Waldrappe fliegen vor Bergkulisse. Ein Fluggerät begleitet die Vögel. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/C. Esterer/Waldrappteam/dpa)

Vogelzug vom Bodensee nach Italien Waldrappe aus Heiligenberg fliegen ins Winterquartier

Es ist wieder so weit. Eine neue Generation Waldrappe ist von Heiligenberg in Richtung Italien unterwegs. Wie immer fliegen sie nicht allein.

Hinter den Jungvögeln liegen anstrengende Zeiten. Fünf Tage lang waren die Waldrappe unterwegs und sollen bereits in der südlichen Toskana angekommen sein, wo sie den Winter verbringen.

Ziehmütter leiten die Waldrappe aus Heiligenberg

Auf der Reise werden sie von ihren menschlichen Ziehmüttern in Ultraleichtflugzeugen begleitet. Darauf haben sie die Vögel in den vergangenen Wochen auf dem Flugplatz in Heiligenberg (Bodenseekreis) trainiert. Die Jungtiere sollen dann im Frühjahr ihrem Instinkt folgen und wieder zurück an den Bodensee kommen.

Beschwerliche Reise: Hohe Berge und eine Steinadler-Attacke

Die Vögel starteten am 14. August in Heiligenberg ihre erste große Reise. Angeführt von den beiden Frauen und Piloten in Ultraleichtflugzeugen flogen sie zunächst in den Bregenzerwald. Dann folgte die Königsetappe: Es ging weiter über den Arlberg und den Reschenpass ins italienische Vinschgau. Wie die Ziehmütter des Waldrapp-Projekts berichten, wurden die Jungvögel später in Italien von einem Steinadler angegriffen. Auch das überstanden alle Waldrappe unbeschadet.

Waldrappe aus Heiligenberg brechen Rekorde

Die Waldrappe erreichten auf ihrem Weg eine Flughöhe von bis zu 2.900 Metern und flogen damit fast 300 Meter höher als die vorherigen Waldrappe, die vom Bodensee aus nach Italien unterwegs waren. Außerdem war die jetzige Waldrapp-Generation auch Dank des Windes schneller unterwegs als ihre Vorgänger.

"Es ist nicht das Ziel des Projektes, sportliche Höchstleistungen zu liefern. Aber die neuen Rekorde zeigen das große Potential der menschengeführten Migration als Methode für den Artenschutz. Sie sind ein Zeugnis für das Leistungsvermögen der Waldrappe."

Helena Wehner und Anne-Gabriela Schmalstieg, Waldrapp-Ziehmütter

Die Waldrappe kamen im Mai als Küken im Rahmen des Artenschutzprogramms nach Heiligenberg an den Bodensee. Geschlüpft waren sie zuvor in einer Zuchtstation in Österreich.

Erstes Waldrapp-Weibchen kam zurück an den Bodensee

Ziel des Projekts ist es, die vom Aussterben bedrohte Vogelart wieder am Bodensee anzusiedeln. Bereits in den vergangenen zwei Jahren wurden Tiere vom Waldrappteam am Bodensee aufgezogen - damals in Überlingen - und erfolgreich nach Italien gebracht. Ein Waldrapp-Weibchen der vorherigen Generation war im Juli aus der Toskana zurück an den Bodensee gekommen. Für das Projekt-Team war das ein großer Erfolg. Nächstes Jahr soll sie dann am Bodensee brüten, so die Hoffnung des Teams.

Auch andernorts in Europa gibt es Wiederansiedlungsprojekte. Der Vogelzug von Heiligenberg nach Italien war die 14. menschengeführte Migration in Europa.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
18:45 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW
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