Meteorid Feuerball am Abendhimmel in Weil der Stadt (Foto: allsky7/Markus Kempf)

Augenzeugen berichten

Meteorit, Meteor oder Weltraumschrott? Feuerball am Abendhimmel über Baden-Württemberg

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Ein helles, sehr schnelles Objekt war am Donnerstagabend am Himmel zu sehen. Manche Beobachter halten den Feuerball für einen Meteoren.

In Baden-Württemberg und im südlichen Teil Deutschlands haben vielen Menschen am Donnerstagabend einen Feuerball am Himmel gesehen. Von der Bodenseeregion bis in den Norden von Rheinland-Pfalz berichteten Hörerinnen und Hörer dem SWR, das Objekt sei kurz vor halb neun über den Abendhimmel gerast. Auch in Hessen gab es Sichtungen.

War der Feuerball ein Meteorit?

Auch in den Sozialen Medien diskutieren Menschen über den potentiellen Meteoriten. Twitter-Nutzer schreiben beispielsweise von Sichtungen in Karlsruhe, Heidelberg, zwischen Reutlingen und Tübingen oder bei Freiburg und Bad Kreuznach. Auch im Rhein-Main-Gebiet war der Feuerball zu sehen.

@dh5at Ja, hier in Karlsruhe ebenfalls. Rasend schnell.

@dh5at Haben den Meteoriten Südlich von Heidelberg gesehen. Flog ziemlich genau nach Westen.

@dh5at Auch gesehen zwischen Reutlingen und Tübingen. Flugrichtung ca. von Südwest nach West, sehr tief.

"Zunächst dachte ich an einen Feuerwerkskörper, derart hell und groß. Die Flugbahn war allerdings so gerade, dass es dann klar wurde. Habe nur auf einen Knall gewartet", beschreibt ein Twitter-Nutzer den Himmelskörper.

@dh5at Zunächst dachte ich an einen Feuerwerkskörper, derart hell und groß. Die Flugbahn war allerdings so gerade, dass es dann klar wurde. Habe nur auf einen Knall gewartet.

Ein SWR-Hörer aus Stuttgart sagt, er habe das Objekt zuerst für ein Flugzeug gehalten. Doch dann habe er festgestellt, dass es viel zu schnell war - jedoch keinen Schweif hatte.

Stuttgarter Sternenkundler: Hatte Fußballgröße oder größer

Es könnte sich um einen Gesteinsbrocken gehandelt haben, der in die Erdatmosphäre eingetreten ist, sagte Andreas Eberle von der Sternwarte Stuttgart dem SWR. Aus den ersten Augenzeugenberichten schloss Eberle, dass es sich wahrscheinlich um ein kosmisches Objekt gehandelt habe. "Von den Berichten, die ich mitbekommen habe, war die Flugrichtung wohl von Ost nach West, was eher dagegen spricht, dass es Weltraumschrott war. Dementsprechend spricht viel dafür, dass es ein kosmisches Objekt war, sicherlich in Fußballgröße oder größer", so der Sternenkundler.

Astronom aus Stuttgart: "Kein Weltraumschrott"

Nach Überzeugung Hans-Ulrich Kellers, Astronom vom Stuttgarter Planetarium, war der am Abendhimmel gesichtete Feuerball ein Meteoroid und kein Weltraumschrott. Das Objekt habe ganz Mitteleuropa überflogen, so Keller. Es könne sich nicht um Weltraumschrott handeln, erklärte Keller, weil der immer mit der Erdrotation fliege, sich das Objekt aber entgegengesetzt bewegt habe. Es habe wohl eine Größe von einer Faust bis zu einem Fußball gehabt. Ein aus Eisen bestehendes Himmelsobjekt in Ballgröße könne 100 Kilo wiegen.

Fall spektakulär: "War besonders helles Objekt"

Der Meteoroid sei zum Zeitpunkt seines Eintritts in die Erdatmosphäre und seines Aufleuchtens zwischen 100 und 120 Kilometer hoch gewesen. Weil seine Bewegungsenergie in Wärmeenergie umgewandelt werde, begleite ihn auf seiner Laufbahn mehrere tausend Grad heiße Luft. In einer Höhe von 20 bis 40 Kilometern sei er über der Erde explodiert, erläuterte der Sternenkundler weiter. "Solche Phänomene gibt es öfter, der aktuelle Fall ist aber spektakulär, weil es ein besonders helles Objekt war, das keine Wolken verdeckten", sagte Astronom Keller.

Meteoritenforscher: Geschwindigkeit spricht für einen Meteor

Auch Meteoritenforscher Dieter Heinlein ist sich sicher: "Was wir gestern am Himmel gesehen haben, war ein Meteor." Heinlein arbeitet beim Institut für Planetenforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Berlin. Heinlein teilt Eberles Einschätzung, dass bereits die Flugrichtung gegen Weltraumschrott spreche. Von einem Meteoriten spreche man, wenn es um einen Stein gehe, der bei solch einem Ereignis in seltenen Fällen den Boden erreiche. Die Geschwindigkeit des Flugobjekts sei jedoch vielmehr ein Zeichen dafür, dass es ein Meteor gewesen sei: "Wenn Weltraumschrott wieder in die Erdatmosphäre eintritt, dann ist die Geschwindigkeit relativ langsam und dementsprechend sieht man so ein Objekt dann mehrere Minuten leuchten." In diesem Fall sei die Feuerkugel dagegen nur 15 Sekunden lang zu sehen gewesen - was wiederum für Meteore "sehr, sehr lange" sei, so Heinlein.

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