Die stillgelegte Zabergäubahn: Überreste von Schienen sind zugewuchert

Ergebnis neuer Gutachten

Reaktivierung alter Bahnstrecken für die Verkehrswende: Viel Potenzial in BW

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In Baden-Württemberg haben viele stillgelegte Bahnstrecken das Potenzial, wieder erfolgreich in Betrieb genommen zu werden. Das legen neue Gutachten nahe. Doch die Umsetzung stockt.

Ein bundesweiter Vergleich, den die Verkehrsunternehmen und die Allianz pro Schiene vorgenommen haben, ergibt ein eindeutiges Ergebnis: Besonders in Baden-Württemberg könnte es sich lohnen, alte Bahnstrecken wieder zu reaktivieren. Dies ergeben neue Machbarkeitsstudien, die am Montag in Berlin vorgestellt wurden.

Hermann-Hesse-Bahn ab 2025 geplant in Betrieb

Über den Status einer Machbarkeitsstudie längst hinaus ist laut dem Landesverkehrsministerium die sogenannte Hermann-Hesse-Bahn zwischen Calw und Weil der Stadt (Kreis Böblingen). Sie wird bereits ausgebaut. Dort sollen die Menschen von 2025 an - mehrere Jahrzehnte nach der bisher letzten Fahrt eines Personenzugs - mit den S-Bahnlinien 6 und 60 an Stuttgart angebunden werden. Die Bauarbeiten gelten allerdings als sehr aufwendig.

Alter Tunnel mit alten Gleisen
Durch den Tunnel Fuchsklinge der Hermann-Hesse-Bahn sollen 2025 wieder Züge fahren. (Archivbild)

Bevor Bund, Land und Kommunen eine stillgelegte Bahnstrecke wieder in Betrieb nehmen können, muss mit Gutachten geprüft werden, ob sich das überhaupt lohnt. In Baden-Württemberg kamen zuletzt 22 Studien zu einem positiven Ergebnis. Unter anderem sieht es gut aus für die Kochertalbahn zwischen Waldenburg und Künzelsau, die Ablachtalbahn zwischen Mengen und Stockach oder die Verbindung zwischen Breisach und dem elsässischen Colmar.

Bei der Wirtschaftlichkeitsberechnung spielt zum Beispiel eine Rolle, ob bei einer stündlichen Fahrt genügend Fahrgäste diese Strecke nutzen würden und sich die Erreichbarkeitszeiten zwischen Städten und Kommunen deutlich verbessern. Trifft dies zu, übernehmen Bund und Land einen Großteil der Instandsetzung.

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Politik hofft: Neue Bahnstrecken beleben ländliche Regionen

Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) sagte in Stuttgart, durch die Wiederbelebung früherer Bahnstrecken könnten insbesondere ländliche Regionen wieder an das Schienennetz angeschlossen werden. "Neben anderem ist damit meist auch ein Standortvorteil verbunden. Mit unserer attraktiven Förderung haben wir Kommunen die richtigen Werkzeuge in die Hand gegeben, um Reaktivierungen voranzutreiben." Es gebe ein enormes Interesse an Reaktivierungsvorhaben und ein großes Engagement aus Bürgerschaft, Gemeinden und Kreisen.

Was bringen neue Bahnstrecken, wenn Züge nicht kommen? Die SWR Doku "besser bahnfahren! Was muss sich ändern?" aus dem vergangenen Monat gibt einen Überblick:

"Die Zahl der beauftragten Machbarkeitsstudien in Deutschland wächst praktisch täglich - damit ist das Thema Reaktivierung vor Ort angekommen", teilte der Geschäftsführer für Eisenbahnverkehr des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen, Martin Henke, in Berlin mit. Bundesweit gebe es inzwischen für 163 mögliche Strecken entsprechende Untersuchungen von Sachverständigenbüros.

"Bei 103 Strecken liegen Ergebnisse vor. 79 davon waren positiv", sagte Henke. Eine Streckenreaktivierung würde sich in einem solchen Fall also rechnen. In einigen Fällen hätten die Länder schon die nächsten Schritte eingeleitet, etwa mit dem Bau begonnen oder sogar schon den Regionalverkehr bestellt.

Wie es konkret aussieht, wenn auf alten Strecken wieder Züge fahren, zeigt eine Folge von "Eisenbahn-Romantik" von 2020:

Baden-Württemberg

Folge 989 Neues Leben auf alten Gleisen

Seit der Bahnreform 1994 wurden im Südwesten viele Bahnstrecken im ländlichen Raum stillgelegt. Einige wurden allerdings auch reaktiviert. Wir zeigen Beispiele, wo heute wieder Züge rollen. (Folge 989)

Eisenbahn-Romantik SWR

Land BW nimmt übernimmt Großteil der Kosten

Im bundesweiten Vergleich liegt Baden-Württemberg an der Spitze, zeigt die Untersuchung. Das liege auch daran, dass das Land einen Großteil der Kosten für solche Studien übernimmt.

Dennoch generell gebe es bei der Reaktivierung alter Schienenwege nach wie vor zu wenig Tempo, sagte Dirk Flege, Geschäftsführer des Interessenverbands Allianz pro Schiene. "Wir haben inzwischen gute Rahmenbedingungen, viele Studien, viel Engagement vor Ort", sagte er in Berlin.

"Entscheidend ist aber, was hinten rauskommt und da ist die Bilanz extrem mager." Im vergangenen Jahr seien lediglich alte Strecken mit einer Gesamtlänge von acht Kilometern wieder in Betrieb genommen worden. Für das laufende Jahr rechne die Allianz pro Schiene ebenfalls nur mit einer einstelligen Kilometerzahl.

Entscheidend ist, was hinten rauskommt.

Bund setzt Schwerpunkt bei Streckensanierungen

Denn ob eine stillgelegte Bahnstrecke tatsächlich wieder in Betrieb genommen wird, ist am Ende eine politische Entscheidung. Der Bund beteiligt sich zwar an den Kosten, legt den Fokus zurzeit aber eher auf die Sanierung der großen Hauptstrecken, wie der Riedbahn zwischen Mannheim und Frankfurt ab dem kommenden Jahr.

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