Ein Kind bei einem Schwimmkurs im Becken. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, dpa Bildfunk, Picture Alliance/Picture Alliance)

Schwimmbäder, Eisbahnen, Museen

Energiekrise in BW: Diese Einschränkungen stehen dem Sport- und Freizeitbereich bevor

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Berkan Cakir

Die Energiekrise wirkt sich bereits spürbar auf Schwimmbäder aus. Was droht dem Freizeit- und Sportbereich in Baden-Württemberg noch, sollte sich die Lage zuspitzen?

Die Energiekrise macht sich bereits jetzt bei Freizeit- und Sportangeboten in Baden-Württemberg deutlich bemerkbar. So sind in rund einem Viertel der Hallenbäder im Land Anfängerkurse nicht mehr oder nur eingeschränkt möglich. Das geht aus einer aktuellen Umfrage der Schwimmverbände Württemberg und Baden hervor, die dem SWR vorliegt. Bei der Befragung, an der insgesamt rund 130 Vereine teilnahmen, gaben zudem 13 Prozent an, dass sie bereits aufgrund steigender Energiekosten vorübergehend schließen mussten.

"Die Ergebnisse gehen in die Richtung, die wir erwartet haben. Es wird nicht gleich geschlossen, aber es wird überwiegend mit Einschränkungen in der Nutzung reagiert", sagt Emanuel Vailakis, Geschäftsführer des Württembergischen Schwimmverbands, dem SWR. So ist in etwas weniger als einem Drittel der Bäder die Wassertemperatur unter 26 Grad gesenkt worden, um Energie zu sparen. In einem weiteren Schritt seien Einschränkungen der Öffnungszeiten und einzelne Beckenschließungen denkbar.

Mehrheit der Schwimmbäder befürchten weitere Einschränkungen

"Auch wenn wir in schwierigen Zeiten sind, müssen wir sensibel handeln - gerade beim Training für die Kinder", fordert Vailakis. In der Corona-Krise seien Schwimmkurse ausgefallen. Viele Kinder könnten deshalb nicht richtig schwimmen. Deshalb sei es wichtig, das Grundangebot auch bei einer zugespitzten Lage aufrecht zu erhalten. Auch Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) will deshalb die Schwimmbäder offen halten. Aktuell sei die Situation noch relativ entspannt, so Vailakis. Doch die Mehrheit der Schwimmbäder befürchte weitere Einschränkungen.

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Zuvorderst wäre aber ohnehin nicht der Trainingsbetrieb betroffen. Der Städtetag in Baden-Württemberg bestätigt: Der Schul- und Vereinssport soll stattfinden. Sollte das Gas knapp werden, stehen andere bei Schließungen ganz oben auf der Liste: "Die Spaßbäder werden die ersten sein", sagt Susanne Nusser, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin beim Städtetag. Der Betrieb der Freizeitbäder sei für Kommunen besonders energie- und kostenintensiv.

Spaßbäder rechnen mit bis zu 40 Prozent höheren Energiepreisen

"Das wird eine Herausforderung", sagt Klaus Batz, Geschäftsführer der European Waterpark Association (EWA), die auch die Interessen von Freizeitbädern und Thermen in Baden-Württemberg vertritt. Im Schnitt rechneten die Betriebe mit 20 bis 40 Prozent höheren Energiepreisen. Das habe auch Auswirkungen auf Besucherinnen und Besucher. Es sei schwierig, unter diesen Umständen die Eintrittspreise sozialverträglich zu halten.

Die Freizeitbäder würden derzeit versuchen, den steigenden Preisen mit Einsparungen entgegenzuwirken, so Batz. In den Becken seien die Wassertemperaturen gesenkt worden, das Angebot in Schwachlastzeiten werde reduziert - beispielsweise seien dann weniger Saunakabinen in Betrieb. Mittelfristig wollen die Bäder zudem laut Batz in regenerative Energien wie Photovoltaik investieren, um unabhängiger von russischem Gas zu werden. Denn darauf ist noch die Mehrheit der Bäder angewiesen.

