Erste Kunden des Einzelhandels in der Pforzheimer Fußgängerzone (Foto: SWR)

Regionale Inzidenzen entscheidend

Einschränkungen gelockert: Einzelhändler dürfen wieder öffnen - so lief es am ersten Tag

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Die Woche startete in Baden-Württemberg an vielen Orten mit Sonne und blauem Himmel. Aber nicht nur das sorgte für deutlich stärker frequentierte Straßen und Fußgängerzonen: An vielen Orten dürfen von Montag an diverse Geschäfte wieder öffnen.

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Die Corona-Einschränkungen in Baden-Württemberg sind am Montag teils gelockert worden. Baumärkte, Buchläden und viele weitere Einzelhändler durften ihre Geschäfte - bei einer entsprechenden regionalen Inzidenz - wieder öffnen. Entsprechend erleichert reagierten die Verantwortlichen. "Das ist auf jeden Fall ein Fortschritt", sagte die Hauptgeschäftsführerin des Handelsverbandes, Sabine Hagmann.

Die Angaben beziehen sich auf die Inzidenzwerte in der jeweiligen Region. Tatsächliche Regelungen können abweichen.

Wo die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz stabil bei unter 50 liegt, dürfen Geschäfte seit Montag wieder komplett öffnen - allerdings unter Auflagen wie Maskenpflicht und einer Begrenzung der Kundenzahl. Bei einer Inzidenz bis 100 darf immerhin nach vorheriger Terminvereinbarung eingekauft werden (Click & Meet). Zwar hätte sich der Handel Regelungen gewünscht, die unabhängig von der Inzidenz sind - aber so sei es nun eben. "Insgesamt glaube ich, dass wir auf dem richtigen Weg sind", sagte Hagmann.

Ansturm auf Geschäfte bleibt aus

Der von manchem erwartete Ansturm auf die wieder geöffneten Läden ist in Tübingen allerdings bislang noch ausgeblieben. Landrat Joachim Walter (CDU) warnte am Montag vor Einkaufstourismus aus anderen Landkreisen. Das könnte die Werte nach oben treiben und zu erneuten Schließungen führen. In Tübingen ist die Sieben-Tage-Inzidenz (derzeit 24,5) so niedrig wie in keiner anderen Region Baden-Württembergs.

Eine geringe Nachfrage registrierten am Montag auch die Verantwortlichen des Einkaufszentrums "Lago" in Konstanz. Dort ist das Einkaufen mit Termin möglich, da die regionale Inzidenz zwischen 50 und 100 liegt. Ähnlich verlaufe es in Ravensburg (Sieben-Tage-Inzidenz bei derzeit 52,6). Diese Art des Einkaufens bedeute für die Geschäfte einen hohen Aufwand und ob er sich wirtschaftlich lohne, sei eher fraglich, so ein dortiger Modehausbesitzer gegenüber dem SWR.  Ob die Kundschaft das Angebot annehme, müsse man abwarten, das Ganze müsse sich wahrscheinlich erst einspielen. 

Einkaufszentren stärker nachgefragt

Die IHK Region Stuttgart berichtete am Montag von einem guten Start, wobei Kunden vorwiegend gezielt einkaufen und nicht klassisch bummeln würden. Die Läden im Rems-Murr-Kreis, Lankreis Böblingen und Göppingen haben - im Gegensatz zum Landkreis Stuttgart - weitgehend wieder geöffnet. Einkaufszentren sind dabei eher nachgefragt als kleinere Läden.

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Viele Händler bieten Terminbuchungen an, die gut nachgefragt werden. "Der gute Start heute in einigen Landkreisen und die große Disziplin bei Händlern und Kunden macht Hoffnung auf mehr", sagte Marjoke Breuning, Präsidentin der IHK Region Stuttgart. "Viele Händler stehen am Rande des Ruins und brauchen dringend Umsatz."

Ebenfalls berichtet die IHK Rhein-Neckar von einem reibungslosen ersten Verkaufstag. "Die Händler saßen auf glühenden Kohlen, um endlich öffnen zu dürfen", sagte ein Sprecher. Entsprechend gut seien sie auf eine schnelle Öffnung vorbereitet gewesen.

Sorge vor Einkaufstourismus

Viel Betrieb herrschte am Montag in Heilbronn, schon vor Ladenöffnung bildeten sich vor manchen Geschäften Schlangen. Sorge vor der Gefahr von Einkaufstourismus sich bereits am Freitag in Baden-Baden breit gemacht, da der den Stadtkreis umschließende Kreis Rastatt deutlich höhere Inzidenz-Zahlen aufweist. Der Shoppingtourismus schaffe Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung. "Das kann nicht das Ziel sein", so der erste Landesbeamte im Kreis Rastatt, Jörg Peter. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hatte am Freitag betont, dass sich Nachbarkreise absprechen sollen, um den eventuellen Andrang zu verhindern. Wie genau die Landkreise vorgehen sollen, hatte Kretschmann nicht gesagt.

Der Oberbürgermeister der Stadt Ulm, Gunter Czisch (CDU), appellierte unterdessen an die Bürger, zum Einkaufen in der Heimatstadt zu bleiben und nicht in Landkreise zu reisen, in denen der Einzelhandel schon öffnen darf. "Ich kann nur alle darum bitten, nicht wegen einer Hose oder einem Kittel 100 oder 200 Kilometer zu fahren", so Czisch. In Ulm darf Click & Meet angeboten werden, der Stadtkreis liegt einem Sieben-Tage-Inzidenz-Wert von 65,5 über der 50er-Marke. Ähnlich ist die Lage im Kreis Heidenheim. In den angrenzenden bayerischen Regionen darf der Einzelhandel bereits wieder öffnen.

Erste Gäste dürfen wieder in den Zoo

Differenziert stellt sich die Situation in Südbaden da: Während im Ortenaukreis und im Schwarzwald-Baar-Keis, wo die Sieben-Tage-Inzidenz aktuell jeweils unter 50 liegt, alle Läden öffnen dürfen, ist Terminbuchung in den Kreisen Lörrach, Waldshut, Tuttlingen, Rottweil, Breisgau-Hochschwarzwald und Emmendingen sowie der Stadt Freiburg angesagt.

Weitergehende Lockerungen unter Auflagen für Museen, Galerien, Gedenkstätten sowie zoologische und botanische Gärten haben sich am Montag bereits die ersten Menschen zu Nutze gemacht, so auch beispielsweise im Heidelberger Zoo. Dieser hat wieder geöffnet und die ersten Gäste begrüßt.

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