Atomkraftwerk Neckarwestheim  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow)

Zehn Jahre Fukushima

Die Folgen der Reaktorkatastrophe für das Energieunternehmen EnBW

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Die Dreifach-Katastrophe von Fukushima führte zum Ausstieg aus der Kernenergie in Deutschland. Die so entstehende Lücke sollte "grün" gefüllt werden. Das hatte auch spürbare Folgen für den größten Energieversorger im Land: Die EnBW.

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Anfang des Jahres 2011 betrug der Anteil der Kernenergie am Strommix in Deutschland noch 18 Prozent, und besonders die EnBW setzte damals noch auf diese Energiequelle, die verlässliche Gewinne versprach. Den Konzern traf das politisch gewollte Abschalten seiner letzten vier Atommeiler besonders hart. Dazu kam eine plötzlich grün dominierte Landesregierung, die als Aufsichtsbehörde entschlossen war, nicht nur komplett auf den Atomstrom zu verzichten, sondern auch den Anteil der Erneuerbaren Energien massiv auszubauen.

Zwei der vier Kernkraftwerke im Land wurden noch 2011 abgeschaltet. Die EnBW musste notgedrungen umdenken und machte die Klimaziele zu ihren eigenen: Bis 2035, so die Ansage, will der Konzern klimaneutral sein. Eine doppelte Herausforderung - denn nicht nur die Kernkraft muss ersetzt werden, sondern auch die für die EnBW so wichtige Kohle. Die hält mit zuletzt 35 Prozent immer noch den größten Anteil an den verschiedenen Energieträgern des Konzerns, doch ihre Bedeutung schwindet - nach und nach. Denn schließlich muss spätestens 2038 auch das letzte Kohlekraftwerk der EnBW abgeschaltet sein.

Kritiker: Gefährliche Kernkraft läuft bis zum letzten Tag

Von den vier Atommeilern, die die EnBW im Jahr 2011 noch am Netz hatte, läuft nur noch Block Zwei in Neckarwestheim - bis zum 31.Dezember 2022. Ein schlechtes Signal, findet etwa die Initiative "Ausgestrahlt". Die EnBW versuche, die gefährlichen Atomkraftwerke bis zum allerletzten Tag am Laufen zu halten, das passe nicht zum neuen grünen Image des Unternehmens.

Doch Atom und Kohle müssen zuerst ersetzt werden, und um die Lücke zu füllen setzt Konzernchef Frank Mastiaux auf Erneuerbare Energien. Beim Strom wurden 2019 schon knapp zwei Drittel "grün" erzeugt, damit liegt die EnBW deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 44 Prozent. Als Konzernziel aber hat Mastiaux 40 Prozent Erneuerbare am gesamten Energiemix, also Strom und Gas, bis 2020 ausgegeben. Ob das funktioniert hat, wird sich Ende März bei der Präsentation der Jahresbilanz zeigen.

Die EnBW setzt neben der Sonne vor allem auf den Wind: Je zwei Windparks in der Ost- und Nordsee, teils als Gemeinschaftsprojekte mit anderen Anbietern, sind installiert. Insgesamt haben sie eine Gesamtleistung von über 900 Megawatt - weitere sollen folgen. Auch bei der Windenenergie an Land ist die EnBW engagiert, nicht nur in Deutschland, sondern auch in Frankreich oder in Schweden.

Geld vom Staat für vorzeitigen Atomausstieg

Dafür musste die EnBW viel Geld in die Hand nehmen: 2019 etwa knapp zwei Milliarden Euro - so viel wie nie zuvor. Und bald ist noch etwas mehr Geld zum Investieren da: Denn der Staat muss den vier großen Energieversorgern, neben der EnBW sind das Eon, Vattenfall und RWE, rund 2,4 Milliarden Euro Ausgleich dafür zahlen, dass die Atomkraftwerke nicht so lange laufen durften, wie sie konnten. Schließlich sind den Konzernen dadurch satte Gewinne entgangen. An die EnBW werden von diesen Ausgleichszahlungen vergleichsweise bescheidene 80 Millionen Euro gehen. Vattenfall beispielsweise erhält 1,4 Milliarden.

Rückbau der alten Kernkraftwerke sichert viele Arbeitsplätze

Die meisten Atommeiler sind zwar abgeschaltet, aber sie sind noch da. Auch wenn vielerorts die Kühltürme schon gesprengt wurden: Der Rückbau wird vermutlich noch mindestens die nächsten 15 Jahre laufen und damit auch zahlreiche Arbeitsplätze sichern.

Anders als andere Branchenriesen hat die EnBW keine Konzernteile ausgegliedert, sondern alles unter ihrem Dach gehalten. Und es ist Frank Mastiaux gelungen, Entlassungen zu vermeiden. Außerdem ist das Unternehmen Partnerschaften eingegangen etwa mit zahlreichen Stadtwerken, von denen es in Baden-Württemberg mittlerweile deutlich über 50 gibt. Daneben hat der Konzern viel Geld in die Digitalisierung gesteckt. So hat sich die EnBW der Entwicklung im letzten Jahrzehnt angepasst - auch wenn sie nun nicht mehr den Einfluss und die Macht hat wie vor Fukushima.

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