit nun schon 13 Jahren die Erhöhung der Mindestmenge an Frühgeborenen in einer Klinik.

"Die Idee ist, die Kinder in der kritischen ersten Zeit in den Zentren zu haben und sie dann heimatnah zu verlegen und dort weiter zu behandeln", sagt Poets. Es gehe nicht darum, Kliniken zu schließen, sondern den Kindern die bestmöglichen Startchancen zu ermöglichen.

In Singen befürchtet man dennoch, dass durch eine Zentralisierung die Versorgung von Frühchen in der Fläche leiden könnte.

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