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Das Kultusministerium hat den Plan für den "Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen" an Schulen vorgestellt. Dabei soll das Abstandsgebot wegfallen.

In Baden-Württemberg sollen die Schüler nach den Sommerferien wieder regulär unterrichtet werden - sofern es das Coronavirus erlaubt. Kultusministerin Susanne Eisenmann sprach von einem "Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen" ab September. "Wir streben so viel Präsenz an wie möglich", betonte die CDU-Politikerin. Grundvoraussetzung für die Pläne sei allerdings, dass es keine zweite Infektionswelle gebe.

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) auf einer Pressekonferenz (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Marijan Murat)
Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) stellte am Mittwoch in Stuttgart das Rahmenkonzept für das Schuljahr 2020/2021 vor. picture alliance/Marijan Murat

Abstandsgebot soll entfallen

Das Abstandsgebot soll - wie bereits jetzt an Grundschulen und Kitas - dann auch an den weiterführenden Schulen entfallen. Der Unterricht soll sich aber soweit möglich auf die reguläre Klasse oder Lerngruppe beschränken. Weil im Kurssystem der Oberstufe allerdings nicht immer die gleichen Gruppen zusammenkommen, erwägt die grün-schwarze Landesregierung nach Angaben von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) eine Maskenpflicht für ältere Schüler. Eisenmann wandte sich am Mittwoch aber gegen eine Maskenpflicht im Unterricht.

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Die Kultusministerin geht davon aus, dass im kommenden Schuljahr alle Fächer unterrichtet werden. Das gilt auch für Musik und Sport, mit der Einschränkung, dass beim Musikunterricht nicht alles möglich ist - Stichwort Singen und Blasinstrumente. Die Abschlussprüfungen werde man um drei bis vier Wochen nach hinten schieben. Mehrtägige außerschulische Veranstaltungen werden noch nicht erlaubt. Die üblichen Hygieneregeln, etwa eine gründliche Händehygiene, Husten- und Niesetikette, der Verzicht auf enge körperliche Kontakte wie Umarmungen und Händeschütteln sowie eine regelmäßige Desinfektion von Oberflächen bestehen weiterhin.

Förderbedarfe sollen identifiziert werden

"Durch die Schulschließungen konnten leider nicht alle Schüler in der Form erreicht werden, wie es nötig gewesen wäre. Das müssen wir berücksichtigen", betonte Eisenmann in Stuttgart. Deshalb werden die Schulen für jede Klasse bis zum aktuellen Schuljahresende dokumentieren, welche Inhalte nicht vertieft behandelt werden konnten. Im neuen Schuljahr kann dann angeknüpft und der Lernstand berücksichtigt werden. Auch das Förderprogramm "Lernbrücken" in den letzten beiden Wochen der Sommerferien setzt hier an. Die intensiven Förderkurse sollen den Schülern ermöglichen, Stoff aufzuholen, damit sie Anschluss halten und gut vorbereitet in das neue Schuljahr starten können.

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Leitlinien für das digitale Lernen im Fernunterricht

Auch wenn Präsenzunterricht nun angestrebt wird, müsse man weiterhin mit Fernunterricht rechnen und entsprechend planen, so Eisenmann. "Aus diesem Grund haben wir nun verbindliche Leitlinien und Qualitätskriterien für das digitale Lernen im Fernunterricht festgelegt", erläuterte sie. Dazu zählt, dass allen am Fernunterricht teilnehmenden Schülern dieselben Unterrichtsmaterialien zur Verfügung gestellt werden, die Schüler in allen Fächern regelmäßig Aufgaben bekommen und auch Rückmeldungen erhalten. Außerdem muss eine verlässliche Kommunikation zwischen den Lehrkräften und den Schülern gewährleistet werden. Schüler sollen von der Schule die notwendige digitale Ausstattung zur Verfügung gestellt bekommen, soweit diese nicht vorhanden ist.

"Dieses Spiel von Präsenz- und Fernunterricht wird im Herbst auch weiterhin eine Rolle spielen."

Susanne Eisenmann, Kultusministerin Baden-Württemberg

Ab September müsse auch dokumentiert werden, wie viel Kontakt Lehrer zu den Schülern haben und wie die Begleitung durch den Fernunterricht von den Lehrern bei den Schülern erfolgt. So müssten auch Leistungsstandserhebungen ermöglicht werden, weil unklar sei, wie lange die Phasen des Fernunterrichts jeweils dauern. Auch könne es nicht von der Ausstattung des Schulstandorts oder dem Engagement Einzelner abhängig sein, ob die Betreuung des Kindes läuft oder nicht.

Sollte das Infektionsgeschehen Fernunterricht erfordern und Schüler digital nicht erreichbar sein, sollen diese Schüler unter strengen Hygieneauflagen auch in der Schule digital arbeiten können.

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