Bei einem Mann wird ein Corona-Test genommen (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Julian Stratenschulte; Symbolbild)

Auch Landkreise fordern Kurswechsel

Corona-Inzidenz könnte in Baden-Württemberg bald keine große Rolle mehr spielen

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Monatelang war sie der wichtigste Wert für politische Entscheidungen in der Corona-Pandemie. Doch mit steigender Impfquote hat die Inzidenz in Baden-Württemberg wohl bald ausgedient.

Der Inzidenzwert könnte bereits ab Mitte September keine wesentliche Rolle mehr in den Corona-Verordnungen spielen. Nach Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) setzen sich auch die Landkreise für ein Ende des Werts als wesentlicher Maßstab in der Corona-Politik ein. Stattdessen müsse stärker beachtet werden, wie sehr die Krankenhäuser durch Corona-Patienten belastet seien, sagte der Präsident des baden-württembergischen Landkreistags, der Tübinger Landrat Joachim Walter, am Donnerstag. Durch die hohe Zahl der zweifach geimpften Menschen habe der Inzidenzwert als Hauptindikator für Corona-Maßnahmen ausgedient.

Auslastung der Krankenhäuser als neuer Corona-Richtwert?

Es gehe nun vor allem darum, das Gesundheitssystem nicht zu überlasten. "Die Corona-Maßnahmen sind daher von der Krankenhausauslastung abhängig zu machen", sagte Walter. Auch ein landesweiter Wert könne auf diesem Weg berechnet werden, weil die Kliniken miteinander vernetzt seien. "Damit können auch die von Kreis zu Kreis unterschiedlichen Corona-Regelungen entfallen", sagte der Landrat.

Lucha: Baden-Württemberg geht bei Inzidenz bundesweit voran

Zuvor hatte Lucha bereits angekündigt, bei der Neubewertung der Inzidenz bundesweit voranzugehen und die Bedeutung der Zahl der Neuinfektionen herabzustufen. "Natürlich spielt die Inzidenz als Informationsquelle für das Infektionsgeschehen nach wie vor eine Rolle", sagte er den "Stuttgarter Nachrichten" und der "Stuttgarter Zeitung" (Donnerstag). Als Richtwert für die Auslösung von Beschränkungen werde die Inzidenz ab Mitte September aber wohl nicht mehr in den Corona-Verordnungen auftauchen.

Es brauche nach dem 15. September einen Paradigmenwechsel. Bis dahin will die Landesregierung allen Bürgerinnen und Bürgern ein Impfangebot gemacht haben. Dann könne es keine Beschränkung der Freiheitsrechte von Doppeltgeimpften mehr geben. Selbstverständlich werde das Land die Entscheidung der Ministerpräsidentenkonferenz am 10. August abwarten und einbeziehen, sagte Lucha.

Inzidenz als Maßstab schon länger in der Kritik

Die Rolle des Inzidenzwerts wird schon länger politisch diskutiert. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hatte in den vergangenen Wochen immer wieder betont, dass der Inzidenzwert im Kampf gegen die Pandemie eine zentrale Größe bleiben werde, auch wenn man sich nun auch auf andere Kriterien stützen werde.

Die Sieben-Tage-Inzidenz gibt die Zahl der registrierten Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner binnen einer Woche an. Nach einem leichten Rückgang hatte sie zuletzt in Baden-Württemberg wieder leicht zugenommen. Sie lag am Mittwoch bei 14,8, wie das Landesgesundheitsamt in Stuttgart mitteilte. Keiner der 44 Stadt- und Landkreise liegt derzeit über der politisch relevanten Inzidenz-Marke von 35. Mannheim kam zuletzt aber auf 33,8, Heilbronn auf 32,4.

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