28.09.2018, Baden-Württemberg, Ravensburg: Polizisten stehen vor dem Tatort auf dem Marienplatz.  (Foto: picture-alliance / dpa)

Nach Messerangriff in Ravensburg Weiter erhöhte Polizeipräsenz

Nach dem Messerangriff in der Ravensburger Innenstadt am Freitag ist die Polizei dort immer noch mit mehr Beamten im Einsatz. Wie lange das so bleibt, steht noch nicht fest.

Ob die erhöhte Präsenz auch in den nächsten Tagen aufrecht erhalten bleibe, werde wahrscheinlich am Montagnachmittag entschieden, so ein Sprecher der Polizei. Genaue Zahlen zu den Beamten wollte er vorerst nicht nennen. Die meisten Bürger seien froh, dass nach dem Vorfall mehr Polizisten vor Ort seien. Manche kritisierten die verstärkte Polizeipräsenz aber auch. So eine Tat könne schließlich überall und jederzeit passieren.

Am Freitag hatte ein Mann auf drei Menschen eingestochen und diese schwer verletzt. Der mutmaßliche Täter wurde unmittelbar nach den Angriffen auf dem Marienplatz festgenommen und später in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht. Die Auswertung des Videomaterials zu dem Vorfall war nach Angaben der Polizei am Montag noch nicht abgeschlossen, auch Zeugen sollten noch befragt werden.

Dauer

Der Verdächtige leide der Einschätzung eines Gutachters zufolge an einer psychiatrischen Erkrankung, hatten Staatsanwaltschaft und Polizei bereits am Wochenende mitgeteilt. Er sei deshalb bereits mehrfach in stationärer Therapie gewesen und demnach nicht oder vermindert schuldfähig. Der Haftrichter erließ wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung einen Unterbringungsbefehl.

Opfer zufällig gewählt

Hintergrund der Tat sei ein Streit unter Arbeitskollegen gewesen. Der 21-jährige afghanische Asylbewerber habe sich wegen Äußerungen eines Kollegen gehänselt gefühlt. Am Tag der Tat habe er ein großes Küchenmesser gekauft. Er habe beabsichtigt, diesen Konflikt am Freitagnachmittag mit seinem Kontrahenten auf dem Marienplatz auszutragen. Als sein Arbeitskollege nicht auftauchte, soll er "unvermittelt und im Rahmen eines psychotischen Erlebens" mit dem Messer zunächst bei der Bushaltestelle am nördlichen Marienplatz auf zwei syrische Asylbewerber im Alter von 19 und 20 Jahren eingestochen und einen weiteren Mann attackiert haben, der jedoch nicht verletzt wurde. Wie die Polizei mitteilte, stach er anschließend 50 Meter entfernt im Außenbereich einer Gaststätte auf einen 52-jährigen Deutschen ein, der sich ihm mit einem Stuhl entgegenstellte. Der Tatverdächtige fügte auch diesem Mann mehrere Stichverletzungen zu.

Laut Staatsanwaltschaft war der Beschuldigte, der seit 2016 in Deutschland ist, bislang nicht mit Aggressionen gegen andere aufgefallen. Zu klären sei, ob er möglicherweise an posttraumatischen Störungen wegen Erlebnissen in Afghanistan leide.

Opfer außer Lebensgefahr

Eines der Opfer wurde bei dem Angriff lebensgefährlich verletzt. Der Mann befinde sich außer Lebensgefahr, so die Polizei am Samstagvormittag auf SWR-Anfrage. Der Platz war zur Tatzeit aufgrund des Wetters sehr belebt. Die Polizei sperrte den Tatort großräumig ab und vernahm Zeugen.

Kriminaltechniker der Polizisten sichern den Tatort auf dem Marienplatz (Foto: picture-alliance / dpa, Felix Kästle)
Kriminaltechniker der Polizisten sichern den Tatort auf dem Marienplatz Felix Kästle

OB schließt Videoüberwachung nicht aus

Der Ravensburger Oberbürgermeister Daniel Rapp (CDU) schließt angesichts des Vorfalls in der Innenstadt Videoüberwachung künftig nicht aus. Er habe Verständnis dafür, wenn Bürger nun ein mulmiges Gefühl hätten, so Rapp am Samstag. Bereits seit längerem gibt es Diskussionen um die Sicherheit vor allem auf dem nördlichen Marienplatz in Ravensburg. Im Sommer sei die Polizeipräsenz dort verstärkt worden, so Rapp. Jedoch warnte er auch vor Hysterie. Der "Schwäbischen Zeitung" sagte Rapp, es gebe keinen Grund zu glauben, dass Ravensburg ein unsicherer Ort sei.

"Er soll das Messer auf den Boden legen"

Oberbürgermeister Rapp hatte den Angreifer nach eigenen Angaben persönlich gestellt. "Ich war zufällig in der Nähe", sagte Rapp. Weil Zeugen "völlig aufgelöst" zu ihm gerannt seien, sei er zum Tatort gegangen. "Dann stand plötzlich der Täter direkt vor mir mit dem blutüberströmten Messer", erzählte der 46-Jährige. "Ich habe dann gesagt, er soll das Messer auf den Boden legen." Das habe der Mann nach kurzer Überlegung getan. Danach habe ihn die Polizei festgenommen. Erst dann sei ihm dann "das Zäpfle runter gegangen, wie man auf gut Schwäbisch sagt", so Rapp. "Währenddessen habe ich nicht viel nachgedacht."

Messerangriff in Ravensburg (Foto: picture-alliance / dpa)
Die Polizei hat den Tatort auf dem Marienplatz in Ravensburg abgesperrt

Lucha ruft zu Zusammenhalt auf

Der baden-württembergische Integrationsminister Manne Lucha (Grüne) hat am Samstag die Bürger zum Zusammenhalt aufgerufen. "Wir lassen uns nicht von Menschen auseinander dividieren, die diese furchtbare Tat nun für politische Zwecke missbrauchen und Hass und Häme über all jene ausschütten, die für Zusammenhalt in dieser Stadt standen und stehen", sagte Lucha, der selbst aus Ravensburg stammt.

Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) lobte Oberbürgermeister Rapp für dessen Einsatz. "Manchmal braucht es Menschen, die nicht wegschauen, die mutig sind, die schnell und beherzt eingreifen, um Schlimmeres zu verhindern", teilte Strobl am Samstag mit. Sein Dank gelte auch den Polizistinnen und Polizisten, die bereits drei Minuten nach Eingang des ersten Notrufs vor Ort gewesen seien.

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