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Wer von einem Risikogebiet aus nach Deutschland einreist, muss sich ab Samstag auf das Coronavirus testen lassen - oder zuvor getestet worden sein. Die wichtigsten Fragen und Antworten lesen Sie hier.

Wer muss sich auf Corona testen lassen?

Ab Samstag gilt deutschlandweit eine Pflicht, sich auf Covid-19 testen zu lassen - und zwar für alle, die aus einem Risikogebiet nach Deutschland zurückkehren. Eine aktuelle Übersicht über die Länder und Regionen, die als Risikogebiet eingestuft sind, findet sich auf der Homepage des Robert-Koch-Instituts.

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Der Test muss spätestens 72 Stunden nach der Einreise nach Deutschland erfolgt sein. Es ist auch möglich, noch im Urlaubsland einen Test zu machen. Er muss von einem zertifizierten Labor bescheinigt sein und darf bei der Einreise nach Deutschland nicht länger als 48 Stunden zurückliegen. Wer damit ein negatives Testergebnis vorweisen kann, muss sich nicht in Quarantäne begeben. Alle anderen müssen nach der Rückkehr nach Hause so lange in Quarantäne bleiben, bis der in Deutschland absolvierte Test negativ ausgefallen ist. Das ist jedoch in einigen Bundesländern anders geregelt. Einen Überblick über alle detaillierten Regelungen bietet die Homepage des Bundesgesundheitsministeriums.

Der Covid-19-Test ist allerdings nur eine Momentaufnahme. Es ist durchaus möglich, dass eine Person zum Zeitpunkt des Tests bereits infiziert ist, das Virus bei ihr aber noch nicht nachweisbar ist. Deswegen ist es sinnvoll, sich einige Tage nach dem ersten Test ein zweites Mal testen zu lassen. Eine Pflicht dazu besteht grundsätzlich nicht. Die Gesundheitsbehörden können aber einen zweiten Test anordnen, wenn sie davon ausgehen, dass eine Person einer besonderen Ansteckungsgefahr ausgesetzt war.

Wer bezahlt die Tests?

Die Pflichttests und angeordnete Wiederholungstests muss niemand selbst bezahlen. Eine Besonderheit in Baden-Württemberg: Lehrer, Erzieher und alle, die in Schulen, Kindertagesstätten oder Horten arbeiten, können sich zwischen Mitte August und Ende September zweimal auf Corona testen lassen. Das wird vom Land bezahlt.

Ansonsten gilt: Die Testkosten werden zunächst aus dem Gesundheitsfonds der gesetzlichen Krankenversicherung beglichen. Der Bund will später die Kosten über einen Sonderzuschuss für den Fonds wieder ausgleichen.

Private Krankenversicherer beteiligen sich nicht an Kosten

Die privaten Krankenversicherer beteiligen sich bislang nicht an den Kosten. Auch Tests für Privatversicherer werden aus dem Gesundheitsfonds der gesetzlichen Krankenkassen bezahlt - sehr zu deren Ärger. Der Vorstandsvorsitzende der AOK Baden-Württemberg, Johannes Bauernfeind, sagte etwa, die privaten Krankenversicherer würden ihrer gesellschaftlichen Verantwortung während der Corona-Krise nur teilweise gerecht.

Auch wer nicht aus einem Risikogebiet zurückkehrt, sich aber testen lassen möchte, kann das kostenlos tun - allerdings nur bis 72 Stunden nach seiner Einreise. Danach gilt wie bisher: Bei einem begründeten Corona-Verdacht (Symptome wie etwa trockener Husten, Fieber und Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns) werden die Testkosten ebenfalls erstattet. Ein einzelner Covid-19-Test kostet laut Berechnungen der Krankenkassen zwischen 40 und 52 Euro.

Wo kann ich mich testen lassen?

Die ersten Anlaufstellen für einen Covid-19-Test sind die dafür vorgesehenen Schwerpunktpraxen und Abstrichzentren, die es überall in Baden-Württemberg gibt. Wichtig ist: Dort sind Tests nur nach Voranmeldung möglich. Die ist über die zentrale Nummer des ärztlichen Bereitschaftsdienstes der Kassenärztlichen Vereinigung (Tel. 116 117) möglich. Dort gibt es auch Auskunft über die nächstgelegene Schwerpunktpraxis oder das nächste Abstrichzentrum. Auch viele Hausärzte bieten Tests und Beratungen an und auch dort sollten Patienten unbedingt vorher anrufen.

