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Nach dem Unwetter in der Nacht auf Dienstag ist es erneut zu Starkregen gekommen. Zahlreiche Straßen wurden überflutet, eine Person starb durch einen umgestürzten Baum.

Heftiges Unwetter mit Starkregen und Sturmböen sind auch am Dienstagnachmittag über Baden-Württemberg hinweggezogen. In zahlreichen Regionen musste die Feuerwehr erneut ausrücken und vollgelaufene Keller leer pumpen. Am heftigsten hat das Unwetter den Bodenseekreis, die Region Freiburg und den Großraum Stuttgart getroffen. Es kam zu zahlreichen Bahnausfällen.

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Ein Todesopfer im Bodenseekreis

Auch über die Region Bodensee-Oberschwaben ist das Unwetter am Nachmittag gezogen. Auf einer Kreisstraße bei Oberteuringen (Bodenseekreis) kippte während des Unwetters ein Baum auf ein Auto. Die 23-jährige Fahrerin des Wagens verstarb laut Polizei noch an der Unfallstelle. In Meersburg (Bodenseekreis) stürzte ein etwa 25 Meter hoher Baukran um und beschädigte vier Häuser. Zwei Menschen mussten aus einem Wohnhaus in Sicherheit gebracht werden. Verletzt wurde niemand. Die Höhe des Sachschadens ist noch unklar. Zudem gingen einige Meldungen über überschwemmte Straßen ein, zum Beispiel bei Hilzingen. Auch in Stockach (beides Kreis Konstanz) wurde kurzzeitig Wasser aus Gullydeckeln gedrückt und überflutete Straßen.

Im Kreis Freudenstadt liefen nach Polizeiangaben ebenfalls ein paar Gullydeckel über, in Horb-Altheim stürzte ein Baum auf eine Straße. Auch im Kreis Reutlingen seien erneut vereinzelt Bäume umgestürzt.

In Waiblingen wurde eine 34-jährige Frau laut Polizei vermutlich schwer verletzt, als auf einem Feldweg am Waldrand ein Baum auf ihr Auto stürzte. Auch ihre zwei kleinen Kinder wurden ins Krankenhaus gebracht.

Ein Baukran ist auf ein Wohnhaus in Meersburg gekippt (Foto: SWR, Stefanie Baumann)
In Meersburg (Bodenseekreis) ist ein etwa 25 Meter hoher Baukran durch den Sturm umgekippt und hat mehrere Häuser beschädigt. Verletzt wurde niemand. Stefanie Baumann

Erneute Einsätze der Feuerwehr in Stuttgarter Innenstadt

Der Sprecher der Stuttgarter Feuerwehr sagte dem SWR, dass es am Nachmittag zu rund 80 Einsätzen gekommen sei, die "priorisiert" abgearbeitet worden seien. Demnach wurden teils Gebäude mit Sandsäcken von außen geschützt, damit das abgepumpte Wasser nicht direkt wieder ins Gebäude eindringt. An der Klett-Passage am Hauptbahnhof kam es zu einem größeren Einsatz wegen Überflutungen, ebenso an diversen Straßenunterführungen. Am Abend kam es zu Staus auf den Straßen.

Überflutete Straße vor dem Stuttgarter Hauptbahnhof (Foto: SWR)
Zwar war der Bahnverkehr weitestgehend eingestellt worden, aber schon der Weg zum Hauptbahnhof gestaltete sich wegen der überfluteten Straßen als schwierig.

Aufführungen in der Oper in Stuttgart frühestens wieder am Samstag

Auch das Opernhaus war erneut Opfer des Regens. Bereits in der Nacht war das Dach durch den Sturm beschädigt worden. Nun sei "erneut Wasser in das Haus eingedrungen, weil das Dach nur provisorisch abgedeckt ist", sagte der Geschäftsführende Intendant der Staatstheater Stuttgart, Marc-Oliver Hendriks, am Dienstagabend. Frühestens am Samstag könne der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden.

Einige Zuschauerplätze sind aber nachhaltig beschädigt. Der dritte Rang könne vor der Sommerpause nicht mehr benutzt werden, sagte Hendriks. Von 700 Plätzen blieben damit 550 übrig. Bis Samstag müssten nun Handwerker das Dach provisorisch reparieren, das aktuell noch mit Planen und Holzplanken abgedeckt sei.

