Ein Stoppschild steht neben einer Anzeigentafel von Preisen für Diesel und Benzin an einer Tankstelle. Nach dem russischen Militärangriff auf die Ukraine könnten auch die Energie- und Kraftstoffpreise weiter ansteigen. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Sven Hoppe)

Diesel springt in BW teilweise über zwei-Euro-Marke

Energie- und Spritpreise erreichen Höchststände: Taxiverband fordert Unterstützung

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Der Ukraine-Krieg treibt die Rohstoffpreise auch in Baden-Württemberg auf neue Höchststände. Der Preisschub dürfte die Inflation weiter anheizen. Jetzt meldet sich auch der Taxiverband zu Wort.

Wegen der weiteren Eskalation des russischen Kriegs in der Ukraine steigen die Preise vieler Rohstoffe auch in Baden-Württemberg immer weiter. Vor allem Öl und Gas werden aktuell sprunghaft teurer. So stieg der Preis für Erdgas im Rohstoffhandel um fast 60 Prozent im Vergleich zum Ende vergangener Woche. Ein Fass der Öl-Sorte Brent kostet aktuell auf dem Weltmarkt mehr als 125 Dollar - so viel wie seit zehn Jahren nicht und rund ein Viertel mehr als noch vor einer Woche.

Preisanstieg nicht nur bei der Energie

Die Gefahr von Lieferengpässen treibt auch die Preise von Rohstoffen für die Industrie weiter an: Neben Aluminium und Kupfer stieg am Montag vor allem der Preis von Nickel um mehr als 30 Prozent.

Diesel teurer als Benzin

Diesel ist aktuell sogar teurer als Benzin: Bundesweit kostete ein Liter Super E10 am Sonntag im Durchschnitt 1,965 Euro, wie der ADAC am Montag mitteilte. Diesel war sogar noch zwei Cent teurer als Super und stieg auf 1,984 Euro. Auch in Baden-Württemberg sprangen die Preise für den Liter Benzin an einigen Orten über die Marke von zwei Euro. Eine Abfrage über die aktuellen Kraftstoffpreise beim ADAC ergab am Montagmittag zudem, dass auch an vielen Tankstellen im Land Diesel teurer war als Benzin.

Spritpreise sind seit dem Krieg in der Ukraine in Baden-Württemberg nach oben geschnellt, so berichtete der SWR am 3.3.:

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Politik will für Entlastung sorgen

Das von der Bundesregierung geschnürte Entlastungspaket wegen der hohen Energiepreise wird die Verluste der Bürgerinnen und Bürger in diesem Jahr nicht ausgleichen, berichtete die Deutsche Presse-Agentur am Wochenende. Das jährliche Gesamtvolumen der Entlastungen von schätzungsweise zwölf Milliarden Euro relativiere sich, wenn man sich auf der anderen Seite den aktuellen Preisanstieg anschaue, so das Institut der deutschen Wirtschaft.

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BW-Wirtschaftsministerin erwartet weitere Preissteigerungen

In Baden-Württemberg hat Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) letzte Woche ein Gespräch zu den Auswirkungen des Krieges in der Ukraine auf die baden-württembergische Wirtschaft geführt. Spitzen von Arbeitgebern und Gewerkschaften, Kammern und Verbänden, des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft, der EnBW, der LBBW sowie der Agentur für Arbeit besprachen die Auswirkungen des Ukraine-Krieges.

Von äußerster Wichtigkeit sei jetzt die Sicherheit der Energieversorgung von Privathaushalten und Unternehmen und deren Bezahlbarkeit. Hier sei vor allem die Bundesregierung gefordert, so die Ministerin. "Sie muss bereits jetzt alles tun, um die Energieversorgung im kommenden Winter zu sichern. Sie muss außerdem weitere Maßnahmen prüfen, wie die Energieversorgung für die Wirtschaft und für insbesondere einkommensschwache Privathaushalte bezahlbar bleibt", sagte Hoffmeister-Kraut. Es sei von weiter steigenden Energiepreisen auszugehen. Für Wirtschaftsministerin steht der diskutierte Ausstieg aus der Kernkraft grundsätzlich nicht zur Disposition.

Energiewende soll Versorgung sicherstellen

Baden-Württembergs Energieministerin Thekla Walker (Grüne) betonte, dass die Versorgungssicherheit der Menschen im Land oberste Priorität habe. "Wir werden alles dafür tun, damit die Menschen weiter heizen und kochen können – und das zu zumutbaren Preisen. Das Gebot der Stunde ist deshalb, die Energiewende und damit den Ausbau der erneuerbaren Energien massiv, kraftvoll und deutlich schneller voranzutreiben." Erneuerbare Energien seien die beste Antwort sowohl auf die Klimakrise als auch auf die nun schmerzhaft spürbare Energieabhängigkeit.

Taxiverband fordert Unterstützung wegen hoher Spritpreise

Der Taxiverband in Baden-Württemberg will sich angesichts steigender Benzin- und Dieselpreise für eine Entlastung der Taxi-Unternehmen starkmachen. Der Landesvorsitzende Thomas Laschuk sagte dem SWR, er hoffe auf eine Steuersenkung. Der Verband müsse alles selbst finanzieren, während beispielsweise die Bahn von Subventionen profitiere. Laschuk berichtete, der Verband wolle nun mit dem Verkehrsministerium sprechen, um Unterstützung zu erhalten.

ADAC erwartet Tanktourismus

Weil die Spritpreise infolge des Ukraine-Kriegs in Deutschland immer weiter klettern, hatte der ADAC bereits zum Ende der vergangenen Woche angedeutet, dass der Tanktourismus weiter steigen werde - vor allem an der Grenze zu Österreich.

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