Sarah O. aus Konstanz vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf (Foto: picture-alliance / Reportdienste, David Young/dpa)

Prozess gegen mutmaßliche Islamistin wird in Düsseldorf fortgesetzt Zeugen aus Konstanz sollen über Sarah O. aussagen

Der Prozess gegen die mutmaßliche Islamistin Sarah O. aus Konstanz diese Woche fortgesetzt. Auch der ehemalige Rektor ihrer Schule soll aussagen.

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19:30 Uhr
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SWR Fernsehen BW

Der Prozess findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, entschied das Gericht zum Prozessauftakt. Der Grund: Die heute 21 Jahre alte Sarah O. war zum Tatzeitpunkt noch jugendlich. Das Gericht will jedoch am Montag entscheiden, ob es Informationen zum Prozess über die Pressestelle herausgibt.

In dieser Woche sollen Zeugen aus Konstanz gehört werden, unter anderem der ehemalige Leiter des Humboldt-Gymnasiums. Dort ging Sarah O. zur Schule, bevor sie sich mit 15 Jahren dem sogenannten Islamischen Staat in Syrien angeschlossen haben soll. Davon geht die Bundesanwaltschaft aus.

Sarah O. soll Mitglieder für den IS rekrutiert haben

Den Ermittlungen zufolge heiratete die Deutsch-Algerierin nach islamischem Recht den IS-Kämpfer Ismail S., mit dem sie drei Kinder bekam. Sie wurde in Syrien an der Waffe ausgebildet und übernahm für den sogenannten Islamischen Staat Wach- und Polizeidienste. Außerdem versuchte sie, neue Mitglieder für die islamistische Terrororganisation zu rekrutieren. Auch Sarah O. selbst soll sich bereit erklärt haben, im Prozess Angaben zu machen.

Sklavenhalterin und dreifache Mutter

Die Anklage am Oberlandesgericht Düsseldorf wirft ihr neben der Mitgliedschaft im sogenannten Islamischen Staat auch Menschenhandel und Freiheitsberaubung vor. Sie soll zwei jesidische Frauen und ein jesidisches Mädchen in ihrem Haus als Sklavinnen gehalten haben. Die Jesidinnen mussten sich um das Haus und die Kinder von Sarah O. kümmern. Die Vorbesitzer des Hauses waren vorher vertrieben oder getötet worden.

"Durch die Sklavenhaltung wollte die Angeschuldigte aber auch die Ziele des 'Islamischen Staates' durchsetzen, indem die jesidische Bevölkerung gewaltsam zur Aufgabe ihres bisherigen Glaubens sowie zum Anschluss an den Islam gezwungen werden sollte."

Anklageschrift der Bundesanwaltschaft

Flucht in die Türkei

Als sich der IS Anfang 2018 aus dem Gebiet zurückzog, soll Sarah O. in die Türkei geflohen sein. Dort wurde sie im September 2018 festgenommen und nach Deutschland ausgeliefert. Am Düsseldorfer Flughafen wurde sie direkt bei ihrer Ankunft verhaftet und sitzt seither in Untersuchungshaft.

Die Fahne der Terror-Miliz Islamischer Staat (Foto: picture-alliance / Reportdienste)

Streit vor Gerichtssaal

Zum Prozessauftakt in der vergangenen Woche trug die junge Frau aus Konstanz einen hellgrauen Hosenanzug und eine schwarze Brille. Sie hat hüftlange braune Locken, verdeckte aber ihr Gesicht mit einem Aktenordner. Für Aufsehen sorgte am Rande der Verhandlung eine Handgreiflichkeit im Vorraum des Gerichtssaals. Dabei gerieten zwei Zuschauer aneinander - nach Beobachtung eines dpa-Reporters eine Vertreterin des Zentralrates der Jesiden und ein Zuschauer, der dem IS nahestehen soll. Bei dem kurzen Handgemenge wurde niemand verletzt.

Schwiegereltern von Sarah O. mitangeklagt

Neben Sarah O. sind auch ihre Schwiegereltern angeklagt. Die deutschen Staatsbürger sollen ihren Sohn und dessen Bruder unterstützt haben, was ihnen den Vorwurf der Terrorhelferschaft eingebracht hat. Die Mutter soll Zielfernrohre und Magazine für Pistolen und Kalaschnikows an ihre Adresse liefern lassen und den Söhnen nach Syrien gebracht haben. Dem Vater wird vorgeworfen, diese Rechnungen bezahlt zu haben.

Dauer

Bei einer Verurteilung drohen Sarah O. nach Jugendstrafrecht bis zu zehn Jahre Haft. Für den Prozess vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf sind 18 Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil wird Ende Dezember erwartet.

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