Ein Kran ist mit Aufräumarbeiten beschäftigt, als es wieder anfängt zu regnen (Foto: SWR)
An der Stuttgarter Oper ist man noch mit den Aufräumarbeiten aus der Nacht beschäftigt, als erneut Unwetter über die Stadt ziehen.

Überflutete Keller in Freiburg

Auch in Freiburg sorgte Starkregen am Mittag für erneute Einsätze der Feuerwehr. Vollgelaufene Keller mussten leergepumpt werden, verstopfte Abflüsse von Bächen gereinigt werden. In Au und Merzhausen (beides Breisgau-Hochschwarzwald) waren die Ortsdurchfahrten von Wassermassen überspült und nur schwer befahrbar. Insgesamt wurde die Feuerwehr in Freiburg und im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald zu 118 Einsätzen gerufen. Im Landkreis Lörrach blockierten umgestürzte Bäume Straßen und mussten weggeräumt werden. Auf der A81 zwischen Villingen-Schwenningen und Tuningen (beides Schwarzwald-Baar-Kreis) warnte die Polizei vor einer überfluteten Fahrbahn, starkem Regen und Aquaplaning.

B27-Tunnel in Dußlingen bleibt vorerst geschlossen

Der Tunnel der B27 in Dußlingen im Kreis Tübingen bleibt bis auf weiteres gesperrt. Bei dem Unwetter von Montag auf Dienstag mit starkem Regen und Hagel lief der 450 Meter lange Tunnel mit Wasser voll. Autos blieben stecken. Laut einer Pressesprecherin des Tübinger Landratsamtes muss der Tunnel bis auf weiteres gesperrt bleiben, da der Schaden noch begutachtet werden müsse. Die Technik des Tunnels ist beschädigt, dazu gehören unter anderem die Beleuchtung und die elektronische Beschilderung. Es gibt eine Umleitung.

Zahlreiche Bahnausfälle in Baden-Württemberg

Die Gewitter hatten auch für Ausfälle im Bahnverkehr gesorgt. Nach Angaben der Bahn vom Mittwochmorgen gibt es aber mittlerweile keine Störungen mehr in Bahn-Württemberg. Im Fernverkehr waren besonders die Verbindungen zwischen Stuttgart und München sowie Stuttgart und Nürnberg betroffen. Zahlreiche Zugausfälle gab es ebenfalls im Nahverkehr: Am Bodensee wurden nach Angaben der Deutschen Bahn die Strecken zwischen Konstanz und Radolfzell und zwischen Salem und Friedrichshafen (Bodenseekreis) zwischenzeitlich gesperrt. Auch zwischen Bad Saulgau (Kreis Sigmaringen) und Aulendorf (Kreis Ravensburg) sowie im Schwarzwald auf der Strecke zwischen dem Freiburger Hauptbahnhof und Kirchzarten kam der Verkehr unwetterbedingt zum Erliegen. Die Stadtbahn-Linie S4 zwischen Weinsberg (Kreis Heilbronn) und Öhringen-Cappel (Hohenlohekreis) wurde wegen abgebrochener Äste unterbrochen.

+++UPDATE+++ Die Einschränkungen im Raum Stuttgart dauern an. Einzelne Fernverkehrszüge halten inzwischen wieder in Stuttgart Hbf. Aktuelle Infos auf https://t.co/1RQL3VwEeg. https://t.co/dZFYI1nJoE

In und um Stuttgart gab es am Dienstag ebenfalls Einschränkungen im Bahnverkehr. So war die Strecke zwischen Böblingen und Sindelfingen (Kreis Böblingen) wegen eines Baums im Gleis zunächst gesperrt. Im Bereich um Waiblingen, Schorndorf und Backnang (alle Rems-Murr-Kreis) kam es demnach zu Verspätungen und Ausfällen wegen Starkregens.

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Deutscher Wetterdienst hatte vor schwerem Gewitter am Dienstag gewarnt

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte für Dienstag für weite Teile Baden-Württembergs vor schweren Gewitter gewarnt. Die Experten rechneten mit heftigem Starkregen mit bis zu 40 Litern pro Quadratmeter und Sturmböen mit bis zu 85 Kilometern pro Stunde. Auch Hagel mit einem Durchmesser von bis zu zwei Zentimetern sei möglich. Lokal könnten die Unwetter auch stärker ausfallen, hieß es. Bereits in den vergangenen Tagen waren mehrere schwere Gewitter über den Baden-Württemberg gezogen und hatten zahlreiche Schäden in weiten Teilen des Landes hinterlassen.

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