ILLUSTRATION - Ein Mann hält beim Telefonieren eine Gesundheitskarte der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK) in der Hand. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Karl-Josef Hildenbrand / Montage: SWR)

Ende der telefonischen Krankschreibung

Hausärzteverband Baden-Württemberg setzt ab sofort auf Video-Sprechstunde

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Wegen Corona konnten sich Patienten bislang von ihrem Hausarzt telefonisch krankschreiben lassen. Die Regelung endet nun. Der Hausärzteverband Baden-Württemberg hofft auf eine Nachfolgeregelung.

Welche Regelung vorstellbar wäre, hat die Vorsitzende des Hausärzteverbandes Baden-Württemberg, Nicola Buhlinger-Göpfarth, im Gespräch mit dem SWR erläutert.

SWR: Wenn wir nun über das Ende der telefonischen Krankschreibung sprechen, die wegen der Corona-Pandemie eingeführt worden war und immer wieder verlängert worden war und diese Regelung nun ausläuft: Ist das eine gute oder eine schlechte Nachricht?

Nicola Buhlinger-Göpfarth: Ja, es ist zumindest dahingehend eine gute Nachricht, weil es ja auch bedeutet: Es gab in der Vergangenheit besondere Situationen, die dazu geführt hatten, dass wir die telefonische Krankschreibung hatten und diese Regelung nun ausläuft. Es war natürlich schon praktisch und hat uns ohne Zweifel geholfen, während der Pandemie die vulnerablen Gruppen besser zu schützen, indem unnötige Kontakte in Arztpraxen vermieden werden konnten.

SWR: Jetzt läuft die Regelung aus, weil - wie Sie auch sagen - die Pandemie möglicherweise zu Ende geht. Abgesehen davon: Hat die Regelung denn auch eine Entlastung in den vielen chronisch überlasteten Arztpraxen gebracht, dass die Patienten einfach nur noch kurz angerufen haben und nicht fünf oder zehn Minuten in der Sprechstunde saßen?

Buhlinger-Göpfarth: Ja, das hat uns während der Pandemie wirklich sehr weitergeholfen. Vor allem zu Zeiten sehr hoher Inzidenzen hätten wir das anders mit unseren Mitarbeiterinnen auch gar nicht bewältigen können.

SWR: Aber ist es denn nicht auch etwas, was auch künftig den Arztpraxen helfen könnte? Auch wenn die Pandemie jetzt vielleicht vorbei ist - die Überlastung in vielen Arztpraxen bleibt erst einmal bestehen...

Buhlinger-Göpfarth: Die bleibt bestehen - das ist richtig. Die Hausarztpraxen und ihre Praxisteams haben während der Pandemie acht von zehn Corona-Patienten versorgt. Und natürlich wäre es schon eine Überlegung, auch künftig eine andere Regelung zu finden. Aber es bleibt ja die Möglichkeit erhalten, per Videosprechstunde Patientinnen und Patienten krankzuschreiben.

Aber nutzen das denn schon viele Praxen und auch Patienten?

Buhlinger-Göpfarth: Ja, da hat Corona auch etwas angeschoben. Ich denke, inzwischen sind fast alle Praxen in der Lage, eine Videosprechstunde durchzuführen. Das kann künftig natürlich helfen, vulnerable Gruppen zu schützen.

"Ich denke, inzwischen sind fast alle Praxen in der Lage, eine Videosprechstunde durchzuführen."

SWR: Wenn wir zurückblicken auf die Zeit der telefonischen Krankschreibung, gab es immer wieder Kritik oder den Vorwurf, Menschen könnten die Regelung auch zum Blaumachen nutzen, weil es doch einfacher ist, am Telefon eine Erkältung vorzuschwindeln als in der Praxis. Hat es das Ihrer Ansicht nach wirklich gegeben?

Buhlinger-Göpfarth: Wir Hausärztinnen und Hausärzte kennen laut Zahlen unserer wissenschaftlichen Fachgesellschaften fast 80 Prozent unserer Patienten länger als fünf Jahre und damit natürlich auch unsere Pappenheimer, was Krankschreibungen angeht. Ich glaube, Blaumachen war sicher nicht in großem Stil der Fall. Das widerspricht meiner Erfahrung der Haltung der meisten Menschen hierzulande zu ihrer Arbeit. Es gibt natürlich immer ein paar Prozent schwarze Schafe - aber im Fall dieser Sonderregelung kaum mehr als sonst.

SWR: Sie haben die Videosprechstunde schon angesprochen und damit auch eine Möglichkeit, weiter relativ einfach Patienten krankzuschreiben. Werden die Hausärztinnen und Hausärzte unter dem Strich also das Instrument der telefonischen Krankschreibung vermissen. Oder ist es okay, dass es nun ausläuft?

Buhlinger-Göpfarth: Es ist okay. Ich denke, wir können uns da jetzt auf das nächste Level begeben, gemeinsam mit unseren Patientinnen und Patienten. Die Umstellung auf eine Videosprechstunde ist, so denke ich, die Zukunft.

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