STAND

Alle Bürgerinnen und Bürger sollen sich kostenlos auf Corona testen lassen können. Das war das Versprechen von Bundesgesundheitsminister Spahn. Die Realität im Land sieht aber anders aus.

Seit 8. März sind die kostenlosen Test nun möglich. Doch wer das Versprechen von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) einlösen möchte, braucht mancherorts vor allem eines: viel Geduld. Denn in den Städten und Gemeinden sieht das Angebot von Schnelltests sehr unterschiedlich aus. Es gibt den berühmten Flickenteppich.

In Testzentren kommt es häufig zu Wartezeiten, nicht alle Apotheken bieten den Service derzeit an und die Selbsttests für zu Hause aus Drogerie oder Supermarkt sind fast überall vergriffen.

Modellstadt Tübingen

Tübingen ist seit dieser Woche offiziell Modellstadt. Dort kann sich jeder an sechs Orten in der Stadt testen lassen und kommt anschließend in den Genuss weitreichender Freiheiten: Geschäfte, Außengastronomie und Unternehmen sind für negativ Getestete geöffnet.

Deutschlandweit einzigartiges Projekt gestartet Weitere Öffnungen in "Corona-Modellstadt" Tübingen

Tübingen ist als Corona-Modellstadt am Dienstag gestartet. Das heißt: Theater, Museen, Kinos und Außengastronomie haben wieder offen. Wer rein möchte, muss sich vorher testen lassen.  mehr...

Baden-Württembergs Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) hält den Versuch in Tübingen für vertretbar. Dem SWR sagte Lucha: "Der Versuch in Tübingen ist ein notwendiges, kalkulierbares Risiko". Selbstverständlich habe man in die Verordnung reingeschrieben, ab welchen Inzidenzwerten es einen Cut geben muss.

Friedrichshafen: Kostenlose Schnelltests für alle

Auch die Stadt Friedrichshafen bietet seit Mittwoch kostenlose Corona-Schnelltests für alle an. Eingerichtet wurden zwei Testzentren, eines in der alten Festhalle, das andere in der Innenstadt. Die Anmeldung erfolgt online. Wer ohne Anmeldung kommt, muss sich auf Wartezeit einstellen, so die Stadt.

In Konstanz hätten in dieser Woche zwei Testzentren für wöchentliche kostenlose Schnelltests öffnen sollen, eines am Bodenseeforum und eines in der Innenstadt. Das dauere aber noch bis voraussichtlich kommende Woche, so ein Sprecher der Stadt. In Ravensburg und Sigmaringen gibt es Tests für alle bisher nur beim Deutschen Roten Kreuz und den Johannitern.

Kreis Schwäbisch-Hall: Corona-Test-Bus

Im Landkreis Schwäbisch Hall fährt mittlerweile ein Bus Schulen an, in dem kostenlose Corona-Schnelltests für Schüler angeboten werden. Der Kreis hat mit einem Wert von knapp 271 (Szand 17.3.) weiter die höchste Sieben-Tage-Inzidenz in Baden-Württemberg. Städte und Gemeinden mit besonders hohen Inzidenzen werden laut Landratsamt zuerst angefahren. Kinder und Jugendliche, die getestet werden sollen, müssen für den Test eine unterschriebene Einverständniserklärung der Eltern vorlegen. Nach den Tests in den Schulen können sich in den angefahrenen Kommunen auch Bürgerinnen und Bürger aus dem Landkreis kostenlos testen lassen.

Schwäbisch Hall

Tests auf Rädern für Kommunen mit hohen Inzidenzen Hotspots im Kreis Schwäbisch Hall: Corona-Testbus fährt Schulen an

Im Landkreis schwäbisch Hall fährt ab Donnerstag ein Bus Schulen an, in dem kostenlose Corona-Schnelltests für Schüler angeboten werden. Zuerst kommt das Fahrzeug in Hotspot-Kommunen.  mehr...

