Blick in die Butterei von Omira in Ravensburg (Foto: SWR, Frederike Roser)

Streit um Millionenforderungen beigelegt Omira-Landwirte in Ravensburg einigen sich mit Milchkonzern

Es ging um Millionenforderungen. Der französische Milchkonzern Lactalis hatte nach der Übernahme der Molkerei Omira in Ravensburg viel Geld von den Landwirten eingefordert. Die wehrten sich und haben sich nun durchgesetzt.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
18:00 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

Die rund 2.000 Landwirte der Omira GmbH in Ravensburg müssen dem Milchkonzern Lactalis nicht die geforderten 24 Millionen Euro zahlen. Wie der Anwalt der Bauern dem SWR mitteilte, habe man sich auf Vergleichsvereinbarungen geeinigt, die beim Landgericht München eingereicht wurden. Sie zahlen Lactalis nun lediglich 400.000 Euro. Ein günstiger Vergleich für die Milchbauern. Lactalis hat sich bisher gegenüber dem SWR nicht dazu geäußert.

Der Hintergrund: Streit zwischen Omira-Bauern und Lactalis

Der französische Milchkonzern Lactalis hatte die wirtschaftlich angeschlagene Ravensburger Molkerei im September 2017 gekauft. Später forderte Lactalis rund 24 Millionen Schadensersatz von den Bauern der Omira Oberland-Milchverwertung. Dabei ging es aus Sicht von Lactalis um zu hohe Milchgeldzahlungen. Die Landwirte hätten dem Konzern verschwiegen, dass der Gesetzgeber die Berechnung des Milchpreises ändern werde, was zu Mehrkosten führen würde. Im Dezember 2018 reichte Lactalis eine Klage ein. Die Bauern wiesen die Vorwürfe zurück und suchten den Rechtsstreit. Die Preisänderung sei bekannt gewesen, so die Bauern. Auch Branchenkenner bezeichneten den Vorwurf von Lactalis als nicht ernstzunehmen.

Warum muss die Omira GmbH trotzdem Geld zahlen?

Nach Informationen des SWR hängt die Zahlung über 400.000 Euro mit anderen Mängeln zusammen, die Lactalis im Gebäude der Ravensburger Molkerei und in der Produktion beanstandet hatte. Darauf ließen sich die Milchbauern der Omira GmbH in den Verhandlungen mit Lactalis nun ein und verständigten sich auf die 400.000 Euro.

Lactalis zahlt Omira GmbH letzte Kaufrate aus

Der französische Molkereikonzern zahlt den Omira-Milchbauern nun auch zehn Millionen Euro aus. Geld, das Lactalis beim 27 Millionen schweren Kauf der Molkerei einbehalten hatte bis zur Klärung aller Gewährleistungsfragen. Die ist nun erfolgt.

Was ändert sich an der Berechnung des Milchpreises?

Aus historischen Gründen wird der Milchpreis nicht nach Litern, sondern nach Kilogramm bezahlt. Der Grund: Früher konnte die Milchmenge nur mit einer Waage bestimmt werden. Gesetzlich wurde dann festgeschrieben, dass ein Liter Milch 1,02 Kilogramm wiegt. Experten haben zwischenzeitlich nachgewiesen, dass ein Liter Milch 1,03 Kilogramm wiegt. Das muss der Gesetzgeber in der Berechnung des Milchpreises nun anpassen. Daher hatte der Molkereikonzern Lactalis befürchtet, dass er den Milchbauern in Oberschwaben künftig 19 Millionen Euro mehr zahlen muss als geplant. Branchenkenner und auch der Landesbauernverband glauben das allerdings nicht. Der neue Umrechnungsfaktor werde nicht viel verändern, sagen sie.

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