Ausgrabungen auf dem ehemaligen "Schottenfriedhof" in Konstanz (Foto: Landesamt für Denkmalpflege/Archäograph)

Forschung zum einstigen "Schottenfriedhof" 1.300 Skelette werden untersucht

Die Menschen in Konstanz haben gehungert, sie starben an Krankheiten oder schlugen sich die Köpfe ein. Das sind erste Erkenntnisse, die Archäologen aus unlängst entdeckten Skeletten gewannen.

Das Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg hat am Mittwoch in Konstanz erste Ergebnisse der archäologischen Rettungsgrabung vorgestellt. Sie fand auf dem Gelände des ehemaligen "Schottenfriedhofs" statt, dem zentralen Konstanzer Hauptfriedhof bis ins frühe 19. Jahrhundert. Über 1.300 Skelette wurden bis August geborgen.

Für die Archäologen spiegeln sie die Alltagsgeschichte der Frühen Neuzeit in Konstanz wider. Unverheilte Hiebverletzungen erzählen von kriegerischen Auseinandersetzungen wie der Schlacht auf der Konstanzer Rheinbrücke 1548 oder den Schwedenkriegen 1633. Massengräber weisen auf Epidemien wie die Pest hin. Zeichen von Mangelernährung stehen für Hungerperioden.

Ausgrabungen auf dem ehemaligen "Schottenfriedhof" in Konstanz (Foto: Landesamt für Denkmalpflege)
Landesamt für Denkmalpflege

Auch Gräber von "Nachzehrern"

Eine Besonderheit sind laut Landesamt für Denkmalpflege Bestattungen von sogenannten Nachzehrern. Dabei handelt es sich um Tote, denen nachgesagt wurde, sie würden - ähnlich wie Vampire - den Lebenden die Lebensenergie aussaugen.

Die Konstanzer Toten wurden ab dem 16. Jahrhundert in Einzel-, Mehrfach- und Massengräbern bestattet. Sie lagen in bis zu fünf Schichten übereinander. Die Skelette gehören dem Land Baden-Württemberg und sollen weiter untersucht werden. Auf dem "Schottenfriedhof" stand zuletzt das Vincentius-Krankenhaus, jetzt entsteht ein Neubaugebiet mit 126 Wohnungen.

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