Kommunen bereiten sich auf den schlimmsten Fall vor

Auch deshalb wären Spaßbäder bei der Ausrufung der höchsten Gefahrenstufe im Notfallplan Gas besonders betroffen. Wenn die Bundesnetzagentur das Erdgas nach Bedürftigkeit zuteilt, dürften die Spaßbäder nicht ganz oben stehen. Batz zeigt sich besorgt. Er warnt vor "einer Verordnung von oben". Noch eine Schließung wie in Corona-Zeiten wäre für viele Bäder fast nicht zu stemmen, aus finanzieller Sicht und weil ohnehin viele Mitarbeitende in "sicherere" Branchen abgewandert seien. Er empfiehlt stattdessen, die Entscheidung den Unternehmen selbst zu überlassen.

Die Kommunen in Baden-Württemberg gehen nicht vom schlimmsten Fall aus - bereiten sich aber darauf vor. Neben den Spaßbädern, die häufig von den Städten betrieben werden, wären auch andere Freizeitbereiche von Einschränkungen betroffen. Einig seien sich die Kommunen beispielsweise darin, dass sie im kommenden Winter auf die energiefressenden Eisbahnen in den Städten verzichten, so Susanne Nusser. Eine ähnliche Empfehlung an die Städte gibt es in Rheinland-Pfalz. Zudem sollen die Weihnachtsmärkte etwas dunkler werden als sonst. Laut Nusser wollen die Städte die Beleuchtung einschränken, um Strom zu sparen.

Kühler Museumsbesuch: Ausstellungsräume mit 19 Grad

Wie sehr die Kommunen derzeit Einsparpotentiale ausloten, wird auch bei den städtisch betriebenen Museen deutlich. Laut der Landesstelle für Museen sind von Rathäusern diverse Anfragen eingegangen, ob einige Ausstellungsräume denn nicht über einen Frostschutz verfügen würden.

Die Heizung komplett auszuschalten, ist allerdings nicht vorgesehen. Wie Christian Rilling vom Museumsverband in Baden-Württemberg berichtet, sind die Temperaturregler in den Museen allerdings runtergedreht. Wie in allen öffentlichen Einrichtungen, beträgt die Raumtemperatur aktuell 19 Grad - deutlich kühler als sonst.

"Für Museumsobjekte sind 19 Grad als konservatorische Bedingung sogar ziemlich gut. Aber für die Besucherinnen und Besucher ist es gewöhnungsbedürftig. Da müssen wir um Verständnis werben."

Städtetag: Entwicklung ist dynamisch wie Corona-Krise

Noch orientieren sich die Museen an einer Handlungsliste des Deutschen Museumsbunds, die mehrere Energiespartipps enthält. Darüber hinaus wären jedoch auch Schließungen möglich, wie im französischen Straßburg. Dort sollen wegen der Energiekrise vom 3. Oktober an die Museen für zwei Tage in der Woche schließen. "Tatsächlich ist es so, dass es auch bei uns zu einzelnen Schließtagen kommen kann", sagt Rilling. Ob und wann - das sei noch nicht absehbar.

"Die Entwicklung ist wie in der Corona-Krise dynamisch", sagt Susanne Nusser vom Städtetag. Heißt: Aktuell ist die Situation noch entspannt. Sollte sich die Energiekrise im Herbst oder Winter jedoch verschärfen, könne es aufgrund entsprechender Energieeinsparverordnungen zu stärkeren Einschränkungen im Freizeitbereich kommen.

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Als er 2008 nach Freiburg gekommen sei, habe das Augustinermuseum noch gar nicht über eine Heizung verfügt, erinnert sich von Stockhausen. Niedrige Temperaturen seien im Winter der Regelfall gewesen. Das gelte heute noch für viele Schlösser, die man auch im Winter besichtigen könne.
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Berkan Cakir