Alice Weidel, Fraktionschefin der AfD. (Foto: picture-alliance / dpa, Gregor Fischer)

AfD-Landesschatzmeister äußert sich erstmals Streit mit der Bodensee-AfD

Landesschatzmeister Frank Kral hat die Vorwürfe des AfD-Kreisverbands Bodensee scharf zurückgewiesen. Dieser hatte Kral vorgeworfen, er habe den Kreisverband zu den dubiosen Spenden falsch beraten.

Die AfD-Spendenaffäre sorgt nun auch für parteiinterne Streitereien. Der baden-württembergische Landesschatzmeister Frank Kral hat sich erstmals dazu geäußert. Gegenüber dem SWR bezeichnete er die Vorwürfe des AfD-Kreisverbands Bodensee, bei dem die dubiose Wahlkampfspende aus der Schweiz einging, als "ungeheuerlich". Die Kreisschatzmeisterin hatte kritisiert, keine Antwort auf eine E-Mail erhalten zu haben. In dieser habe sie Kral um Rat gefragt, wie sie mit der Spende über 130.000 Euro aus der Schweiz umgehen solle.

Dauer

Kral dagegen sagte gegenüber dem SWR, er habe die Kreisschatzmeisterin am Bodensee umgehend beraten. Das zeigen auch E-Mails, die dem SWR vorliegen. Und er habe auch darauf hingewiesen, dass die Spende problematisch sei. Außerdem halte er es für unglaubwürdig, dass Alice Weidel als AfD-Spitzenkandidatin im zurückliegenden Bundestagswahlkampf nichts von der Spende erfahren habe. Bei der Höhe der Beträge sei das nicht glaubhaft.

"Der Kreisverband hat die Vorgänge lückenhaft dargestellt, um mich in ein schlechtes Licht zu rücken."

Frank Kral, Schatzmeister AfD-Landesverband Baden-Württemberg

Staatsanwaltschaft will ermitteln

Inzwischen will die Staatsanwaltschaft Konstanz gegen den Vorstand des Kreisverbands Bodensee, zu dem Weidel auch gehört, ermitteln. In Vorermittlungen sei man zu dem Schluss gekommen, dass ein Anfangsverdacht wegen Verstoßes gegen das Parteiengesetz bestehe. Auch im Fall der zweiten Spende über 150.000 Euro aus den Niederlanden hat die Justiz ihre Untersuchungen ausgeweitet. Man werde sich auch diese Gelder anschauen und prüfen.

Zweite Großspende aus den Niederlanden

Die zweite Großspende wurde am Mittwoch bekannt. Diese kam von der niederländischen "Stiftung Identität Europa". AfD-Landesschatzmeister Kral hat nach eigenen Angaben selbst erst aus den Medien von dieser Spende erfahren. Nach einem Bericht der niederländischen Zeitung "NRC Handelsblad" stehen zwei Brüder hinter der Stiftung. Einer der beiden sagte dem Blatt, er sei Anhänger der AfD-Migrationspolitik. Nach seinen Angaben ist die Stiftung heute nicht mehr aktiv. Die beiden Geschäftsmänner hätten sie 2015 gegründet, weil sie "besorgt" um die europäische Identität seien.

Der Kreisverband Bodensee hat die Spende über 150.000 Euro an die Stiftung zurücküberwiesen. Allerdings hätte die Großspende auch beim Bundestagspräsidenten gemeldet werden müssen, was nicht fristgerecht geschah.

SPD-Landeschefin Breymaier fordert Weidels Rücktritt

Angesichts der neuen Enthüllungen in der AfD-Spendenaffäre forderte die baden-württembergische SPD-Chefin Leni Breymaier Weidels Rücktritt. Die AfD-Fraktionschefin habe den letzten Rest persönlicher Glaubwürdigkeit verloren, so Breymaier im "Handelsblatt" (Freitagsausgabe). "Die Strenge, die sie so gern als Monstranz vor sich herträgt, sollte sie nun selbst beherzigen und als Fraktionsvorsitzende der AfD zurücktreten - und besser ganz auf ihr Mandat verzichten." Sie warf Weidel "schwere Korrumpierung" vor. Dahinter scheine "ein ganzes System der Verschwörung und Vertuschung" zu stecken.

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