Das Containerschiff CMA CGM Zheng He (r) der Reederei CMA CGM legt am Containerterminal Eurogate im Waltershofer Hafen an.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Christian Charisius)

Treibstoff der Zukunft?

Land fördert Forschung zu CO2-Gewinnung aus der Luft

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Das Direct Air Capture-Verfahren soll die Produktion klimaschonender Kraftstoffe ermöglichen. Auch für die heimische Industrie sieht die Landesregierung Chancen.

Das Land fördert ein Forschungsprojekt zur Filterung von Kohlendioxid (CO2) aus der Luft. Das geht aus einer Pressemitteilung des Verkehrsministerium hervor. Demnach könnten die Wissenschaftler ein weiteres Instrument zur Bekämpfung des Klimawandels gewinnen, für den der hohe CO2-Ausstoß eine der Hauptursachen ist.

Beim Direct Air Capture-Verfahren (DAC) strömt die Umgebungsluft durch ein Aggregat, das ihr einen Teil des Kohlendioxids entzieht. Durch Aufkonzentration erhält man CO2 mit einem hohen Reinheitsgrad, das anschließend direkt als Rohstoff in der Chemieindustrie, für die Synthese von Basis-Chemikalien wie Methanol, eingesetzt werden kann oder für klimaneutrale Kraftstoffe für den Flugverkehr und die internationale Seeschifffahrt. Da letztere Anwendungsbereiche kaum elektrifiziert werden können, müssen dort auch langfristig kohlenstoffbasierte Energieträger eingesetzt werden.

"Für die Produktion von strombasiertem Kerosin als klimaschonenden Treibstoff werden große Mengen CO2 benötigt. Daher müssen gängige Direct-Air-Capture-Technologien zur Gewinnung von CO2 aus der Luft weiterentwickelt und effizienter werden, sowohl im Hinblick auf die Filtermengen als auch auf den Energieeinsatz", lässt sich der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) in der Pressemitteilung seines Ministeriums zitieren.

Land fördert Forschung mit knapp zwei Millionen Euro

Das Verkehrsministerium Baden-Württemberg unterstützt die Weiterentwicklung der CO2-Gewinnung im Förderprojekt "Direct Air Capture Technologien aus Baden-Württemberg (DAC-BW)" im Rahmen des Strategiedialogs Automobilwirtschaft BW (SDA) mit 1,39 Millionen Euro. Aufgrund der Chancen, die sich die heimische Wirtschaft aus dem industriellen Einsatz des Verfahrens verspricht, unterstützt auch das baden-württembergische Wirtschaftsministerium das Projekt mit 600.000 Euro im Bereich Infrastruktur.

Das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung (ZSW) forscht seit vielen Jahren im Bereich Direct Air Capture und hat laut Ministerium die Machbarkeit effizienter, leicht skalierbarer und kostengünstiger DAC-Technologien nachgewiesen. Der Energieverbrauch kann nach Angaben des ZSW mit kostengünstigem erneuerbarem Strom oder Abwärme aus Industrieprozessen ressourcenschonend gedeckt werden. Das Verfahren zeichne sich durch seine hohe CO2-Reinheit sowie eine einfache und wartungsarme Technologie aus.

So soll das Verfahren wirtschaftlich werden

Durch die Industrialisierung des Verfahrens sollen auch die Kosten für die Gewinnung von CO2 aus der Luft durch DAC deutlich sinken. Ziel ist es, durch Effizienzverbesserungen und den Betrieb von Anlagen in Regionen mit günstigen Bedingungen für die Stromerzeugung wie Südamerika, Nordafrika oder Australien, die Erzeugungskosten zu senken. Das Verkehrsministerium rechnet damit, dass die Kosten auf unter 100 Euro pro Tonne CO2 gesenkt werden können. Damit könne die Wirtschaftlichkeit erreicht werden, so Verkehrsminister Hermann. Die industrielle Anwendung der DAC-Technologie soll zusammen mit Firmen aus Baden-Württemberg vorbereitet werden.

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SWR