Doro Moritz, Landesvorsitzende der GEW, nimmt an einer Pressekonferenz teil. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Marijan Murat/dpa)

Nach zwölf Jahren Bildungspolitik

GEW-Landeschefin Moritz geht in Ruhestand - ein Porträt

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Die GEW-Vorsitzende Doro Moritz geht in den Ruhestand und tritt nicht mehr als Landesvorsitzende in Baden-Württemberg an. Wir blicken zurück auf mehr als ein Jahrzehnt ihrer Karriere.

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Zwölf Jahre lang war Doro Moritz die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Baden-Württemberg. Ihr Amt ist sie bereits 2008 angetreten, noch zu Zeiten des CDU-Ministerpräsidenten Günther Oettinger. Als sich dann Anfang 2011 die grün-rote Landesregierung formierte, war das für die Gewerkschafterin Moritz ein Höhepunkt:

"Ganz plötzlich waren die Parteien an der Regierung, die mit uns in ihrem Wahlkampf gleiche Positionen vertreten haben. Es war eine unglaubliche Stimmung."

Moritz: Die Grund- und Hauptschullehrerin aus Heimsheim

Zu ihren Anfängen: Doro Moritz wurde 1955 in Pforzheim geboren. Ursprünglich hat sie Sport, Deutsch und Soziologie studiert und als Lehrerin in Heimsheim (Enzkreis) gearbeitet. In den 64 Jahren seit Gründung der GEW Baden-Württemberg war Moritz die fünfte Vorsitzende. Zur Gewerkschaftsarbeit habe sie ihr ausgeprägter Gerechtigkeitssinn geführt. Den habe sie nämlich von ihrer Mutter. Sie erzählte ihr als kleines Mädchen ein einprägendes Beispiel, erzählt Doro Moritz im SWR:

"Sie war eine fromme Frau und wir hatten einen Pfarrer in unserem Ort, der plötzlich entschieden hat, dass er keine Kinder mehr tauft. Dann ist meine Mutter auf die Barrikaden gegangen und das hat mir bewusst gemacht, dass ich Ungerechtes nicht stehen lassen darf."

Mehr als zehn Jahre Bildungspolitik

In ihren zwölf Jahren als GEW-Landesvorsitzende hat Moritz an vielem mitwirken können. Unter anderem an der regionalen Schulentwicklung, der Verankerung von Ganztagsschulen, Inklusion im Schulgesetz und der Weiterentwicklung der Gemeinschaftsschule. Besonders gut konnte Moritz, die selbst parteilos ist, mit dem damaligen SPD-Kultusminister Andreas Stoch.

Nicht mehr so gut lief es dann mit der derzeitigen Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU). Sie habe der Schulpolitik wieder einen sehr konservativen Stempel aufgedrückt, findet die Gewerkschafterin. In einer aktuellen Mitteilung schreibt Moritz: "Ich erinnere daran, dass Kultusministerin Eisenmann antrat mit der Ansage, keine Strukturveränderungen vorzunehmen und Ruhe in die Schulen zu bringen. Sie hat eine vermeintlich kleine strukturelle Veränderung vorgenommen, die große Wirkung hatte und massive Unruhe ausgelöst hat."

Doro Moritz, Günther Oettinger und der ehemalige GEW-Vorsitzende Rainer Dahlem sitzen beisammen. (Foto: dpa Bildfunk, (c) dpa - Bildfunk (Archiv))
Ein Bild aus alten Zeiten: Im April 2008 wurde Doro Moritz in Heilbronn zur neuen GEW-Landesvorsitzenden gewählt. Hier zu sehen mit dem damaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger (CDU) und dem damaligen GEW-Landesvorsitzenden Rainer Dahlem. (c) dpa - Bildfunk (Archiv)

Jetzt geht Doro Moritz mit 65 in den Ruhestand - aber ganz ruhig wird es um sie nicht:

"Ich habe ein Enkelkind. Zwei weitere haben sich angekündigt. Die wohnen bei mir am Ort und ich bin noch wiedergewählt worden als Landesprogrammausschussvorsitzende des SWR-Rundfunkrats. Da kann ich mich jetzt richtig reinhängen und ich bleibe auch im Kuratorium der Landeszentrale für politische Bildung."

Und dann gibt es für Doro Moritz noch den Sport: Radfahren, Nordic-Walking und Tennis liebt sie sehr: Sie habe Sport studiert, nicht weil sie am Leistungssport interessiert war, sondern weil sie sich gerne bewege. "Sport, Bewegung das wird tatsächlich etwas sein, was ich vertiefe," sagte Moritz im SWR.

Wer kommt nach der GEW-Landesvorsitzenden Moritz?

Wenn Doro Moritz in den Ruhestand geht, muss eine neue Vorsitzende oder ein neuer Vorsitzender gewählt werden. Die einzige Kandidatin ist bisher die Grund- und Hauptschullehrerin Monika Stein aus Freiburg. Bei der digitalen Landesdelegiertenversammlung der Bildungsgewerkschaft am heutigen Donnerstag sollen die Kandidaten vorgestellt und anschließen per Briefwahl entschieden werden, wer das Amt übernimmt. Moritz schreibt in einer Mitteilung von Mittwoch, sie hätte sich "sehr gerne in einer Präsenzveranstaltung von der großen GEW-Familie und den Repräsentantinnen und Repräsentanten aus Bildung und Politik verabschiedet". Doch in Zeiten von Corona ist ihr das aktuell nicht möglich.

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