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Das Image des Corona-Impfstoffs von Astrazeneca hat offenbar auch in Baden-Württemberg gelitten. Immer wieder bleiben Termine mit dem Vakzin ungenutzt.

In einigen Impfzentren in Baden-Württemberg bleiben Impftermine für den Astrazeneca-Impfstoff unbelegt. Termine mit dem Corona-Impfstoff würden zwar gebucht, aber oft nicht wahrgenommen, heißt es aus den Impfzentren.

"In einzelnen Zentren bleiben aktuell Astrazeneca-Termine frei. Das ist zwar verständlich, aber in der Sache unbegründet. Der Impfstoff ist hochwirksam und ungefährlich", sagte Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) am Dienstag in Stuttgart. Grund für die freien Termine seien die letzte Woche stark angewachsenen Impfstofflieferungen und die Änderung der Altersempfehlung für den Impfstoff Astrazeneca. Der wird von der Ständigen Impfkommission nur noch Menschen ab 60 Jahren empfohlen.

Astrazeneca lange nicht so gefragt wie Biontech-Impfstoff

So sind die Impfungen mit Astrazeneca beispielsweise in den Kreisen Tübingen und Reutlingen lange nicht so stark nachgefragt wie die Biontech-Präparate. Möglicherweise gebe es eine Verunsicherung, nachdem die Impfempfehlungen für Astrazeneca immer wieder verändert wurde, heißt es aus dem Landratsamt Reutlingen. So seien im Impfzentrum Reutlingen die Termine für 3.500 Impfungen mit Biontech innerhalb von zweieinhalb Stunden ausgebucht gewesen. Für die gestern nachgelieferten 650 Astrazeneaca-Impfdosen gebe es auch heute noch freie Termine. In Reutlingen und in Tübingen wird bei rund einem Drittel der Termine mit Astrazeneca geimpft. Der allergrößte Teil dieser Termine wird von den Menschen auch wahrgenommen, heißt es aus den Landratsämtern.

Viele freie Impftermine in den Kreisen Ulm und Heilbronn

Auch die Corona-Impfungen mit Astrazenca am zentralen Impfzentrum Ulm sind derzeit nicht ausgebucht. Am Montag gab es nur Anmeldungen für die Hälfte der 900 verfügbaren Termine. Das liege möglicherweise an einer gewissen Verunsicherung hinsichtlich dieses Impfstoffes, heißt es in einer Mitteilung des Deutschen Roten Kreuzes Heidenheim-Ulm. Im Landkreis Heilbronn im Kreisimpfzentrum in Ilsfeld-Auenstein sind am kommenden Wochenende ebenfalls mehrere hundert Termine für Corona-Schutzimpfungen mit Astrazeneca frei.

Regionale Unterschiede bei der Vergabe von Impfterminen

Der Neckar-Odenwald-Kreis hat laut Landratsamt in der letzten Woche 4.000 Astrazeneca-Dosen vom Land erhalten. Ein Großteil der Termine konnte bereits vergeben werden. Im Impfzentrum in Mannheim habe man ohnehin nicht so viele Dosen Astrazeneca bekommen und könne diese problemlos verimpfen, so ein Sprecher der Stadt. Nach SWR-Recherchen gibt es auch im Kreis Esslingen keine Probleme mit der Annahme von Astrazeneca, es werde alles von den Leuten angenommen.

Viele sagen Astrazeneca-Termin nicht einmal ab

Im Kreis Ludwigsburg dagegen kämen pro Tag 40 bis 50 Impfberechtigte nicht zu ihrem Impftermin: Sie hätten meist einen Termin für Astrazeneca, sagen diesen aber auch nicht ab. Die Ludwigsburger bieten die Termine dann Impfberechtigten an, die auf der Warteliste des baden-württembergischen Sozialministeriums stehen. Die kämen in aller Regel auch.

Ähnlich im Kreis Böblingen: Dort würden ebenfalls etwa zehn Prozent der Astrazeneca-Termine nicht wahrgenommen, weitere fünf Prozent der Angemeldeten kämen zwar, ließen sich dann aber auf die Warteliste für einen anderen Impfstoff setzen.

Im Rhein-Neckar-Kreis sagen im Schnitt ein Drittel der Menschen in den Impfzentren Heidelberg, Weinheim und Sinsheim, ihre Astrazeneca Termine ab oder buchen auf Biontech oder Moderna um, so Gesundheitsdezernentin Doreen Kuss. In Heidelberg etwa seien es 26 Prozent der Impftermine, das seien 128 Astrazeneca Impfdosen von insgesamt 700, die jetzt anderweitig vergeben werden müssten. In Sinsheim sind es 13 Prozent, in Weinheim dagegen 40 Prozent.

Bald auch Covid-19-Impfungen für über 60-Jährige möglich

In Baden-Württemberg können sich ab Montag alle über 60-Jährigen gegen Covid-19 impfen lassen. Das Sozialministerium rechnet mit einem großen Andrang. Vor dem Hintergrund steigender Lieferungen werden viele Impfzentren in der nächsten Zeit auch Impf-aktionstage mit Astrazeneca anbieten, bei denen zunächst die bisher Impfberechtigten über 60 Jahren geimpft werden. Darüber werden die jeweiligen Impfzentren dann vor Ort informieren, so die Landesregierung in einer Pressemitteilung.

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