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Hunderte Einsatzkräfte aus Baden-Württemberg helfen aktuell den Opfern des verheerenden Hochwassers im Nachbarland. Die Ersten sind wieder zu Hause - mit erschütternden Eindrücken.

"Einfach unbeschreiblich" seien die Emotionen der Opfer der Hochwasserkatastrophe gewesen. Das hat Thorsten Becker von der Mannheimer Feuerwehr dem SWR berichtet. Am Sonntagabend ist er von seinem Einsatz bei Trier zurückgekehrt. Er brachte viele Eindrücke und Schicksalsberichte mit - die Bilder hat er online gestellt.

"Die Anwohner haben die letzten Reste an Essen und Trinken, die sie noch hatten, mit uns geteilt, während sie auf der anderen Seite der Straße mit völlig vermatschten und verschlammten Händen ihr Hab und Gut aus dem Keller rausgeräumt haben, mit Tränen in den Augen", so Becker. Und er erzählt von Menschen, die vor seinen Augen zusammengebrochen seien - am Ende ihrer Kräfte. Das sei auch an ihm nicht spurlos vorüber gegangen.

Mannheim

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Hunderte Einsatzkräfte aus Baden-Württemberg

Im Kreis Ahrweiler sind laut Innenministerium derzeit 451 Hilfskräfte aus Baden-Württemberg im Einsatz. Darunter sind zwei Hochwasser-Verbände der Feuerwehren mit je 100 Einsatzkräften und 85 Fachkräfte für psychosoziale Notfallversorgung vom Deutschen Roten Kreuz (DRK). Außerdem sind 387 Helferinnen und Helfer vom Technischen Hilfswerk (THW) aus Baden-Württemberg vor Ort - vor allem am Nürburgring. Die dortige Logistikzentrale für die Einsatzkräfte wird von THW-Einheiten aus Baden-Württemberg betrieben.

Die Landesfeuerwehrschule in Bruchsal (Kreis Karlsruhe) war am Donnerstag Startpunkt für den ersten Hilfskonvoi - mit 300 Einsatzkräften aus ganz Baden-Württemberg. Diese Menschen, unter anderem aus dem Landkreis Karlsruhe und aus Calw, haben ihren Einsatz mittlerweile beendet und sind wieder nach Hause zurückgekehrt. Am Dienstag (20.7.) um 8 Uhr werden 50 Sanitäterinnen und Sanitäter ihren Einsatz beenden und nach Baden-Württemberg zurückfahren.

Erlebtes hinterlässt bleibenden Eindruck bei Feuerwehrleuten

Auch Helfer aus der Region Stuttgart sind bereits zurück aus den Hochwassergebieten im benachbarten Bundesland. Bei Feuerwehrmann Simon Jaeckle aus Vaihingen/Enz (Kreis Ludwigsburg) hat das Erlebte bleibenden Eindruck hinterlassen. "Ich bin daheim angekommen und es war irgendwie surreal, weil man immer noch im Hintergrund weiß: Es gibt Leute, die haben ihr Hab und Gut verloren, und ich komm heim und hab Strom und fließend Wasser. Es war schon ein bisschen komisches Gefühl."

Bewohner in Rheinland-Pfalz "vor dem Nichts"

Seit Sonntagnachmittag sind auch die Feuerwehrleute des Katastrophenschutzzugs "Hochwasser" des Calwer Feuerwehrverbandes zurück: Sie hatten in Kordel geholfen, 15 Kilometer nördlich von Trier. Die 20 Feuerwehrleute halfen den Menschen, die buchstäblich vor dem Nichts stehen.

"Einige der Bewohner waren sichtlich aufgelöst, weil sie tatsächlich vor dem Nichts standen. Sie hatten noch nicht einmal etwas zum Anziehen."

Die Feuerwehrleute hatten für ihren Einsatz Spezialfahrzeuge aufgerüstet und beladen. Unter anderem hatten sie Anhänger mit Booten und Notstromaggregaten dabei, außerdem Lichtmasten, große Pumpen, Schläuche, Benzinkanister und Sandsäcke.

Lage belastet die Helfer

Yvonne Wiedl vom DRK in Heidelberg ist noch in Ahrweiler im Einsatz. "Es sieht erstmal erschreckend für die Helfer aus. Das muss man ehrlich sagen", erzählt sie im SWR. "Es ist eine Lage, die einen sehr belastet, die auch die Einsatzhelfer sehr belastet."

Heidelberg

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Einsatzkräfte in Bereitschaft

Auch aus der Region Heilbronn-Franken kommt Unterstützung, zum Beispiel von verschiedenen Ortsverbänden des Technischen Hilfswerks: etwa aus Heilbronn, Künzelsau (Hohenlohekreis) und Wertheim (Main-Tauber-Kreis). Die Kräfte sind voraussichtlich noch bis Ende der Woche weiter im Einsatz, sagte Christian Geier von der THW-Regionalstelle in Heilbronn dem SWR. Sollten noch mehr Menschen gebraucht werden: 42 Einsatzkräfte in Heilbronn-Franken seien abrufbereit und könnten innerhalb einer Stunde in den Einsatz fahren.

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Hilfe für die Seele aus Südbaden

Auch aus Südbaden sind zahlreiche Einsatzkräfte in die Hochwassergebiete aufgebrochen. Die Bergwacht Schwarzwald erkundet mit Geländefahrzeugen die Lage in den teilweise immer noch schwer zugänglichen Gebieten im Landkreis Ahrweiler. Ein Kriseninterventions-Team des DRK aus Offenburg (Ortenaukreis) leistet psychosoziale Akuthilfe für Betroffene. "Ich habe erlebt, wie sich Menschen an meine Schulter gelehnt und geweint haben", erzählt Eva-Maria Münzer vom DRK. Es sei wichtig für die Menschen, dass sie wüssten, dass sie nicht alleine seien. Wie lange Eva-Maria Münzer und ihr Team noch in der Eifel bleiben werden - das ist noch unklar.

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