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In den Kindertagesstätten fehlen laut einer Umfrage der Gewerkschaft Verdi tausende Fachkräfte. Allein in Baden-Württemberg sind es demnach im Schnitt drei Fachkräfte pro Kita.

Am "Kita-Personalcheck" von Verdi haben sich bundesweit 19.000 Erzieherinnen und Erzieher verschiedener Einrichtungen beteiligt. 1.800 von ihnen kamen aus Baden-Württemberg, teilte die Gewerkschaft am Mittwoch in Stuttgart mit. Insgesamt gebe es im Land 9.200 Kindertageseinrichtungen.

"Kitas keine Verwahreinrichtungen"

Mit Blick auf die Arbeits- und Personalsituation sei der Betreuungsschlüssel hierzulande zwar etwas besser als im bundesweiten Vergleich. Dennoch hätten 37 Prozent der Befragten in Baden-Würtemberg angegeben, dass sie in der Spitze für mehr als 17 Kinder verantwortlich waren. Deutschlandweit waren es der Umfrage zufolge durchschnittlich sogar 44 Prozent. Kitas seien jedoch keine Verwahreinrichtungen, sondern Einrichtungen der frühkindlichen Bildung, so Verdi-Landesbezirksleiter Martin Gross. "Nur mit entsprechender Personalausstattung ist eine gute pädagogische Arbeit möglich", sagte Gross.

Verdi: Deutschlandweit fehlen in Kitas 173.000 Fachkräfte

Hochgerechnet auf ganz Deutschland fehlen laut dem "Kita-Personalcheck" in jeder Einrichtung im Durchschnitt drei Vollzeitkräfte. Bei rund 57.600 Kitas in Deutschland seien dies knapp 173.000 fehlende Fachkräfte, so Verdi.

Wegen des Personalnotstands in den Kindertagesstätten könnten über ein Viertel der Beschäftigten nach eigenen Angaben nicht fachlich adäquat arbeiten, hieß es weiter. "Viele pädagogischen Fachkräfte können deswegen den Anforderungen nicht gerecht werden", sagte Irene Gölz. Sie ist bei der Gewerkschaft Verdi für den Bereich Gesundheit und Soziales zuständig. Von der Politik fordert sie kurz- und langfristig Lösungen für mehr Personal, "um Entlastung zu schaffen und Qualität zu sichern".

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Außerdem gaben bei der Umfrage zum "Kita-Personalcheck" 58 Prozent der Erzieherinnen und Erzieher an, dass sie außerhalb ihrer bezahlten Arbeitszeit für die Kitas Aufgaben übernehmen - beispielsweise wenn sie Spielmaterial besorgen. "Es ist ein Zeichen fehlender Wertschätzung, wenn so getan wird, als sei das kein Bestandteil der Arbeit", so die baden-württembergische Verdi-Fachbereichsleiterin Hanna Binder.

Linke: "Weckruf für die Landesregierung"

Der "Kita-Personalcheck" müsse ein "echter Weckruf für die Landesregierung sein", so Sahra Mirow, Landessprecherin der Linken in Baden-Württemberg. "Wenn 44 Prozent der Erzieherinnen und Erzieher sagen, dass sie häufig zu wenig Zeit haben, um auf die Bedürfnisse der Kinder eingehen zu können und darüber hinaus über die Hälfte der Beschäftigten noch nach ihrer Arbeitszeit arbeiten müssen, dann muss mehr Personal eingestellt werden," heißt es in einer Stellungnahme der Partei. Sie kritisiert außerdem die Herabsetzung des Mindestpersonalschlüssels in den Kitas während der Corona-Pandemie. Gerade jetzt sei die Arbeit für die Beschäftigten durch Masken und Schutzmaßnahmen anstrengender geworden und die Kinder bräuchten mehr Aufmerksamkeit, so die Linke.

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