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Laut einer Forsa-Umfrage wird der Schulalltag durch Digitalisierungsprobleme während der Corona-Krise am härtesten auf die Probe gestellt. Insgesamt hat die Stimmung unter den Schulleitern gelitten.

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Schulen in Baden-Württemberg müssen derzeit viele Herausforderungen gleichzeitig meistern. Am häufigsten geben Schulleiter in einer Umfrage des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) jedoch an, Probleme mit der Hardware und einer unzureichenden Anbindung an eine schnelle Internetverbindung zu haben. An der Forsa-Umfrage hatten 269 Schulleiter aus Baden-Württemberg teilgenommen.

Kein flächendeckender Online-Unterricht möglich

Ein Lehrermangel bestehe zwar ebenso weiterhin, jedoch hätte sich die nur langsam voranschreitende Digitalisierung mittlerweile zum größeren Problem entwickelt. Von fast jedem zweiten befragten Schulleiter wurde diese daher auch beklagt. Daher könne Online-Unterricht auch nicht flächendeckend umgesetzt werden. Nicht zu vernachlässigen sei aber auch, dass coronabedingt an jeder Schule ein Lehrer fehle. So bemängelte beinahe jeder dritte Schulleiter fehlendes Personal. Vor zusätzliche Herausforderungen stelle die Pandemie die Schulen auch in Bezug auf die einzuhaltenden Hygienemaßnahmen. Dennoch gaben 80 Prozent an, eine gute sanitäre Ausstattung an der Schule zu haben. Dies bedeute aber auch, dass jede fünfte Schule in Baden-Württemberg die Hygienemaßnahmen nicht optimal umsetzen könne.

Auch Monika Stein, die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), kritisiert in den sozialen Medien den Umgang der grün-schwarzen Landesregierung mit der Bildungspolitik zu Corona-Zeiten. Zur Entlastung der Lehrer sollten insbesondere Lehramtsstudenten vermehrt eingesetzt werden.

RT @GEW_BW_Presse: #GEW #BaWü Monika Stein: Seit fünf Monaten setzen wir für zusätzliches Personal für die Schulen ein. Das würde viel mehr…

Berufszufriedenheit der Schulleiter stark gesunken

Im Vergleich zu den Umfragen der vergangenen drei Jahre sank auch die Berufszufriedenheit der Schulleiter drastisch. Gaben die vergangenen Jahre noch konstant 90 Prozent an, ihren Beruf gerne auszuüben, seien es seit der Corona-Pandemie nur noch 62 Prozent, so Gerhard Brand, Landesvorsitzende des VBE, bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse.

Die Politik habe zwar gute Ausstattungsprogramme auf den Weg gebracht, sagte Brand. Die weitere Umsetzung des Konzepts zur Entlastung der Schulleitungen dürfe nun aber nicht wie angekündigt auf das Schuljahr 2022/2023 verschoben werden. Rektoren bräuchten mehr Zeit und mehr Lehrer, um freie Stellen zu besetzen. Außerdem müsste es bessere Vertretungslösungen für kranke Lehrer geben.

Eisenmann: "Lehrer sind aktuell noch Mangelware"

Das Kultusministerium zeigte Verständnis gegenüber den Schulleitern. "Wir wissen, dass es dringenden Handlungsbedarf bei der Leitungszeit und beim allgemeinen Entlastungskontingent der Schulen gibt", sagte Ministerin Susanne Eisenmann (CDU). Der geplante Ausbau der Leitungszeit könne aber erst in einem zweiten Schritt umgesetzt werden. Es müssten Lehrer eingestellt werden, "die aktuell leider noch Mangelware sind", sagte sie. Die Teile des Konzepts, die sich schon umsetzen ließen, wie eine höhere Besoldung für die Leiter kleiner Grundschulen und eine Zulage für kommissarische Schulleiter, seien aber wie geplant bereits in Gang gekommen.

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