Warnstreiks im Erziehungsdienst: Kitas in BW sollen ab Dienstag schließen. Bild aus Bremen. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Hauke-Christian Dittrich)

Einrichtungen in Stuttgart und Ulm betroffen

Warnstreiks in Kitas und Sozialeinrichtungen in BW: Gewerkschaft ver.di kündigt weitere Aktionen an

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Am Donnerstag haben nach Angaben der Gewerkschaft ver.di in Baden-Württemberg mehr als 1.600 Beschäftigte im Sozial- und Erziehungsdienst für bessere Arbeitsbedingungen gestreikt.

Von den Warnstreiks im Sozial- und Erziehungsdienst betroffen waren Kitas, Grundschulbetreuung, soziale Dienste und Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen in Stuttgart und Ulm, darunter auch das Jugendamt und das Schulverwaltungsamt in Stuttgart. Bereits am Mittwoch hatten rund 750 Beschäftigte sozialer Dienste und Einrichtungen in Baden-Württemberg gestreikt.

Weitere Warnstreiks am Freitag und in der ersten Maiwoche

Laut ver.di finden am Freitag noch Warnstreiks in Crailsheim (Kreis Schwäbisch Hall), Kupferzell (Hohenlohekreis), Schwäbisch Hall und Karlsruhe statt. Für die kommende Woche hat die Gewerkschaft weitere Warnstreiks nach Branchenschwerpunkten im ganzen Land angekündigt. Die Gewerkschaft will dabei am Montag, 2. Mai, die Beschäftigten in der Sozialarbeit, am Mittwoch, 4. Mai, die Beschäftigten der Kitas und des schulischen Ganztags, und am 5. Mai Beschäftigte der Behindertenhilfe bei Warnstreiks, Kundgebungen und Demonstrationen in den Mittelpunkt stellen.

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Hanna Binder, stellvertretende ver.di Landesbezirksleiterin, begründet die Warnstreiks in einer Pressemitteilung von ver.di so: "Spätestens seit der Pandemie wissen Eltern und auf Unterstützung angewiesene Menschen, was fehlt, wenn Kitas und soziale Einrichtungen geschlossen sind. (...) Die Arbeitgeber haben leider noch immer nicht verstanden, dass sie mehr in das System investieren müssen, wenn es erhalten werden soll. Das wollen wir mit diesen Streiks ändern." Die Beschäftigten bräuchten bessere Arbeitsbedingungen, damit sie auch in Zukunft noch mit ihrer ganzen Kraft und ihrem Wissen für die Gesellschaft arbeiten können, so Binder.

Bundesweit 330.000 Beschäftigte betroffen

ver.di fordert für die bundesweit rund 330.000 betroffenen Beschäftigten bessere Arbeitsbedingungen, Maßnahmen gegen Fachkräftemangel und die Einstufung in eine höhere Entgeltgruppe. Laut ver.di-Landesvizechefin Hanna Binder setzen Arbeitgeber auf Werbekampagnen, um die immer größere Fachkräftelücke im Sozial- und Erziehungsdienst zu schließen. Sie lehnten Gespräche über eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen ab und somit auch Vereinbarungen zur Qualität der Angebote, so die Gewerkschaft.

ver.di-Landesbezirksleiter: Beruf muss dringend aufgewertet werden

"Ich habe kein Verständnis dafür, dass die Arbeit, sich um die gesunde Seele eines Kindes zu kümmern, weniger wert sein soll als die in der Industrie", sagte Martin Gross, Verdi-Landesbezirksleiter Baden-Württemberg, am Donnerstag dem SWR. Der Beruf müsse dringend aufgewertet werden, sonst fehlten in der Zukunft die Fachkräfte. "Ich erwarte, dass in der nächsten Verhandlungsrunde ein entscheidender Schritt passiert!", so Gross.

Ver.di Landesbezirksleiter, Martin Gross, beim Erzieher-Streik in Tübingen. (Foto: SWR, Stefanie Assenheimer)
Martin Gross, Landesbezirksleiter von ver.di, will die Arbeitsbedingungen für Erzieher schnell verbessern. Stefanie Assenheimer

Die Arbeitgeberseite hatte die Warnstreiks in der Vergangenheit regelmäßig kritisiert und erklärt, man sei in konstruktiven Verhandlungen. In Baden-Württemberg sind nach Angaben der Arbeitgeber rund 50.000 Beschäftigte im Sozial- und Erziehungsdienst betroffen. Die dritte Verhandlungsrunde ist für den 16. und 17. Mai in Potsdam geplant.

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