Produktion von Kunstschnee, auch Snowfarming genannt, in Davos Kloster (Foto: Pressestelle, Marcel Giger)

"Snowfarming" soll Schnee über den Sommer bringen BUND kritisiert Kunstschneelager im Allgäu

Scheidegg im Allgäu plant, ein Lager für Kunstschnee anzulegen, um im Winter mehr Schneesicherheit zu haben. Derzeit testet die Gemeinde das "Snowfarming". Naturschützer sind empört.

"Snowfarming" (zu Deutsch: "Schnee-Anbau") nennt sich der Versuch, Schnee über den Sommer zu bringen. Dabei wird im Winter Kunstschnee produziert und auf einem Haufen gelagert. Um ihn bis in den Herbst zu erhalten, wird er mit Hackschnitzeln aus Holz bedeckt. Sie sollen vor Sonne, Wärme und vor allem Regen schützen.

"Snowfarming" in Scheidegg

Für das Kunstschneelager wurde in Scheidegg im Kreis Lindau über den Winter Kunstschnee hergestellt, erklärt der Bürgermeister Ulrich Pfanner. Der Test soll nun zeigen, wieviel Schnee über den Sommer abschmilzt. Im Herbst will die Gemeinde dann entscheiden, ob sich das Ganze lohnt.

Schneesicherheit sei wichtig für den Tourismus, und Scheidegg lebe nunmal vom Fremdenverkehr. Touristenorte in Österreich hätten gute Erfahrungen mit dem "Snowfarming" gemacht.

Snowfarming in Davos Kloster (Foto: Pressestelle, Destination Davos Klosters/Marcel Giger)
In Davos wird seit über zehn Jahren im Frühling ein Schneehaufen mit Sägespänen zugedeckt, um einen frühen Saisonstart im Herbst zu garantieren. Pressestelle Destination Davos Klosters/Marcel Giger

In Davos in der Schweiz gibt es "Snowfarming" bereits seit dem Jahr 2008. Nach Angaben der Tourismusdestination gelingt es in den Anlagen dort, etwa 70 bis 80 Prozent des gelagerten des Schnees über den Sommer zu bringen.

Kritik von Naturschützern

Naturschützer kritisieren das Projekt scharf. Der BUND Naturschutz schreibt in einem Brief an den Bürgermeister, ein solches Kunstschneelager sei in Zeiten des Klimawandels äußerst fragwürdig. Kunstschnee zu produzieren, benötige sehr viel Energie. Der Betrieb der Schneekanonen erfolge mit einem Dieselaggregat, der viel Kraftstoff benötige, kritisieren die Naturschützer.

"Das Scheidegger Experiment Kunstlager kann auf Dauer nicht gelingen. Es ist nicht zukunftsfähig, weil es die 'Großwetterlage' Klimawandel missachtet und damit den Blick für eine nachhaltige, umweltfreundliche und Ressourcen schonende Strategie verstellt."

BUND Naturschutz in Bayern, Auszug aus einem Brief an den Bürgermeister in Scheidegg

Die Liste der Kritikpunkte von Naturschützern ist lang. Weil in Scheidegg kein Wasser aus Bächen und Seen entnommen werden darf, habe man für die Produktion von Kunstschnee Trinkwasser verwendet. Das sei in Zeiten des Wassermangels aus ethischen Gründen fragwürdig.

Produktion von Kunstschnee, auch Snowfarming genannt, in Davos Kloster (Foto: Pressestelle, Marcel Giger)
In Davos gelingt es nach Angaben der Tourismusdestination, bei dem "Snowfarming" etwa 70 bis 80 Prozent des Schnees über den Sommer zu bringen. Pressestelle Marcel Giger

Den Kunstschnee auszubringen, erzeugt laut BUND außerdem viele Abgase. Laster müssten den Schnee zu den Loipen bringen, Raupen müssten ihn plattwalzen.

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