Schlechtes BW-Abschneiden beim INSM-Bildungsmonitor Eisenmann: "Nicht sinnvoll, Eltern zum Ganztag zu zwingen"

So schlecht war Baden-Württemberg beim Bildungsmonitor noch nie - das Land ist auf Platz sechs abgerutscht. Besonders der mangelnde Ausbau von Ganztagsplätzen sorgt für Kritik an der Landesregierung.

Baden-Württemberg ist bei der Studie Bildungsmonitor im Bundesländervergleich auf Platz sechs zurückgefallen. Bisher konnte das Land immer einen der ersten vier Plätze belegen.

Kulusministerin Susanne Eisenmann zum Bildungsmonitor 2019 (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Marijan Murat/dpa (Archiv))
Trotz schlechter Platzierung, laut Eisenmann sind die Probleme im Bildungssystem bereits bekannt (Archiv). picture alliance/Marijan Murat/dpa (Archiv)

BW-Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) sagte: "Wir kennen dieses Verbesserungspotential." Man gehe gegen die Ursachen für das Abrutschen vor. Das Ministerium verweist unter anderem auf die Verschiebung des Fremdsprachenunterrichts in Grundschulen von der ersten in die dritte Klasse zugunsten von Fächern wie Mathematik und Deutsch.

SPD-Bildungsexperte fordert mehr Ganztagsbetreuung

Der Bildungsexperte der SPD-Landtagsfraktion, Daniel Born, fordert von der Kultusministerin wirkungsvolle Maßnahmen zum Ausbau von Ganztagsschulen. Besonders hier hatte Baden-Württemberg vergleichsweise schlecht abgeschnitten.

Eisenmann: "Zu geringe Nachfrage bei Ganztagsangebot"

"Die Landesregierung muss den Ausbau von Ganztagsplätzen jetzt in enger Abstimmung mit den Kommunen deutlich schneller vorantreiben", forderte auch der Landesgeschäftsführer Politik, Bildung und Arbeitsmarkt der Arbeitgeber, Stefan Küpper. Das Land habe die Herausforderung aber grundsätzlich angenommen. Eisenmanns Ministerium verweist hingegen auf eine mangelnde Nachfrage seitens der Eltern. Es sei nicht sinnvoll, Eltern zum Ganztag zu zwingen, teilte Eisenmann mit.

Die Landesvorsitzende der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft, Doro Moritz, beklagte hingegen eine "fehlende Vorwärtsentwicklung in Baden-Württemberg". Sie wirft der Kultusministerin vor, dass man Grundschüler zu wenig individuell fördere. Baden-Württemberg habe von allen Bundesländern die wenigsten Lehrer je Grundschüler.

Lob von Arbeitgebervertretern

Positiv zu vermerken sei hingegen der wiederholte Spitzenplatz Baden-Württembergs bei der beruflichen Bildung, so der Arbeitgebervertreter Stefan Küpper. "Dennoch brauchen wir von Seiten der Landesregierung weitere Anstrengungen im Hinblick auf die technische Ausstattung und Qualifizierung der Lehrkräfte im Zeichen von Digitalisierung", sagte der Arbeitgebervertreter. Die Wirtschaft sei bereit, das Land hierbei zu unterstützen.

Die Studie Bildungsmonitor wird vom Institut der deutschen Wirtschaft im Auftrag der arbeitgebernahen "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" (INSM) erstellt.

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