Rohes Hähnchenfleisch in einer Fleischtheke (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / dpa | Malte Christians (Symboldbild/Archiv))

Mutmaßlich falsche Kennzeichnung

Möglicher Betrug bei Biohähnchen - BW-Ministerium fordert lückenlose Aufklärung

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Ein Betrieb in Bayern soll Hähnchenfleisch bewusst falsch als "bio" gekennzeichnet haben. Daraufhin wurden auch Betriebe in BW durchsucht. Das Unternehmen weist die Vorwürfe zurück.

Ein Geflügelschlachtbetrieb aus dem bayerischen Landkreis Rottal-Inn soll bei der Kennzeichnung von Biohähnchen betrogen haben. Auch Betriebe in Baden-Württemberg könnten betroffen sein. Deshalb forderte das Verbraucherschutzministerium Baden-Württemberg rasche Aufklärung.

"Sollten die Vorwürfe zutreffen, muss dies eine harte Strafverfolgung nach sich ziehen. Eine derartige Verbrauchertäuschung wird in keiner Weise akzeptiert."

Das beschuldigte Unternehmen äußerte sich auf seiner Website zu den Vorwürfen und wies diese zurück. Das Geflügel stamme von bäuerlichen Familienhöfen aus Bayern und Baden-Württemberg, bezüglich der Gütesiegel unterliege man dauerhaft unabhängigen Kontrollen.

Razzien bei Geflügel-Schlachtbetrieben in ganz Deutschland

Am Donnerstag sind Betriebe im ganzen Bundesgebiet durchsucht worden. Insgesamt gab es 24 Razzien in Geflügelschlachtbetrieben und deren Partnerunternehmen. Davon betroffen waren auch die Niederlassung des niederbayerischen Betriebs in Ertingen im Kreis Biberach und drei weitere Unternehmen in Baden-Württemberg. Das hat die federführende Staatsanwaltschaft Landshut auf SWR-Anfrage bestätigt.

"Die im Raum stehenden Vorwürfe müssen nun schnell und lückenlos aufgeklärt werden", teilte eine Sprecherin des Landesverbraucherschutzministeriums mit. Die zuständigen Behörden in Baden-Württemberg würden die Ermittlungsbehörden in Bayern vollumfänglich unterstützen. Nähere Auskünfte könne man nicht geben, um die Ermittlungen nicht zu behindern.

Grüne befürchten einen Skandal für die Biobranche

Der verbraucherschutzpolitische Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion, Armin Waldbüßer sagte dem SWR: Sollte sich der Verdacht des Etikettenschwindels erhärten, "dann handelt es sich ohne Frage um einen Skandal". In diesem Fall müssten laut Waldbüßer die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.

"Solche kriminellen Machenschaften zum eigenen Gewinn schaden der Biobranche insgesamt."

Man könne nicht gebrauchen, dass Menschen das Vertrauen in Bioprodukte verlieren. "Unser Ziel ist es, dass sich Menschen immer mehr für Bioqualität entscheiden", so Waldbüßer.

Konventionelles Fleisch als "bio" deklariert?

Ermittelt wird gegen drei Männer und zwei Frauen. Der Vorwurf der Ermittlerinnen und Ermittler: Konventionelles Hähnchen sei zu Bio-Ware umdeklariert worden, um höhere Preise zu erzielen. Zudem sei aufgetautes Fleisch als frisches verkauft worden und Fleisch erst nach tagelanger, unsachgemäßer Lagerung weiterverarbeitet worden. Ausschlaggebend für die Ermittlungen war laut Staatsanwaltschaft ein anonymer Hinweis Mitte des Jahres. Nach Aussagen des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit geht von den Hähnchen nach bisherigem Ermittlungsstand keine Gesundheitsgefahr aus.

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SWR4 BW am Morgen SWR4 Baden-Württemberg

Der betroffene Betrieb Oberschwäbische Geflügel GmbH in Ertingen weist auf seiner Homepage alle Vorwürfe zurück. Man produziere tierschutzgerechtes, regionales und nachhaltiges Geflügelfleisch. Das geprüfte Geflügel stamme von bäuerlichen Familienhöfen aus Bayern und Baden-Württemberg. In seiner Stellungnahme schreibt das Unternehmen, man werde die Vorwürfe gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft zeitnah aufarbeiten und aus der Welt räumen.

Opposition fordert mehr Kontrollen

Wenn sich der Verdacht bewahrheiten sollte, gehe es um Betrug in großem Stil, teilte der agrarpolitische Sprecher der FDP-Fraktion im baden-württembergischen Landtag, Georg Heitlinger, mit. Heitlinger betreibt selbst einen Geflügelhof. Er fordert eine starke Veterinärverwaltung und wirft der Landesregierung vor, den Verbraucherschutz zu vernachlässigen.

Der tierschutzpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Jonas Weber, forderte mehr Kontrollen. Masthuhnbetriebe in Baden-Württemberg müssten im Schnitt nur alle 29 Jahre mit einer Kontrolle rechnen. Aus Sicht der SPD müsse es deshalb eine Tierschutzeinheit geben.

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