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Eltern- und Lehrervertreter fordern, die geplante Lernplattform für Baden-Württemberg nicht auf Basis eines Microsoft-Programms einzuführen. Sie befürchten Verstöße gegen den Datenschutz.

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Das Kultusministerium steht momentan in Verhandlungen mit dem US-Konzern Microsoft, inwieweit Office 365 als Software-Grundlage für die Plattform dienen könnte. Lehrkräfte und Eltern warnen nun davor, die digitale Souveränität an einen außereuropäischen Anbieter abzugeben. Es sei nicht garantiert, dass Microsoft die hier geltende Datenschutzgrundverordnung auch wirklich einhalte, teilten der Landeselternbeirat, die Arbeitsgemeinschaften Gymnasialer Lehrervertreter und der Philologenverband in einer gemeinsamen Mitteilung mit. Daten von Schülern und Lehrern dürften auf keinen Fall an Dritte gelangen.

Mitsprache gefordert

Die Verbände wünschen sich einen europäischen oder sogar regionalen Anbieter für die einheitliche Lernplattform. Es sei auch denkbar, in bestehende Systeme, wie zum Beispiel Moodle, weiter zu investieren und sie so zu verbessern. Das Kultusministerium solle transparenter machen, wie und nach welchen Kriterien der Software-Anbieter ausgewählt wird. Schüler und Lehrer müssten dabei viel mehr einbezogen werden.

Das Kultusministerin entgegnete, dass die Entscheidung über den Einsatz von Microsoft-Produkten noch gar nicht getroffen sei. Man prüfe lediglich den Einsatz von Bestandteilen von Microsoft 365 und sei dazu fortlaufend mit dem Landesbeauftragten für Datenschutz im Gespräch. Ziel sei es, bis Anfang Oktober zu bestimmen, wie die Nutzung dieser Bestandteile unter datenschutzkonformen Bedingungen aussehen könne. Damit solle etwa sichergestellt werden, dass keine Daten außerhalb der Europäischen Union gespeichert würden.

Bildungsplattform soll bis 2023 kommen

Nach dem Scheitern der ersten Bildungsplattform "Ella" soll die neue digitale Plattform in drei Schritten umgesetzt werden - mit Software, die es auf dem Markt schon gibt. Zuerst sollen ab Oktober zwölf Schulen einen Messengerdienst testen, um etwa Nachrichten übers Handy auszutauschen. Innerhalb eines Jahres soll es einen Messenger für alle Schulen geben, außerdem Dienst-E-Mail-Adressen für alle Lehrer, ein System, auf dem Lernprogramme abgerufen werden können und ein gemeinsames Anmeldeportal. Bis Frühjahr 2023 soll die gesamte Plattform fertig sein. 24 Millionen Euro sind dafür im Landeshaushalt vorgesehen.

Baden-Württemberg Nach Warnung von Datenschutzbeauftragtem: Zoom bessert nach

Der Videokonferenz-Dienst Zoom bessert beim Umgang mit Datensicherheitsfragen nach. Im April hatte der Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit in Baden-Württemberg (LfDI), Stefan Brink, anlässlich eines Sicherheitsvorfalls an einer Freiburger Schule vor der Nutzung des Dienstes im Schulunterricht gewarnt. In Gesprächen zwischen dem LfDI und Zoom wurden unter anderem die schweren Sicherheitslücken, für welche Zoom in der Vergangenheit schon mehrfach in der Kritik stand, thematisiert. Zoom ließ Taten folgen: Gegenüber Brink konnte Zoom eine Änderung beim Umgang mit Datensicherheitsfragen glaubhaft machen und hat dies durch mehrere zwischenzeitlich durchgeführte Updates zur Version Zoom 5.0 belegt. Daher besteht laut Brink kein Anlass mehr, seine an alle Schulen in Baden-Württemberg ausgesprochene Warnung länger aufrechtzuerhalten. Uneingeschränkt empfohlen werden könne bislang aber nur Big Blue Button, das in die vom Land bereit gestellte Lernmanagementsoftware Moodle integriert ist.  mehr...

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