Demonstration gegen die Corona-Politik in einer Innenstadt (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa, Philipp von Ditfurth)

Geschäfte in Innenstädten schließen früher

Einzelhändler in BW leiden unter Demos gegen die Corona-Politik

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Hunderte, manchmal tausende Menschen ziehen immer wieder durch Innenstädte in BW. Sie demonstrieren gegen die Corona-Politik. Einzelhändlern gehen dadurch Kunden verloren.

Einzelhändler in vielen Städten Baden-Württembergs fühlen sich zunehmend gestört von den wöchentlichen Demonstrationen gegen die Corona-Politik. "In beispielsweise Balingen, Freiburg und Ravensburg gibt es große Probleme. Die Händler machen schon regelmäßig früher ihre Geschäfte zu", sagte die Hauptgeschäftsführerin des Handelsverbands Baden-Württemberg, Sabine Hagmann. Diese Corona-Demos sind laut Hagmann sehr problematisch. "Die Händler haben durch die früheren Schließungen hohe Umsatz- und Ergebniseinbußen in einer ohnehin schon schwierigen Zeit."

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"Sie betreten mit Trillerpfeifen die Läden"

Vor allem dann, wenn es auch zu Gegendemonstrationen komme, sei die Lage schwierig. "Was das bewirkt, ist, dass die Polizei kommt. Da trauen sich die Kunden nicht mehr in die Geschäfte." Der Tübinger Großbuchhändler Christian Riethmüller sagte, die Lage in Reutlingen sei desaströs. Seit Wochen demonstrieren dort tausende Menschen jeden Samstag in der Innenstadt gegen die Corona-Politik. "Sie betreten mit Trillerpfeifen die Läden, sind zum Teil aggressiv", sagte Riethmüller. Kunden kämen nicht mehr zum Einkaufen. "Kein Mensch hilft uns und kümmert sich."

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"Schließen früher, weil in der Stadt nichts los ist"

Martin Riethmüller von Osiander RavensBuch in Ravensburg sagte: "Wir schließen früher, weil in der Stadt nichts los ist." In Stuttgart sind die zahlreichen Demonstrationen auch ein Thema. 2010 seien es noch rund 400 im Jahr gewesen, sagte ein Sprecher der City-Initiative. Seit einigen Jahren seien es mehr als 2.000. Das sorge für Verdruss. Die Demo-Teilnehmenden wollten natürlich in die Innenstadt, um ihr Anliegen vorzubringen. Das könne aber Kundinnen und Kunden abschrecken und dann für weniger Umsatz sorgen. Der Sprecher betonte, dass die Händlerinnen und Händler die Versammlungsfreiheit respektierten.

Innenminister erwartet kein Ende der Proteste

Der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl (CDU) erwartet unterdessen auch nach den Lockerungen der Corona-Maßnahmen kein Ende der Proteste im Land. "Wir haben eine recht verfestigte Szene und auch ein weites Netzwerk, so dass ich mir unabhängig von Corona durchaus vorstellen könnte, dass die Szene sich in der Zukunft auch anderen Themen zuwendet", sagte Strobl der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten" (Samstagsausgaben).

Die Luft gehe zwar ein bisschen raus, von einer Trendwende könne man nicht ausgehen, so Strobl. Es sei bis heute ein gefährlicher Mix aus Rechtsextremisten, Selbstverwaltern, "Reichsbürgern", Antisemiten, Verschwörungsideologen und Sektierern bei den Demonstrationen unterwegs. "Dabei handelt es sich eindeutig um eine Minderheit, die jedoch versucht, die Mehrheit zu instrumentalisieren", sagte Strobl.

"Bis zu zehn Mal mehr Teilnehmer bei Demonstrationen"

Das Demonstrationsgeschehen habe sich außerordentlich dynamisch entwickelt. "Wir haben seit Ende des letzten Jahres bis zu zehn Mal mehr Teilnehmer bei Demonstrationen. Deshalb ist es wichtig, dass wir ein scharfes Auge darauf haben, welchen Anteil extremistische Kräfte haben, welchen Einfluss sie nehmen und welches Gefahrenpotenzial darin steckt", sagte der Innenpolitiker den Zeitungen.

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SWR