Der oberschwäbische Unternehmer Alfred Barth in seinem Betrieb in Rumänien. (Foto: SWR, Thomas Wagner)

Alfred Barth: Der "Patron" aus Binzwangen Oberschwäbisches Expertenwissen für Rumänien

Der Unternehmer Alfred Barth aus dem Landkreis Biberach ist vor über 25 Jahren nach Rumänien gegangen und hat dort mehrere Firmen gegründet. Jetzt will er sich zur Ruhe setzen.

Rumänien – ein Land, das durch launige Vampirgeschichten ebenso bekannt ist wie durch Berichte über Korruption und Armut. Das ist aber nur eine Seite der Medaille. Denn in vielen Teilen des Landes siedelt sich Spitzentechnologie an, IT-Unternehmen vor Ort sind ebenso geschätzt wie Autozulieferer. Überall im Land sind deutsche Investoren zu finden. Einer von ihnen ist der heute 75-jährige Alfred Barth aus Binzwangen im Landkreis Biberach. In Oberschwaben führte er über Jahrzehnte erfolgreich einen Betrieb für Metallverarbeitung.

Betrieb in Oberschwaben aufgegeben

Anfang der 1990er-Jahre beschloss Barth, in Rumänien kostengünstig Teile für Baumaschinen und Automobile fertigen zu lassen. Weil die Serienproduktion aber nicht den deutschen Qualitätsansprüchen genügte, fuhr Barth nach Rumänien, um nach dem Rechten zu sehen. Er blieb, lernte fließend Rumänisch, baute selbst die Produktion auf und überließ seinen Betrieb in Oberschwaben den Söhnen.

Pionier in Temeswar

Das war die Geburtsstunde seines Tochterunternehmens in Temeswar. Die drittgrößte Stadt Rumäniens hat rund 400.000 Einwohner und boomt: Große deutsche Konzerne wie Bosch, Continental und mittlerweile auch ZF Friedrichshafen haben sich dort niedergelassen. Alfred Barth aus Binzwangen war einer der Ersten, der eine Produktion aufbaute.

Alfred Barth vor seiner Bürotür mit der Aufschrift "Patron" (Foto: SWR, Thomas Wagner)
Alfred Barth wird von seinen Mitarbeiterin "Patron" genannt, so nennt man in Rumänien den Firmenchef. Thomas Wagner

Der "Patron" zieht sich zurück

300 Arbeiterinnen und Arbeiter beschäftigt Barth heute, sie verdienen jeweils um die 900 Euro brutto im Monat. Das ist ungefähr das Dreifache des rumänischen Mindestlohns. Für seine Mitarbeiter ist Barth der "Patron", so nennt man in Rumänien einen Firmenchef. Doch jetzt will sich der 75-Jährige aus der Firmenleitung zurückziehen. Seine Managerin vor Ort wird bald einen Teil der Firma übernehmen, den Rest hat er bereits seinen Söhnen übergeben. Ganz ohne Rumänien will er aber nach mehr als 25 Jahren als "Patron" auch nicht leben, er hat seinen Mitarbeitern versprochen, immer mal wieder vorbeizuschauen.

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