Was ist mit den angekündigten Teststationen für Reiserückkehrer?

Bislang gibt es in Baden-Württemberg drei Stationen, die eigens eingerichtet worden sind, um Reiserückkehrer zu testen. Sie befinden sich an den drei Flughäfen Stuttgart, Friedrichshafen und Karlsruhe/Baden-Baden. Dort können sich Reisende direkt nach ihrer Ankunft testen lassen. Eine Voranmeldung ist nicht erforderlich, es kann aber zu längeren Wartezeiten kommen. Die Betreiber der Teststationen sagen, im Extremfall könnten die Wartezeiten bis zu zwei Stunden betragen. Bislang sind solche langen Wartezeiten aber noch nicht vorgekommen.

Ein rotes Zelt steht in der Ankunft- und Abflughalle des Bodensee-Airports in Friedrichshafen. Dort können sich Reisende kostenlos auf das Corona-VIrus testen lassen. (Foto: SWR, Moritz Kluthe)
Auch am Flughafen in Friedrichshafen können sich Reisende kostenlos testen lassen. Moritz Kluthe

Bereits am 31. Juli hatte die Landesregierung angekündigt, dass in Baden-Württemberg eine Reihe weitere Teststationen für Reiserückkehrer entstehen sollen, und zwar an Bahnhöfen und entlang von Autobahnen. Geplant sind folgende Standorte:

  • Hauptbahnhof Stuttgart
  • Hauptbahnhof Karlsruhe
  • Hauptbahnhof Mannheim
  • Hauptbahnhof Ulm
  • Hauptbahnhof Freiburg oder Badischer Bahnhof Basel
  • A5, Parkplatz Brachfeld Ost (für Reisende, die aus Frankreich über die Europabrücke in Kehl kommen)
  • A5, Parkplatz Neuenburg Ost (für Reisende aus Frankreich und der Schweiz)
  • A81, Parkplatz Räthisgraben (für Reisende aus der Schweiz)
  • A7, Parkplatz St. Jakob (für Reisende aus Richtung Österreich/Tirol)
  • A7, Parkplatz Kemmental (für Reisende, die aus Bayern kommen und vorher womöglich in Österreich oder Balkanländern unterwegs waren)

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Noch existiert aber keine dieser Teststationen. Eine Schwierigkeit bei der Organisation besteht darin, in der Ferienzeit ausreichend freiwillige Helfer zu finden, um die Stationen betreiben zu können. Das baden-württembergische Sozialministerium hat nun angekündigt, dass in der Woche ab dem 10. August vermutlich zwei dieser Stationen in Betrieb gehen werden: am Hauptbahnhof Stuttgart und an der Autobahnraststätte Neuenburg-Ost an der A5.

Corona-Teststationen an Flughäfen hatten Vorrang

Nach Angeben des Sozialministeriums hatte es zunächst Vorrang, die Teststationen an den drei Flughäfen zu schaffen, da der Großteil des Reiseverkehrs aus den Risikogebieten über die Flughäfen laufe. Darüber hinaus könnten Reiserückkehrer schon jetzt die überall in Baden-Württemberg bestehenden Angebote der Schwerpunktpraxen und Abstrichzentren nutzen. Tatsächlich dürften die vorhandenen Kapazitäten ausreichen. Vorige Woche wurden nur 53 Prozent aller Covid-19-Testkapazitäten in Laboren in Baden-Württemberg genutzt.

Für viele Reiserückkehrer wäre es aber bequem, direkt auf dem Rückweg den Corona-Test erledigen zu können. Viele warten darauf, dass die angekündigten Extra-Teststationen an den Reiserouten nun auch bald entstehen. Die Landesregierung hat mit ihrer sehr frühzeitigen Bekanntgabe von Standorten, die zwar geplant, aber noch gar nicht organisiert waren, für viel Ungeduld gesorgt.

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