Baden-Württembergs Landtag debattiert über Corona-Maßnahmen. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow (Archivfoto))

Mangel an Nachwuchs und Profis

Debatte im BW-Landtag: Was tun gegen Fachkräftemangel und unbesetzte Ausbildungsplätze?

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Baden-Württembergs Wirtschaft ist vom Fachkräftemangel geplagt. Gleichzeitig bleiben viele Ausbildungsstellen unbesetzt. Im Landtag wurde am Donnerstag um Lösungen gerungen.

In Baden-Württemberg gibt es wieder einen deutlichen Überschuss an Ausbildungsstellen für das künftige Ausbildungsjahr. Gleichzeitig zeichnet sich ein weiterer Anstieg des Fachkräftemangels ab. Darauf müsse reagiert werden, so die einhellige Meinung der Abgeordneten bei einer Debatte im Landtag in Stuttgart.

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Mehr Wertschätzung für Ausbildungsberufe

Es ist ein parteiübergreifender Konsens: Den Ausbildungsberufen werde in Baden-Württemberg zu wenig Wertschätzung entgegengebracht. Die duale Ausbildung sei zwar international anerkannt, habe aber zu Hause ein Imageproblem, sagte der parlamentarische Staatssekretär Patrick Rapp (CDU). Wer Abitur mache, müsse nicht in jedem Fall studieren, erklärte der AfD-Abgeordnete Hans-Peter Hörner und forderte eine ergebnisoffene Beratung für Schüler in den Abschlussklassen.

Die FDP schlug eine gezielte Werbung an Gymnasien für Ausbildungsberufe und eine bessere Zusammenführung der angebotenen Lehrstellen mit Bewerberinnen und Bewerbern vor, so der arbeitsmarktpolitsiche Sprecher Hans Dieter Scheerer.

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Künftig jede vierte Stelle unbesetzt?

Nach Berechnungen des Industrie- und Handelskammertags könnte wegen Fachkräfte- und des Azubi-Mangels bald jede vierte Stelle im Land unbesetzt bleiben. Laut Hochrechnung stehen bis 2035 rund 860.000 Fachkräfte weniger zur Verfügung,

Die baden-württembergische Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) sprach schon Ende April angesichts der Zahlen von einem Alarmsignal. Ihr Ministerium arbeite daran, mehr Kontakt zwischen Betrieben und Jugendlichen herzustellen. "Die Unternehmen suchen händeringend nach Auszubildenden."

Berufsschulen fordern mehr Kooperation mit allgemeinbildenden Schulen

Der Berufsschullehrerverband begrüßte die Debatte, fordert darüber hinaus aber mehr Kooperationen zwischen allgemeinbildenden und beruflichen Schulen.

Ein Auszubildender hält eine Bohrmaschine und eine Kabelrolle in der Hand (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Wer sich für eine Berufsausbildung interessiert hat aus Sicht des baden-württembergischen Industrie- und Handelskammertags gute Chancen. Denn Fachkräfte werden immer dringender gesucht. (Symbolbild)

Der Hauptgeschäftsführer des baden-württembergischen Handwerkstags, Peter Haas, sprach von einer notwendigen gesamtgesellschaftlichen Debatte, forderte aber von der Landesregierung auch mehr Investitionen unter anderem in Ausstattung und Modernisierung der Bildungsstätten.

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SWR