Eine Ärztin spritzt den Corona-Impfstoff von Moderna (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Federico Gambarini; Symbolbild)

Angebot zur Auffrischung

Startschuss für dritte Corona-Impfung in Baden-Württemberg

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Seit Mittwoch werden in Baden-Württemberg Auffrischungsimpfungen gegen Corona angeboten. Für die dritte Impfung sind zunächst nur bestimmte Personengruppen zugelassen.

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Gedacht sind die Auffrischungsimpfungen, "um besonders vulnerable verletzliche Gruppen, Hochaltrige, Vorerkrankte, eben die älteren Menschen - auch, die mit einem herabgesenkten Immunsystem zu kämpfen haben, zu schützen", sagte der baden-württembergische Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne). Impfberechtigt sind Menschen, die älter sind als 80 Jahre, Pflegebedürftige, die im eigenen Haushalt leben und Menschen mit einer Immunschwäche.

Zweitimpfung muss mindestens sechs Monate zurückliegen

Unabhängig vom Alter oder Vorerkrankungen können sich auch alle impfen lassen, die bisher ausschließlich mit einem sogenannten Vektorimpfstoff von Astrazeneca oder Johnson & Johnson geimpft worden sind. Sie bekommen nun das Angebot einer weiteren Impfung mit dem besonders wirksamen mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer oder Moderna. Voraussetzung für die Auffrischungsimpfung ist, dass die Zweitimpfung mindestens sechs Monate zurückliegt. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) sind das ungefähr 750.000 Menschen in Baden-Württemberg.

Drittimpfungen gibt es in den Impfzentren bis zu deren Schließung Ende September, außerdem bei Hausärzten oder Betriebsärzten. In die Pflegeheime kommen bei Bedarf mobile Impfteams - davon gibt es 18 im Land.

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Land und Ärzte sehen sich gut vorbereitet

Land und Hausärzte sind zuversichtlich, für die geplanten Auffrischungsimpfungen ausreichend Impfstoff, Personal und mobile Impfteams eingeplant zu haben. "Wir haben die Infrastruktur und wir haben den Impfstoff", sagte Uwe Lahl, Amtschef im Gesundheitsministerium. "Wir machen es, weil es sinnvoll ist und weil wir die Möglichkeiten haben." Auch die niedergelassenen Ärzte sind nach Angaben ihres Verbands vorbereitet: "Die Hausärzte in Kombination mit Betriebsärzten und mobilen Impfteams werden das schaffen", sagte Manfred King, der Sprecher des Hausärzteverbands Baden-Württemberg.

Kritik an mutmaßlich mangelndem Personal und fehlenden Analysen

Allerdings gibt es auch Kritik an mutmaßlich mangelndem Personal, fehlenden Sicherheiten und am Zeitpunkt für die dritte Runde. SPD-Fraktionschef Andreas Stoch hält es für "illusorisch, diese Aufgabe allein den Hausarztpraxen zu überlassen". Er fordert eine Fortsetzung für die Impfzentren, die Ende September schließen sollen.

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, beklagt das Fehlen unabhängiger Analysen. "Wir diskutieren noch viel zu viel auf der Wahrscheinlichkeiten-Ebene und wissen gar nicht, was das Virus mit uns macht", sagt er. Auch die Drittimpfung werde angeboten, ohne dass ausreichend Wissen darüber vorhanden sei, wie der Körper auf die ersten beiden Spritzen oder auf eine Infektion reagiert habe. Brysch fordert, dass bei allen Impfkandidaten zunächst der tatsächliche Immunstatus erhoben wird.

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Stiko-Empfehlung zu dritter Corona-Impfung gefordert

Derweil fordern die Kassenärzte eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) für Auffrischungsimpfungen gegen das Coronavirus. "Die Stiko hat die Daten, um für bestimmte Gruppen eine Empfehlung für eine Drittimpfung auszugeben", sagte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Die Stiko trifft rationale, faktenbasierte Entscheidungen - anders als mitunter die Politik", sagte Gassen.

Stiko will Empfehlung "möglichst bald" aussprechen

Bislang liegt noch keine Empfehlung für die Auffrischung vor, sie soll aber für Senioren und Immungeschwächte möglichst bald ausgesprochen werden, sagte der Ulmer Virologe und Stiko-Chef, Thomas Mertens. Die Aufarbeitung der vorliegenden Daten sei in vollem Gange. Lange werde es nicht mehr dauern, auf ein genaues Datum für die Empfehlung könne er sich aber noch nicht festlegen. 

Die dritte Impfung ist - wie die Erst- und Zweitimpfung auch - freiwillig. Auch die 3G-Regel schreibt keine Drittimpfung vor.

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