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Mittlerweile ist klar: Der Schulbetrieb wird noch lange nicht regelgerecht stattfinden. Jetzt ist unter anderem eine Debatte über Schulferien entbrannt. Die Landes-FDP befeuert sie, die SPD stört sich am späten Unterrichtsstart.

Die SPD dringt für Schüler der Abschlussklassen in Baden-Württemberg auf einen Start des Unterrichts noch im April. Die Entscheidung, dass die Abschlussklassen erst am 4. Mai wieder in den Präsenzunterricht an den Schulen einsteigen, sei nicht nachvollziehbar, sagte SPD-Fraktions- und Landeschef Andreas Stoch am Freitag. Andere Bundesländer wie Rheinland-Pfalz starteten bereits am 27. April. "Für die Schülerinnen und Schüler in den Abschlussklassen zählt jeder Tag", so Stoch.

Der Schulbetrieb in Baden-Württemberg soll ab 4. Mai stark eingeschränkt und schrittweise wieder aufgenommen werden. Begonnen werden soll mit Schülern, bei denen in diesem oder im nächsten Jahr die Abschlussprüfungen anstehen.

SPD schließt Verkürzung der Sommerferien nicht aus

"Die Antworten der grün-schwarzen Landesregierung in Sachen Bildung und stufenweiser Einstieg in den Schulbesuch sind völlig unbefriedigend", sagte Stoch. Der SPD-Politiker forderte, die Landesregierung müsse umgehend einen Stufenplan vorlegen, der aufzeige, wann die weiteren Klassenstufen wieder in die Schulen gehen können. Dann könne auch geprüft werden, ob in dieser außergewöhnlichen Situation die Sommerferien in vollem Umfang stattfinden sollen.

Bundestagspräsident Schäuble bringt Sommerferien-Debatte ins Rollen

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) hatte wegen der Corona-Krise eine Verkürzung der Sommerferien ins Gespräch gebracht. Ein solcher Schritt böte Schülern die Gelegenheit, den durch die Corona-Pandemie versäumten Unterrichtsstoff nachzuholen, sagte der CDU-Politiker aus dem Wahlkreis Offenburg in der Zeitung "Augsburger Allgemeine". Ohnehin sei derzeit unklar, "wann und wie man im Sommer verreisen kann". Schäuble begründete seinen Vorschlag auch damit, dass das Urlaubskonto vieler Eltern durch die Corona-Krise bereits "strapaziert" sei. "Ich kann die verstehen, die sich fragen, wie sie da noch sechs Wochen Sommerferien organisieren sollen."

Eisenmann schließt Sommerferien-Verkürzung kategorisch aus

Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hält von einer Verkürzung der Sommerferien nichts. Ein solcher Schritt würde angesichts der privaten Pläne von Familien und Lehrern "Unruhe auslösen und letztlich mehr Probleme schaffen als lösen". Ein solcher Vorschlag suggeriere zudem, dass Schüler und Lehrer durch die Corona-Krise nun wochenlang Ferien gehabt hätten, kritisierte Eisenmann. Dabei lernten die Schüler gemeinsam mit ihren Lehrern von zu Hause aus. "Alle machen das Bestmögliche aus dieser ungewöhnlichen Situation", zeigte sich die Ministerin überzeugt. Bereits am Donnerstag hatte sie in einem SWR-Interview solchen Überlegungen einen klare Absage erteilt.

FDP bringt Verzicht auf Pfingsferien ins Spiel

Hans-Ulrich Rülke, Fraktionschef der FDP im baden-württembergischen Landtag, teilt die Auffassung Eisenmanns in puncto Sommerferien. "Ich glaube nicht, dass es Sinn macht, an den Sommerferien herumzumachen. Denn wir müssen sehen, dass wir dann wieder im Herbst zu einem möglichst geeigneten und möglichst geordneten Wiederhochfahren des gesellschaftlichen Lebens kommen", sagte er am Freitag im SWR. "Aber über das Thema Pfingstferien kann man mit der FDP durchaus reden." Diese ausfallen zu lassen oder zu verkürzen, könne vor allem für schwächere Schüler Sinn machen. Wer beispielsweise "nicht so stark an die digitalen Plattformen angebunden" sei, könne dann nacharbeiten.

Auch der bildungspolitische Sprecher der FDP, Timm Kern, sprach sich dafür aus zu prüfen, inwieweit Schulferien in der aktuellen Situation für Schule, Unterricht und Lernen nutzbar gemacht werden können. "Zweifellos gibt es gewichtige Einwände gegen die Verkürzung der Sommerferien", sagte er laut Mitteilung vom Freitag. Vom 2. bis zum 13. Juni seien jedoch Pfingstferien. "Wenn im Laufe des Monats Mai je nach Jahrgang wieder mit dem Unterricht in der Schule begonnen wird, mag womöglich sinnvoll sein, ihn nicht alsbald wieder abzubrechen", so Kern. "Und das Problem des Eingriffs in Urlaubsplanungen dürfte in den Pfingstferien aufgrund der Reisebeschränkungen deutlich kleiner sein als in den Sommerferien."

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