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Vor einem Jahr hat der Landtag ein Gesetz zur Stärkung der Artenvielfalt beschlossen. Auf dem Papier liest es sich gut - doch Umweltschutzverbände beklagen Schwächen bei der Umsetzung.

Als das neue "Biodiversitätsstärkungsgesetz" vor einem Jahr verabschiedet wurde, hat man sich beim Naturschutzbund (NABU) gefreut. Für die Naturschützerinnen und Naturschützer war es ein wichtiger Meilenstein für den Arten- und Biotopschutz in Baden-Württemberg. Und tatsächlich gehe es voran: Die Anbaufläche für Öko-Produkte wachse. Es werde an einer Strategie gearbeitet, um den Einsatz von Pestiziden innerhalb von zehn Jahren um mindestens 40 Prozent zu verringern. Und es liefen Vorbereitungen, um auf mindestens einem Zehntel der landwirtschaftlichen Flächen Rückzugs- und Lebensräume für Pflanzen und Tiere einzurichten - etwa für Wildbienen, Schmetterlinge und Feldvögel.

NABU: Streuobstbestände werden weiter gerodet

Doch an anderen Stellen scheint es zu haken: Laut NABU erweist sich der Paragraph zum Erhalt der Streuobstbestände als "zahnloser Tiger". Im ganzen Land planten Kommunen Baugebiete in die Streuobstwiesen hinein und reizten ihren Ermessensspielraum auf fragwürdige Art aus - trotz Ermahnungen des Umweltministeriums. Die artenreichen Lebensräume würden unvermindert gerodet und überbaut. Hier müsse das Land klare Kante zeigen und nachschärfen.

Streuobstwiese mit blühenden Obstbäumen (Foto: SWR)
Streuobstwiesen gelten als Hotspot der Artenvielfalt.

Kritik: Verbot von Schottergärten wird nicht durchgesetzt

Die Naturschützerinnen und Naturschützer kritisieren außerdem, dass nur sehr wenige Kommunen kontrollierten, ob das Verbot privater Schottergärten eingehalten wird. Dabei gelten Schottergärten als ökologisch schädlich. Im Sommer heizen sie sich stark auf. Bei Starkregen kann das Wasser durch den verdichteten Boden nicht abfließen.

Lichtverschmutzung bleibt ein Problem

Das neue Gesetz verbietet eigentlich, die Fassaden öffentlicher Gebäude nachts anzustrahlen. Denn für nachtaktive Insekten können die Lichtquellen zu Todesfallen werden. Doch viele Rathäuser, Schlösser, Klöster oder Schulen würden weiter beleuchtet, so der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Ausnahmegenehmigungen würden still und heimlich zur Regel. Das Ziel, die Insekten zu schützen, würde verfehlt. Für einen besseren Überblick rufen die Umweltschützer dazu auf, angestrahlte öffentliche Gebäude mit Foto und Standort beim BUND zu melden.

Landwirte: Einsatz von Pestiziden hängt auch vom Wetter ab

Auch Landwirte treiben Sorgen um. Beim Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband (BLHV) heißt es, viele Bauern seien nach wie vor verunsichert wegen des Plans, den Einsatz von Pestiziden deutlich zurückzufahren. Was möglich sei, hänge stark vom Wetter ab. Die Winzer am Kaiserstuhl oder im Markgräfler Land etwa hätten wegen des feuchten Wetters mit Mehltau zu kämpfen. Darum seien dieses Jahr zum Beispiel mehr Pilzmittel, sogenannte Fungizide, nötig als sonst.

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