Fragen und Antworten

Diese Corona-Regeln gelten künftig für Ungeimpfte in Baden-Württemberg

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Mit der neuen Corona-Verordnung lockert Baden-Württemberg zwar bei Großveranstaltungen die Regeln. In Unternehmen mit Außenkontakt muss ab sofort aber mehr getestet werden.

Was ändert sich mit der neuen Corona-Verordnung?

Die neue Verordnung tritt am Freitag in Kraft. Neu ist unter anderem das 2G-Optionsmodell für Veranstaltungen in der Basisstufe. Entscheiden sich Veranstalter für das 2G-Modell, haben nur noch Geimpfte und Genesene Zutritt, Getestete dagegen nicht mehr. Maskenpflicht und Abstandsregeln fallen bei der 2G-Regel weg. Beschäftigte müssen allerdings weiterhin eine Maske tragen. Die Personenobergrenze von maximal 25.000 Zuschauerinnen und Zuschauern wird aufgehoben. Damit können Großveranstaltungen in Fußballstadien oder Konzerthallen wieder durchgeführt werden. Neben geimpften oder genesenen Personen sind auch Schülerinnen und Schüler sowie Personen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können, zugelassen.

Neu ist auch eine generelle Testpflicht für nicht-geimpfte Beschäftigte mit Kundenkontakten. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter etwa in der Gastronomie oder in Friseursalons müssen sich künftig zweimal pro Woche auf das Coronavirus testen lassen. Dies galt bisher nur in der Warn- und Alarmstufe, also wenn die Belegung der Intensivbetten mit Corona-Patienten stark steigt.

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Welche Rolle spielt die Sieben-Tage-Inzidenz?

Bereits seit dem 16. September bestimmt nicht mehr die Sieben-Tage-Inzidenz über die Corona-Einschränkungen im Alltag, sondern die Auslastung in den Kliniken. Zwei Werte sind dabei besonders wichtig: zum einen die Hospitalisierungsinzidenz. Sie beschreibt, wie viele Menschen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner innerhalb einer Woche wegen einer Corona-Infektion ins Krankenhaus müssen. Zum anderen die Auslastung der Intensivbetten mit Covid-Patienten im Land, der sogenannte AIB-Wert.

Ab wann gelten Einschränkungen?

In der Basisstufe bleibt es bei den bisher geltenden Corona-Regeln. Die nächstfolgende sogenannte Warnstufe tritt unter zwei Umständen in Kraft: Entweder die Hospitalisierungsinzidenz überschreitet den Wert von 8 oder die Intensivstationen sind mit mindestens 250 Covid-Patientinnen und Patienten belegt. Steigt die Hospitalisierunginzidenz über 12 oder die Zahl der auf den Intensivstationen versorgten Covid-Patientinnen und Patienten auf 390, folgt die Alarmstufe.

Wo werden die relevanten Werte veröffentlicht?

Einen täglichen Überblick zu den aktuellen Zahlen findet sich im SWR-Live-Blog zum Coronavirus in BW. Die Homepage des baden-württembergischen Sozialministeriums bietet darüber hinaus alle relevanten Informationen zur Hospitalisierungsinzidenz als auch zu den Covid-19-Fällen in intensivmedizinischer Behandlung, die täglich aktualisiert werden. Zur Belegung der Intensivbetten bietet das DIVI-Intensivregister darüber hinaus auch grafische Darstellungen.

Welche Einschränkungen gelten in der Warnstufe?

Derzeit gilt noch das 3G-Modell für viele Lebensbereiche im Land: Wer am öffentlichen Leben teilhaben will, muss geimpft, genesen oder getestet sein. In der Warnstufe müssen Ungeimpfte dann allerdings in geschlossenen Räumen diverser Bereiche einen PCR-Test vorlegen. Das gilt für:

  • Messen, Ausstellungen und Kongresse
  • Theater, Kinos, Konzerte
  • Gastronomie, Kneipen, Imbisse
  • Freizeitparks, Bäder
  • Sportstätten

Der PCR-Test ist teurer als ein Antigen-Schnelltest. Die Preisangaben dazu sind verschieden und variieren zwischen 35 und 200 Euro.

Was gilt in der Alarmstufe?

Mit der dritten und letzten Stufe tritt das 2G-Prinzip in Kraft, das für Ungeimpfte erhebliche Einschränkungen bedeutet. Öffentliche Bereiche wie Kinos, Restaurants, Galerien, Museen, Messen, Volksfeste, Freizeitparks, Clubs und Vereinsfeiern sind dann für ungeimpfte Personen nicht mehr zugänglich - auch nicht mit einem PCR-Test. Eine Übersicht über alle Bereiche findet sich hier.

Was gilt für den Friseurbesuch?

Friseurbetriebe wie auch Nagel- und Massagestudios fallen unter den Bereich der körpernahen Dienstleistungen und sind somit in der Basis- als auch in der Warnstufe für Getestete, Genesene oder Geimpfte zugänglich. In der Alarmstufe allerdings ist für ungeimpfte Personen ein PCR-Test notwendig.

