Ein Lehrer und Schüler der Klassen 1, 2 und 4 der Liebenauschule sitzen bei einer Unterrichtseinheit am Nachmittag im Rahmen des Programms «Lernen mit Rückenwind» (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Marijan Murat)

An der Belastungsgrenze angekommen

Lehrerverband kritisiert Förderprojekt "Lernen mit Rückenwind"

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Das Förderprojekt "Lernen mit Rückenwind" soll Schülerinnen und Schülern helfen, pandemiebedingte Lernlücken zu schließen. Allerdings auf Kosten der Lehrkräfte, so deren Verband.

Lehrerinnen und Lehrer in Baden-Württemberg sehen sich durch das Förderprogramm des Landes Baden-Württemberg "Lernen mit Rückenwind" zusätzlich belastet. Das zeigt eine Umfrage des Verbands Bildung und Erziehung (VBE). Besonders den Schulleitern fehle zusätzlich die Zeit, die es bräuchte um das Projekt zu planen und zu koordinieren. "Wenn die Lehrerinnen und Lehrer das Programm trotzdem unterstützen sollen, muss das Land sie für diese Zeit von außerunterrichtlichen Aufgaben entlasten", sagte der Landesvorsitzende des VBE, Gerhard Brand, am Freitag.

Lehrerkräfte in BW sind an der Belastungsgrenze angekommen

Laut Brand halten die Lehrerkräfte des Landes "Lernen mit Rückenwind" zwar für ein sinnvolles und notwendiges Programm. Allerdings verfügen "viele Schulen schon zu Normalzeiten nicht über das nötige Personal, um den
Pflichtunterricht stemmen zu können", so der Landesvorsitzende des VBE. Auch die Lehrerinnen und Lehrer seien an der "absoluten Belastungsgrenze" angekommen. "Die Grenze des Möglichen ist erreicht, wenn nicht bereits überschritten", so Brand. Aus dem Lehrerverband wird nun der Ruf nach Entlastung von außerunterichtlichen Aufgaben laut. So wird gefordert, dass zum Beispiel Corona-Tests der Schülerinnen und Schüler nicht mehr von Lehrerkräften kontrolliert werden sollten. Da das gerade gestartete Projekt auf einen Zeitraum von zwei Jahren ausgelegt ist, hätte die Landesregierung "noch Zeit nachzusteuern", so der VBE-Landeschef.

"Lernen mit Rückenwind" soll Rückstände in Kernfächern aufholen

Mit dem Förderprogramm «Lernen mit Rückenwind» versucht das Land seit
den Herbstferien, die klaffenden Corona-Lücken im Schulunterricht zu
stopfen. Insbesondere stehen dabei die Kernfächer Deutsch, Mathematik und Fremdsprachen im Vordergrund. Einzelne Schülerinnen und Schüler können durch weitere Lehrkräfte im normalen Unterricht und durch eine engere Betreuung zusätzlich gefördert werden. Auch gesonderter Förderunterricht für kleine Gruppen in Extra-Schulstunden ist möglich. Zudem gibt es Bildungsgutscheine, die etwa bei einem Nachhilfe-Institut eingelöst werden können.

Der baden-württembergische Landeselternbeirat und die Gewerkschaft
Erziehung und Wissenschaft (GEW) waren nach dem Auftakt ebenso scharf mit «Rückenwind» ins Gericht gegangen wie der VBE. Das Programm werde auf dem Rücken der Lehrer und Schulleitungen ausgetragen, außerdem fehle es an fertigem Material für Lehr- und Hilfskräfte.

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