Eine Krankenschwester führt einen PCR-Test zur Erkennung des Affenpockenvirus durch.

Zunächst 3.000 Impfdosen in BW

WHO: "Internationale Notlage" durch Affenpocken - Freiburger Virologe warnt

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Der Chef-Virologe der Uniklinik Freiburg warnt davor, das Affenpocken-Virus für harmlos zu halten. Er empfiehlt internationale Impfkampagnen, um Ausbrüche zu kontrollieren.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat den Affenpocken-Ausbruch in mehr als 60 Ländern weltweit am Samstag zu einer "Notlage von internationaler Tragweite" erklärt. Die Einstufung soll die Aufmerksamkeit der WHO-Mitgliedsländer erhöhen - direkte praktische Folgen hat sie nicht. Der Freiburger Virologe Hartmut Hengel mahnte derweil in der "Badischen Zeitung" (Samstagsausgabe, erschienen vor WHO-Einstufung), die Ausbreitung der Affenpocken werde derzeit "deutlich unterschätzt".

Freiburger Virologe: Affenpocken-Ausbrüche nicht harmlos

Die Affenpocken hätten mindestens das Potenzial, "uns in Zukunft Kopfzerbrechen zu bereiten", so der Ärztliche Direktor des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Freiburg. Weltweit seien bisher nur etliche tausend Affenpocken-Fälle gemeldet worden. "Aber daraus abzuleiten, dass das Geschehen harmlos ist, ist falsch - denn man muss ja in die Zukunft blicken."

Freiburger Virologe Hartmut Hengel
Hartmut Hengel, Chef-Virologe an der Freiburger Uniklinik, mahnt, dass der Affenpocken-Ausbruch bislang nicht ausreichend ernst genug genommen werde.

Das Virus sei in 70 Ländern verbreitet. "Es hat in einigen Ländern Formen dauerhafter Zirkulation angenommen, auch in Europa." Betroffen sind bislang vor allem Männer, die mit anderen Männern und wechselnden Geschlechtspartnern Sex haben.

In BW sollen besonders gefährdete Gruppen geimpft werden

Nach Angaben des Landesgesundheitsministeriums von Mittwoch waren in Baden-Württemberg bis dato 87 Infektionen bestätigt. Fast 3.000 Impfdosen würden an Apotheken der Unikliniken ausgeliefert, hieß es. Auch in HIV-Schwerpunktpraxen soll geimpft werden. Eine Gefahr für die breite Bevölkerung besteht laut BW-Sozialministerium nicht. "Wenn man die Sache einfangen wollte, würde das bedeuten, dass man weltweit überall, wo das Virus auftritt, konsequente Impfprogramme organisieren müsste", so Hartmut Hengel. Das sei natürlich eine große Herausforderung. Unklar ist aus Hengels Sicht auch, ob das Affenpocken-Virus weiter vorrangig unter homosexuellen Männern mit wechselnden Geschlechtspartnern grassieren werde - oder sich aus dieser Nische befreien könne.

Was sind Affenpocken?

Affenpocken gelten verglichen mit den seit 1980 ausgerotteten Pocken als weniger schwere Erkrankung. Die Inkubationszeit beträgt laut Robert Koch-Institut 5 bis 21 Tage. Die Symptome, darunter Fieber und Hautausschlag, verschwinden gewöhnlich innerhalb weniger Wochen von selbst, können bei einigen Menschen aber zu medizinischen Komplikationen und in sehr seltenen Fällen auch zum Tod führen. Am Samstagnachmittag sprach WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus von weltweit mehr als 16.000 bestätigten Affenpocken-Fällen.

Der Affenpocken-Ausbruch und seine Auswirkungen in BW

Baden-Württemberg

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Baden-Württemberg erhält zunächst 3.000 Impfstoffdosen. Eine Gefahr für die breite Bevölkerung sieht das BW-Sozialministerium nicht - die meisten Affenpocken-Fälle gibt es in Berlin.

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SWR