Annette von Droste-Hülshoff (1797 - 1848), historischer Holzstich um 1897 (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/imageBROKER)

Berühmte Dichterin lebte auch am Bodensee

225. Geburtstag von Annette von Droste-Hülshoff

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Vor 225 Jahren ist die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff geboren. Sie gilt als eine der bedeutendsten deutschen Dichterinnen und verbrachte ihre letzten Lebensjahre größtenteils am Bodensee.

Über ihr Geburtsdatum gibt es unterschiedliche Angaben. Manche Quellen sprechen vom 12. Januar, andere vom 10. Januar. Sicher ist aber, Annette von Droste-Hülshoff wurde im Januar 1797 auf Burg Hülshoff bei Münster geboren. Deshalb jährt sich ihr Geburtsjahr zum 225. Mal.

Annette von Droste-Hülshoff wurde als Sieben-Monats-Kind. Musste sich ins Leben kämpfen, denn sie war als Frühchen kaum überlebensfähig. Aber trotzdem zeigte sich schon früh, dass sie sehr begabt war. Annette von Droste-Hülshoff begann früh zu schreiben und schon im Alter von fünf Jahren zu dichten.

Hier wohnte Annette von Droste-Hülshoff - im Fürstenhäusle oberhalb von Meersburg. (Foto: SWR, Friederike Fiehler)
Das Fürstenhäusle oberhalb von Meersburg hat Annette von Droste-Hülshoff mit ihrem eigenen Geld ersteigert. Friederike Fiehler

Teile ihres Lebens verbrachte Anette von Droste-Hülshoff in Meersburg am Bodensee. Dort lebte ihre Schwester Jenny, die mit dem Burgherrn Freiherr von Laßberg verheiratet war. Immer wieder verbrachte Annette längere Aufenthalte am Bodensee. Ab 1841 bis 1848 lebte sie auf der Meersburg. Von ihrem Turmzimmer aus konnte sie den Bodensee überblicken. Viele berühmte Gedichte entstanden am Bodensee.

Am 24. Mai 1848 starb Annette von Droste-Hülshoff in Meersburg.

Zu ihren berühmtesten Werken gehören die Novelle "die Judenbuche" und das Gedicht "Der Knabe im Moor".

SWR-Redakteurin Thea Thomiczek hat die Meeersburger Autorin Monika Taubitz getroffen. Die 84-Jährige hat sich ihr Leben lang mit Annette von Droste-Hülshoff beschäftigt und ist eine Kennerin ihres Werkes.

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In der Burg Meersburg wird es anlässlich des Jubiläums kein besonderes Programm geben. Wegen der Corona-Pandemie sind auch die Führungen zu der berühmten Dichterin derzeit abgesagt. Vom 26.-29. Mai finden die Droste-Tage statt.

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Für die moderne Literaturwissenschaft seien die Werke von Annette von Droste-Hülshoff zu einer „Fundgrube“ geworden, so die Münsteraner Literaturwissenschaftlerin Cornelia Blasberg in SWR2 zum 225. Geburtstag der Dichterin. Das komplexe und vielschichtige Werk der Dichterin wirke heute anregend auf die Forschung, die sich im Anschluss an Dekonstruktivismus und Neo-Strukturalismus mit den performativen Widersprüchen der Literatur im Verhältnis zur jeweiligen Zeit auseinandersetze.
Droste-Hülshoff wecke auch deshalb so großes Interesse, weil sie sich ihrer Außenseiterstellung so deutlich bewusst gewesen sei. Als katholisches adliges Fräulein aus einer westfälischen Familie habe sie keine guten Startbedingungen dafür gehabt, sich literarisch zu etablieren. Zu ihren Lebzeiten sei sie als Dichterin eigentlich überhaupt nicht entdeckt worden.
Aber, so Blasberg: „Sie hat sich nie gefügt in die Rollenzuschreibungen ihres Standes.“ In ihren Dramen-Entwürfen habe sie weibliche Figuren gezeichnet, die unter den Rollenzuschreibungen ihrer Zeit gelitten hätten. Auch ihre umfassende wissenschaftliche Bildung war lange unentdeckt.
Erst mit der historisch-kritischen Gesamtausgabe ihrer Werke in den 1970er und 80er Jahren sei ihr Werk in seinem Gesamtumfang entdeckt worden, vor allem ihre „phantastischen, witzigen, spritzigen, intellektuellen Briefe“, so die Literaturwissenschaftlerin.
Dennoch sei Droste-Hülshoff kein Beispiel für frühe weibliche Emanzipation, sagt Cornelia Blasberg. Das seien „Projektionen, die von Lebensbedingungen von Frauen im 20. Jahrhundert ausgehen“ und von einer adligen Frau aus den 1830er Jahren gar nicht hätten erfüllt werden können.  mehr...

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