Ostalbkreis weitet Schnelltests aus

Der Ostalbkreis weitet die Corona-Schnelltestmöglichkeiten vor allem an Schulen aus. Geplant ist nach Mitteilung des Landratsamtes ein Pilotversuch zur freiwilligen Selbsttestung. Schülerinnen und Schüler sollen sich bei dem Pilotversuch unter Aufsicht selbst testen können. Entsprechende Test-Sets seien bereits bestellt, noch vor den Osterferien soll der Versuch anlaufen. Neun Kommunen wollen mit ihren Schulen daran teilnehmen, auch die drei Kreisberufsschulzentren seien dabei. Ziel sei es, zu erproben, wie eine Schulgemeinschaft derartige Tests in den Schulalltag integriert und wie auf Positivfälle schnell reagiert werden kann.

Heubach

Bislang noch keine Infektion festgestellt Heubach organisiert Corona-Schnelltests selbst

In Heubach (Ostalbkreis) organisiert die Stadtverwaltung selbst Schnelltests. Seit Montag wird in Schulen und im Rathaus getestet. Rund 60 Freiwillige hat das DRK dafür geschult.  mehr...

Sozialminister Lucha mit Schnelltestangebot zufrieden

Mehrere hundert mobile und stationäre Teststellen gibt es mittlerweile in Baden-Württemberg. Sozialminister Lucha spricht im Interview mit dem SWR deshalb von einer guten Infrastruktur. Die Nachfrage nach Schnelltests sei "auch nicht außergewöhnlich hoch."

Derzeit können sich in Baden-Württemberg zum Beispiel das Schul- und Kitapersonal, Schülerinnen und Schüler sowie pflegende Angehörige zwei Mal in der Woche kostenlos testen lassen. Auch hier sei Nachfrage "aber nicht überragend", so Minister Lucha.

DRK will Lehrkräfte für Corona-Selbsttests schulen

Das Deutsche Rote Kreuz will Lehrkräfte dafür ausbilden, dass sie ihren Schülerinnen und Schülern helfen können, Corona-Schnelltests selbst durchzuführen. DRK-Landesgeschäftsführer Marc Groß sagte den "Stuttgarter Nachrichten", man plane gemeinsam mit anderen Hilfsorganisationen, Ärzten, Apotheken und den zuständigen Ministerien ein großes Projekt. "Die Handhabung der Tests ist nicht mehr so schwierig, das kann man hinbekommen", so Groß.

Kritik von Gewerkschaften

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft sieht die Aktion des DRK eher kritisch. Die GEW-Vorsitzende Monika Stein sagte, es könne nicht Aufgabe der Schulleitungen und Lehrkräfte sein, die Tests zu organisieren. Die Landesregierung müsse eine verlässliche Teststrategie garantieren.

Auch der Verband Bildung und Erziehung (VBE) meldet Bedenken an. Der Vorsitzende Gerhard Brand sagte der Deutschen Presse-Agentur, man verstehe die gute Absicht des DRK. Zuerst müssten aber die Rahmenbedingungen geklärt werden und das Kultusministerium entscheiden. "Wir empfehlen den Schulen dringend, sich ohne Anweisung seitens des Ministeriums zurückzuhalten mit begleitenden Maßnahmen zur Selbsttestung", so Brand.

Mehr zum Thema

Baden-Württemberg

Das Coronavirus und die Folgen für das Land Live-Blog zum Coronavirus in BW: Maskenpflicht am Samstag in Stuttgart

Das Coronavirus bestimmt den Alltag der Menschen im Land. Im Live-Blog fassen wir die neuesten Entwicklungen rund um die Pandemie und die Beschränkungen zusammen.  mehr...

Software-Panne "Schlamperei" bei Corona-Tests - Tausende persönliche Daten im Netz

Mehr als 130.000 Corona-Testergebnisse waren ungeschützt im Internet zu finden. Das berichten der RBB, die Süddeutsche Zeitung und die Wiener Zeitung "Der Standard". IT-Experten hatten das herausgefunden und sprechen schlichtweg von "Schlamperei" im Umgang mit den Daten.  mehr...

STAND
AUTOR/IN