Das Ravensburger Landgericht mit zwei Kleinbussen mit Blaulicht, im Hintergrund der Blaserturm (Foto: SWR)

Prozess am Landgericht Ravensburg Versuchter "Ehrenmord" an 17-Jähriger

Für den Mordversuch an einer jungen Frau müssen sich ab September Ehemann und Bruder des Opfers vor dem Landgericht Ravensburg verantworten. Das Motiv war laut Anklage die "beschmutzte Familienehre".

Die Männer sollen versucht haben, die schwangere Frau in Laupheim (Kreis Biberach) zu erstechen, weil sie einen anderen liebte. Mit angeklagt sind die Eltern der 17-Jährigen, die aus dem Libanon stammen. Sie sollen laut Staatsanwaltschaft die beiden Männer zu der Tat aufgerufen haben.

Eine Häuserreihe mit zwei Autos davor (Foto: SWR, Andreas Gottschalk)
In der Laupheimer Wohnung der Eltern wurde die 17-Jährige lebensgefährlich verletzt. Andreas Gottschalk

Einem Gerichtssprecher zufolge hatten die Eltern nach der Tat aber umgedacht und den Rettungsdienst alarmiert. Die lebensgefährlich Verletzte überlebte. Vater und Mutter müssen sich daher wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten, der Bruder des Opfers zudem wegen versuchten Mordes, ebenso der 35-jährige syrische Ehemann der jungen Frau. Er ist nach islamischem Recht mit dem Opfer verheiratet, nicht aber nach deutschem Recht.

Keine Anklage wegen Terrorismus-Beihilfe

Die Anklage in diesem Fall hatte die Staatsanwaltschaft Stuttgart erhoben. Sie ist auf Fälle spezialisiert, in denen es um Islamismus geht. Der angeklagte Bruder der Frau soll Islamist sein. Der 20-Jährige stand im Verdacht, im November 2016 einem Syrer geholfen zu haben, einen Sprengstoffanschlag in Kopenhagen vorzubereiten. Dieses Verfahren wurde laut Amtsgericht Biberach eingestellt. Das hatte die Staatsanwaltschaft Stuttgart beantragt, um sich auf das neue Strafverfahren wegen versuchter Tötung der Schwester konzentrieren zu können.

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