Bierflasche vor Bundesgerichtshof-Schild in Karlsruhe (Foto: picture-alliance / dpa)

BGH Karlsruhe urteilt Bier ist nicht bekömmlich

Darf eine Brauerei aus dem Allgäu ihr Bier mit dem Wort "bekömmlich" bewerben? Nein, darf sie nicht. Das hat der Bundesgerichtshof entschieden. Das Ende eines langwierigen Bierstreits.

Mit dem Urteil des Bundesgerichtshofes (BGH) in Karlsruhe endet in letzter Instanz ein Rechtsstreit, der seit drei Jahren bundesweit für Aufsehen sorgt. Der Begriff "bekömmlich" sei eine gesundheitsbezogene Angabe, die nach EU-Recht für alkoholische Getränke über 1,2 Prozent nicht erlaubt sei, urteilte der BGH am Donnerstag. Die Brauerei müsse ihr Bier stattdessen mit "geschmackvoll" oder "süffig" beschreiben. Die auf diese Weise beschriftete Flaschen müssten im Archiv der Brauerei bleiben.

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Sendedatum
Sendezeit
18:00 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

Wie der Urgroßvater

Bei der mündlichen Verhandlung in Karlsruhe hatte der Anwalt des Bierbrauers darauf verwiesen, dass der Begriff "bekömmlich" in der deutschen Bierkultur verankert sei. Brauereichef Gottfried Härle aus Leutkirch im Landkreis Ravensburg, der ebenfalls an der Verhandlung in Karlsruhe teilnahm, sagte: "Bier - in Maßen genossen - ist durchaus bekömmlich." Er wollte sein Bier auch weiter so nennen und bewerben, "wie es schon mein Urgroßvater getan hat".

Gottfried beim BGH in Karlsruhe mit seiner Bierflasche (Foto: picture-alliance / dpa)
Brauerei-Chef Gottfried Härle zieht bis vor den Bundesgerichtshof

Der Anwalt des Wettbewerbsvereins verwies hingegen auf die potenziell schädliche Wirkung von Alkohol. Mit "bekömmlich" werde suggeriert, dass das Bier keine negativen Folgen habe. Verbraucher könnten dies als "gut verträglich", "ohne Gesundheitsrisiko" und "besser als andere Biere" missverstehen. Der Europäische Gerichtshof habe mit einem Urteil hierzu eine klare Linie vorgezeichnet.

Brauereichef trägt alleiniges Risiko

Der Bundesgerichtshof sei wohl die letzte Instanz für ihn, sagte Härle im Vorfeld gegenüber dem SWR. Risiko und Kosten des Rechtsstreits trage er ganz alleine.

Der Verband Sozialer Wettbewerb aus Berlin hatte bereits im Jahr 2015 gegen die kleine Härle-Brauerei aus dem Allgäu geklagt und eine einstweilige Verfügung erwirkt. Der Begriff "bekömmlich" sei nach EU-Recht im Zusammenhang mit alkoholischen Getränken nicht erlaubt, so die Argumentation.

Änderung per Filzstift

Härle, der das Familienunternehmen in vierter Generation führt, ließ daraufhin das Wort auf den Etiketten von rund 30.000 Bierflaschen von Hand mit Filzstift streichen lassen - und hatte zugleich in drei Instanzen auf sein Recht gepocht.

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