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Nach dem Abflauen der dritten Corona-Welle werden viele verschobene Eingriffe nachgeholt. Damit steigt auch der Bedarf an Blut in den Kliniken.

In der Hochinzidenz-Phase der Corona-Pandemie haben viele Krankenhäuser ihre Operationen auf das Nötigste zurückgefahren. Nicht dringend erforderliche Eingriffe und Therapien mussten warten, um die Intensivstationen nicht unnötig zu belasten. Weil die Corona-Lage derzeit entspannt ist, werden diese Behandlungen jetzt nachgeholt. Das stellt Blutspende-Dienste vor Herausforderungen und bereitet vielen Kliniken Sorgen.

Klinikum Stuttgart: Engpässe bei rhesus-negativem Blut

Im Klinikum Stuttgart etwa ist der Bedarf an Blutspenden zuletzt stark gestiegen. Das wegen Corona reduzierte OP-Programm laufe wieder auf Normalniveau, so die Leiterin der Blutzentrale, Beate Luz. "Gebraucht werden täglich Blutprodukte aus circa 100 Blutspenden. Das heißt, an jedem Werktag müssen 135 Blutspender oder Spenderinnen kommen, damit wir ausreichend Blut zur Verfügung haben." Derzeit seien es aber deutlich weniger, weil viele die wiedergewonnene Freiheit nutzten und verreisten. Deshalb gebe es bereits jetzt Engpässe zum Beispiel bei rhesus-negativem Blut, so Luz weiter.

Blutspende (Foto: SWR, Walter Notz)
Jeden Sommer wird der Vorrat an Blutkonserven knapp. Verschobene OPs und Behandlungen verschärfen das Problem Walter Notz

Ein Viertel weniger Blutspenden an der Uniklinik Tübingen

In Tübingen ist die Versorgungslage nach Angaben der Uniklinik angespannt. Der Leiter des Instituts für Transfusionsmedizin, Tamam Bakchoul, ist besorgt. Spender und Spenderinnen blieben wetter- oder urlaubsbedingt aus - und zwar mehr als in den Vorjahren und auch früher als normalerweise im Sommer.

"Momentan kann das noch kompensiert werden, aber wenn es so weiter geht, wird es knapp," so Bakchoul. Seinen Angaben zufolge hat die Uniklinik Tübingen in den vergangenen drei Jahren im Schnitt etwa 2.000 Blutspenden verzeichnet. Aktuell gehe es in Richtung 1.500, also rund ein Viertel weniger.

"Wir sind an der Kante. Wenn es so weiter geht, wird es knapp."

Mehrbedarf auch in der Krebs-Therapie

Der Blutbedarf steige derzeit aber nicht nur, weil aufgeschobene Operationen nachgeholt werden. Gebraucht werde das Blut auch für Krebspatienten, sagt Bakchoul. Das mache an der Uniklinik Tübingen etwa die Hälfte des benötigten Spenderblutes aus.

Auf den erhöhten Bedarf an Blut nicht nur für Eingriffe weist auch die Leiterin der Blutbank an den SLK-Kliniken in Heilbronn, Astrid Stäps, hin. Sie spricht schon jetzt von einem großen Mangel. Denn gebraucht werde das Blut längst nicht nur für Operationen. Man dürfe nicht vergessen, dass zum Beispiel viele Tumorpatienten und -patientinnen jetzt in ihrer Chemo-Therapie-Phase viele Blutkonserven brauchten, denn auch deren Behandlung wurde verschoben.

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DRK im Land liefert bis zu 2.000 Blutspenden pro Tag

Die Vorräte an Blutkonserven sind nach Angaben des Roten Kreuzes im Sommer immer etwas knapper. Dass nun in den Kliniken viele Behandlungen nachgeholt werden, verschärfe die Lage allerdings, sagt Cüneyt Demirel, der Regionalleiter des DRK-Blutspendedienstes Baden-Württemberg.

Das DRK beliefere insgesamt 84 Kliniken im Land täglich mit bis zu 2.000 Blutspenden. Diese Menge sei auch weiterhin gedeckt, die Krankenhäuser bräuchten aber mehr, so Demirel. Das versuche man mit zusätzlichen Blutspende-Aktionen aufzufangen. Er weist ausdrücklich darauf hin, dass das Blutspenden trotz Corona weiterhin möglich und auch sicher ist und wirbt für rege Teilnahme.

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