Gibt es in der Alarmstufe Ausnahmen für ungeimpfte Personen?

Obwohl die Alarmstufe erhebliche Einschränkungen im Alltag für ungeimpfte Personen nach sich zieht, gibt es einige Bereiche, die dennoch zugänglich bleiben. Dazu gehören beispielsweise Geschäfte der Grundversorgung wie der Lebensmittelhandel, Apotheken und Drogerien. Für den Einzelhandel, der nicht zur Grundversorgung gehört, reicht ein Schnelltest aus. Ungeimpfte Personen können zudem auch an religiösen Veranstaltungen mit Hygienekonzept teilnehmen. Darüber hinaus können sie auch Bibliotheken und Archive besuchen und körpernahe Dienstleistungen wie Logopädie, Physio- und Ergotherapie wahrnehmen. Hotel- oder Pensionsübernachtungen sind ebenfalls möglich. Auch hier ist allerdings ein negativer PCR-Test nötig, der alle drei Tage erneuert werden muss.

Gibt es schärfere Kontaktbeschränkungen?

Ja. Sie betreffen ungeimpfte Personen. In der Warnstufe darf sich ein Haushalt mit fünf weiteren Personen, in der Alarmstufe nur noch mit einer weiteren Person treffen.

Für welche Personengruppen gelten die Einschränkungen nicht?

Von den Einschränkungen sind Menschen ausgenommen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können. Der Nachweis hat durch einen ärztlichen Attest zu erfolgen. Auch Schwangere und Stillende, für die es erst seit wenigen Tagen eine Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission gibt, sind von der PCR-Pflicht und der 2G-Beschränkung ausgenommen. Für Kinder und Jugendliche bis einschließlich 17 Jahre gelten die Einschränkungen grundsätzlich ebenfalls nicht. Schülerinnen und Schüler müssen ihren Status durch ein entsprechendes Dokument nachweisen, beispielsweise mit einem Schülerausweis.

Dürfen ungeimpfte Jugendliche also in Clubs?

Nein. Die Ausnahmen für nicht impffähige Personen sowie Schülerinnen und Schüler gelten hier nicht. Derzeit müssen Ungeimpfte in Clubs einen PCR-Test vorlegen. In der Warn- und Alarmstufe herrscht für sie allerdings Tanzverbot. Dann gilt für Clubs und Diskotheken die 2G-Regel - jeder Gast muss geimpft oder genesen sein.

Wie lange gilt die Ausnahme für Schwangere und Stillende?

Da die Ständige Impfkomission erst am 10. September ihre Empfehlung für Schwangere und Stillende ausgesprochen hat, gilt für sie weder die PCR-Testpflicht noch die 2G-Beschränkung. Wie lange diese Ausnahme gilt, ist derzeit allerdings unklar. Auf Anfrage des SWR hieß es aus dem Sozialministerium, dass das genaue Enddatum noch nicht fest stehe.

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Was ändert sich in den Betrieben?

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter etwa in der Gastronomie oder in Friseursalons müssen sich künftig zweimal pro Woche auf das Coronavirus testen lassen. Geimpfte und genesene Beschäftigte müssen sich nicht testen lassen. Bisher galt eine solche Testpflicht für ungeimpfte Beschäftigte mit Außenkontakt nur dann, wenn sich die Corona-Lage in Baden-Württemberg deutlich verschärft, also in der sogenannten Warn- und der Alarmstufe. Das Land zahlt Ungeimpften im Quarantänefall keine Verdienstausfälle mehr - was die Gewerkschaft Verdi und der Deutsche Gewerkschaftsbund kritisieren.

Wann treten die neuen Einschränkungen frühestens in Kraft?

Bis zur Ausrufung der Stufen gelten Wartefristen. Für die nächsthöhere Stufe muss der Schwellenwert der Hospitalisierungsinzidenz an fünf oder die Auslastung der Intensivbetten an zwei aufeinanderfolgenden Werktagen erreicht sein.

Wie viele ungeimpfte Personen sind auf den Intensivstationen?

Laut dem Sozialministerium sind ungeimpfte Menschen wesentlich häufiger infiziert und müssen öfter intensivmedizinisch behandelt werden. Ein aktueller Überblick, wie viele ungeimpfte Corona-Patienten derzeit auf den Intensivstationen im Land behandelt werden müssen, findet sich in folgendem Artikel:

COVID-19-Patienten auf Intensivstationen Corona in Krankenhäusern: Die aktuelle Lage auf den Intensivstationen

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Wie viele Impfdurchbrüche gibt es?

Zu Impfdurchbrüchen kommt es immer wieder. Allerdings sei das normal bei der geschätzten Wirksamkeit der Impfstoffe von durchschnittlich 90 Prozent, betont das Gesundheitsministerium.

Wie hoch muss die Impfquote sein, um die Pandemie zu beherrschen?

Laut einer Studie des Robert-Koch-Instituts müssen mindestens 85 Prozent der Erwachsenen in Deutschland geimpft sein, um die Corona-Pandemie in den Griff zu kriegen. Einen aktuellen Überblick über die Impfquote in Baden-Württemberg und Deutschland findet sich hier:

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