Im Landgericht Ravensburg sitzt ein Mann auf der Anklage-Bank - daneben ein Mann in Robe und ein Polizisten in Uniform (Foto: SWR, Marion Kynaß)

Prozess um vergiftete Babynahrung Supermarkt-Erpresser zu zwölfeinhalb Jahren Haft verurteilt

Das Landgericht Ravensburg hat den Angeklagten für schuldig befunden. Zuvor hatte ein psychiatrischer Sachverständiger den sogenannten Supermarkt-Erpresser als schuldfähig eingeschätzt.

Im Prozess um vergiftete Babynahrung hat das Landgericht Ravensburg den Angeklagten wegen versuchten Mordes und versuchter räuberischer Erpressung in Tateinheit zu zwölfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Das teilte das Gericht am Montag mit.

Dauer

Der Mann hatte gestanden, Babynahrung in Friedrichshafen vergiftet zu haben. Mit der Drohung, bundesweit weitere vergiftete Produkte in Umlauf zu bringen, wollte er knapp zwölf Millionen Euro von Handelsunternehmen erpressen. Der 54-Jährige war nach einer öffentlichen Fahndung in Ofterdingen im Kreis Tübingen gefasst worden.

Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer 13 Jahre Haft gefordert. Zuvor hatte der psychiatrische Sachverständige den mutmaßlichen Erpresser als schuldfähig eingeschätzt. Der Oberstaatsanwalt folgte in seiner Begründung dem Gutachten. Jedes der Gläser, die der 54-Jährige vor rund einem Jahr in Geschäften auslegte, habe eine tödliche Dosis Gift enthalten, sagte der Oberstaatsanwalt vor dem Landgericht. Nur dank intensiver Polizeiarbeit und einer gehörigen Portion Glück sei damals kein Kind zu Tode gekommen.

Anzeichen einer narzisstischen Störung

Im psychatrischen Gutachten erklärte der Sachverständige, dass die Voraussetzungen zur Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik nicht erfüllt seien. Eine Borderline-Persönlichkeitsstörung des Angeklagten schloss er aus. Der Sachverständige sah bei dem 54-Jährigen aber Anzeichen für eine narzisstische Störung - allerdings nicht in einem Maß, dass es den Willen des Angeklagten hätte nachhaltig beeinträchtigen können.

Der Erpresser hatte sich in der Verhandlung mehrfach auf eine attestierte Borderline-Störung berufen und so auch sein Handeln zu erklären versucht. Er hatte von sich selbst zu Prozessbeginn das Bild einer gescheiterten Existenz gezeichnet: ein Mensch ohne soziale Kontakte, der viel Alkohol getrunken und Schmerzmittel genommen habe.

Mehrfach vorbestraft

Vor Gericht wurde auch das Vorstrafenregister des Angeklagten bekannt. Es enthält Bewährungsstrafen für verschiedene Vergehen. Zuletzt hatte ihn das Landgericht Nürnberg zu einer Haftstrafe von eineinhalb Jahren verurteilt. Er hatte versucht, die Tochter seiner ehemaligen Lebensgefährtin zu entführen.

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