Ein Fahrrad liegt nach einem Verkehrsunfall auf der Straße (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Daniel Bockwoldt)

Statistisches Landesamt

Erstmals seit Jahren geht die Zahl der Verkehrsunfälle mit Fahrrädern in Baden-Württemberg zurück

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Erstmals seit Jahren nehmen Verkehrsunfälle mit Fahrrädern in Baden-Württemberg ab. Dafür gibt es in einigen Städten ein neues Problem: Die E-Scooter-Unfälle häufen sich.

In Baden-Württemberg ist die Zahl der verunglückten Radfahrerinnen und -Fahrer deutlich gesunken. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes waren von Januar bis Juni 2021 rund 4.100 Menschen in einen Unfall mit dem Fahrrad oder Pedelec verwickelt. Das sind 16 Prozent weniger als im ersten Halbjahr des Vorjahres - und auch weniger als im entsprechenden Zeitraum 2019. Das Landesamt erklärte den Rückgang mit dem schlechten Wetter.

Die Universitätsstadt Freiburg registrierte trotz rückläufigen Trends erneut mit 263 die meisten verunglückten Radlerinnen und Radler im Land. Darauf folgen die Landeshauptstadt Stuttgart mit 231 sowie der Ortenaukreis mit 210 Verunglückten.

ADFC gibt keine Entwarnung

Nach Angaben der Statistikbehörde nahm sowohl die Zahl der leicht verletzten Radlerinnen und Radler (15,6 Prozent weniger) als auch die der schwer verletzten (18,0 Prozent weniger) ab. Über ein Viertel der im ersten Halbjahr verunglückten Fahrradfahrenden waren mit einem Fahrrad mit Elektroantrieb unterwegs.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) gab trotz des erfreulichen Rückgangs keine Entwarnung: "Ich habe die Vision Zero, also gar keine Unfälle", sagte Verbandschefin Gudrun Zühlke. Dafür müsste sich aber auch die Verkehrssituation ändern. Die größten Ängste der Radler entstehen laut dem ADFC durch zu geringen Abstand überholender Fahrzeuge. "Das ist für die Radfahrer eine sehr unangenehme Situation", sagte Zühlke. Die vorgeschriebene Distanz von 1,5 Meter müsse viel stärker von der Polizei kontrolliert werden, etwa mit Videokameras von Brücken.

Unfälle mit E-Scootern nehmen zu

Zudem verknappten parkende Autos den Platz für die Radfahrer auf den Straßen. Zu deren Verunsicherung trage auch bei, dass Fahrradwege nicht selten im Nirgendwo endeten oder ihre Fortführung nicht sofort erkennbar sei. Schilder mit der Bitte an die Radler, in solchen Situationen abzusteigen, seien eine Zumutung. Zühlke: "Eine solche Aufforderung an Autofahrer habe ich noch nie gesehen."

Während die Zahl der Fahrrad- und Pedelecunfälle landesweit zurückging, zeigte sich in einigen baden-württembergischen Städten ein neues Problem. In Mannheim etwa hat die Polizei auch die Unfälle mit E-Scootern im Blick, die seit 2019 in Deutschland zugelassen sind. Die Zahl der Verunglückten gehe wegen der Verfügbarkeit der E-Scooter nach oben, sagte Polizeisprecher Tobias Hoffert. Dabei gebe es auch schwerste Verletzungen und tödlich verunglückte Scooter-Fahrerinnen und -Fahrer.

Stadt Mannheim startet E-Scooter-Kampagne

Laut den aktuellsten Zahlen des baden-württembergischen Innenministeriums ist ein deutlicher Anstieg festzustellen: Im ersten Halbjahr 2020 wurden noch 68, im entsprechenden Zeitraum 2021 bereits 192 Unfälle landesweit festgestellt. Dabei sind die Sommermonate Juli, August und September, in denen die E-Scooter besonders häufig genutzt werden, nicht mitberechnet. Mannheim startet angesichts dessen nun eine Kampagne: In den sozialen Medien will die Stadt in den kommenden Wochen über die Regeln der E-Scooter-Nutzung informieren.

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SWR