Eine Frau zeigt auf eine Präsentation mit Wirtschaftsdaten (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Tobias Kleinschmidt/dpa)

Studie der Zeppelin-Universität Friedrichshafen Weiter wenig Frauen in kommunalen Führungspositionen

Trotz Fortschritten sind in Deutschland weiter wenig Frauen in öffentlichen Unternehmen an führender Position. In Baden-Württemberg steht besonders Heidelberg schlecht da.

Wissenschaftler der Zeppelin-Universität Friedrichshafen haben für die Studie die Führungsetagen von 1.463 öffentlichen Unternehmen wie Stadtwerke oder Krankenhäuser in 69 Städten ausgewertet. Verglichen wurden Stadtstaaten, Landeshauptstädte und die vier größten Kommunen je Bundesland. Freiburg ist mit einem Frauenanteil von 33,3 Prozent auf Platz sechs aller untersuchten Städte.

Die Stadt hat mit 33 Prozent den höchsten Frauenanteil in Baden-Württemberg. "Die Stadt Freiburg hat die Weichen sehr früh gestellt. Wir haben schon im Jahr 2000 eine Dienstvereinbarung abgeschlossen, wo es um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie geht", so die Frauenbeauftragte Simone Thomas im SWR. Mittlerweile liege der Frauenanteil im höheren Dienst in Freiburg sogar bei 45 Prozent.

Drei Städte in Baden-Württemberg unterdurchschnittlich

In Karlsruhe ist etwa jede fünfte kommunale Führungsposition von einer Frau besetzt, dahinter kommt Mannheim mit einem Frauenanteil von knapp 17 Prozent. In der Landeshauptstadt Stuttgart ist nicht mal jede zehnte Führungskraft der untersuchten kommunalen Firmen weiblich. Noch weniger sind es in Heidelberg mit 6,3 Prozent. "Dort sind wir in der Tat nicht sehr gut", sagte der Pressesprecher der Stadt, Tim Herre, dem SWR. Dies liege aber nicht an der fehlenden Bereitschaft Heidelbergs. Die Stadt habe zwar versucht, den Anteil der Frauen zu erhöhen, dies scheitere aber an den Bewerbern. "Bei den letzten beiden Stellenausschreibungen gab es bei einem Fall gar keine weibliche Bewerberin und in einem Fall nur zwei Fachfremde."

Große Unterschiede zwischen Ost und West

Bundesweit sind die meisten Frauen im hessischen Offenbach an der Spitze: Die Quote beträgt hier 54,5 Prozent. Es gibt aber auch Städte mit gar keiner weiblichen Führungskraft auf kommunaler Ebene, dazu gehören etwa Braunschweig oder Flensburg. Insgesamt lägen die Zahlen unter den von der Politik formulierten Zielen, so Studienleiter Ulf Papenfuß. Auffällig ist ein starker Unterschied zwischen Ost und West. In Ostdeutschland sind fast doppelt so viele Frauen im Vorstand kommunaler Unternehmen wie in Westdeutschland. Im Ländervergleich belegt Baden-Württemberg einen der letzten Plätze und liegt beim Anteil der weiblich besetzten Top-Positionen mit der Quote von 17,3 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt (19,3 Prozent).

In manchen Städten stieg im Laufe der vergangenen Jahre der Anteil von Top-Managerinnen. In anderen gab es den Angaben zufolge eine Stagnation auf niedrigem Niveau oder sogar einen Rückgang. "Einige Kommunen haben sich des Themas angenommen und inzwischen eine vergleichsweise hohe Repräsentation erreicht. Das hängt in erster Linie von den handelnden Akteuren ab", sagte Papenfuß.

Viele Frauen im Bereich Natur und Soziales

Besonders häufig sind weibliche Führungskräfte der Studie zufolge in den Bereichen Zoologische Gärten, Landschaftspflege und Naturschutz, Gesundheit und Soziales sowie in Krankenhäusern zu finden. Deutlich geringer ist ihr Anteil unter anderem bei Banken und im Finanzwesen, in Stadtwerken oder in der Abfall- und Entsorgungswirtschaft.

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