Ummendorf im Kreis Biberach (Foto: SWR)

Streit in Ummendorfer Wohngebiet Wenn das Traumhaus zum Alptraum wird

Neue Wohnungen und Häuser werden in Baden-Württemberg dringend gebraucht. Doch wie kompliziert der Bau sein kann, zeigt das oberschwäbische Ummendorf. Hier liegen die Bauvorhaben von 19 jungen Familien auf Eis.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
20:15 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

Für Familie Herth war eigentlich schon alles klar: Ein neues Eigenheim im Neubaugebiet in Ummendorf bei Biberach an der Riß sollte es werden. Denn die Zwei-Zimmer-Wohnung in Biberach war für das Ehepaar und die beiden Töchter zu klein geworden. Umso größer war die Freude im vergangenen Herbst, als die Herths den Bauplatz in Ummendorf bekamen.

Auch Sonja und Benjamin Prestle mit ihrem Sohn bekamen eine Zusage für einen Bauplatz in dem 4.300-Einwohner-Dorf. "Das stand alles schon fest", sagt Sonja Prestle. "Man hat sich schon Gedanken gemacht, wie groß das Haus sein soll, wie groß die Zimmer und so weiter." Doch das Glück der beiden Familien hielt nicht lange. Als schon alles sicher schien, kam plötzlich die Absage. "Das hat uns den Boden unter den Füßen weggezogen", sagt Christian Herth. "Da waren wir richtig, richtig traurig."

Eine Klage blockiert alle Bauvorhaben

Dabei sind die beiden Familien genau das, was sich die Gemeinde wünscht: jung, mit Kindern, ehrenamtlich engagiert, mit Wurzeln in Ummendorf. Für diese Eigenschaften hat die Gemeinde bei der Vergabe Punkte an die Bewerber vergeben. Die beiden Familien und 17 weitere profitierten von dieser Regelung, rund 140 andere gingen bei der Vergabe leer aus. Eine dieser Familien fühlte sich benachteiligt und klagte gegen das Punktesystem. Das Gericht gab ihr Recht und stoppte die Bauplatz-Vergabe - für alle 19 Familien.

"Die Entscheidung, die das Verwaltungsgericht getroffen hat, ist absolut inakzeptabel", sagt Benjamin Prestle. Denn das Gericht habe nicht darüber geurteilt, ob das Punktesystem rechtens ist, sondern über Formelles: Erstens war die Abstimmung über die Kriterien im Gemeinderat nicht-öffentlich. Und zweitens sei einer der Räte befangen gewesen, weil er sich später selbst auf einen Bauplatz bewarb.

Das Urteil muss der Ummendorfer Bürgermeister Klaus B. Reichert (CDU) akzeptieren - ein Punktesystem hält er dennoch die für beste aller Möglichkeiten. Eine Versteigerung sei sozial ungerecht, bei einer Verlosung sei der Bewerberansturm zu groß. "Die dritte Möglichkeit ist das Windhundprinzip: Wer als erstes im Rathaus ist, kriegt einen Bauplatz. Da haben wir gesagt, dass das für uns auch nicht in Frage kommt. All diese drei Dinge hat der Gemeinderat abgelehnt."

Ummendorfs Bürgermeister Klaus B. Reichert (CDU) (Foto: SWR)
Ummendorfs Bürgermeister Klaus B. Reichert (CDU)

Ist das Vergabesystem diskriminierend?

Doch im aktuellen System gibt es die höchste Punktzahl für Bewerber, die mindestens sechs Jahre in Ummendorf wohnen. Ist das nicht diskriminierend gegenüber Zugezogenen? "Diskriminierend ist alles, sobald Sie irgendwie Regeln aufstellen", sagt Reichert. "Wir sind ein Gemeinderat mit 16 Mitgliedern plus meiner Person, ich bin auch stimmberechtigt. Da muss man irgendwie einen Konsens finden. Aber dass Menschen, die hier aufgewachsen sind, hier wieder ansässig werden wollen, halte ich für durchaus legitim.“

Unterdessen fürchten auch andere Kommunen Klagen und setzen die Vergabe von Bauplätzen aus. Schließlich gebe es oft mehr Interessenten als Bauplätze, heißt es beim Gemeindetag. Inhaltlich werden die Vergabekriterien derzeit vom Verwaltungsgerichtshof geprüft. Je nachdem, wie viel Zeit bis zum Urteil vergeht, könnte den wartenden Familien ganz konkret Fördergeld verloren gehen - Baukindergeld gibt es nur bis zum nächsten Jahr. Außerdem erhöhen sich auch die Baukosten - um etwa drei Prozent pro Jahr.

"Die Ungewissheit ist einfach schlimm"

Noch in diesem Jahr will der Gemeinderat neue Kriterien für die Vergabe beschließen. Ob die beiden Familien dann erneut die Chance auf einen Bauplatz haben, ist unklar. "Man weiß nicht wie es ausgeht, und das ist einfach ein komisches Gefühl, ein trauriges Gefühl", sagt Sonja Prestle. "Die Ungewissheit ist einfach schlimm."

Nach über einem Jahr Hoffen und Bangen wünschen sich die beiden Familien nur noch eins: Gewissheit darüber, ob ihr Traum vom eigenen Haus in Ummendorf doch noch wahr werden kann.

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